Tornado bei Langenau - erst der zweite in diesem Jahr bundesweit

Ein Frauensteiner hat eine Windhose gefilmt. Es ist das zweite Wetterphänomen dieser Art, das seit Jahresbeginn in Deutschland nachgewiesen wurde.

Brand-Erbisdorf/Langenau.

Die Aufnahmen des Frauensteiners Andy Bretzelt wurden seit Montagnachmittag zigtausendfach im Internet angeschaut. Der 23-Jährige hatte einen Tornado mit seinem Handy gefilmt. Er war zu dieser Zeit gerade zwischen dem Freiberger Ortsteil Zug und Berthelsdorf unterwegs, als er zunächst einen Wolkenstrudel nahe Brand-Erbisdorf bemerkte. "Wenig später war auch der Trichter zu sehen, da habe ich das Handy genommen und gefilmt", berichtete er am Montagabend am Telefon. "Es war ziemlich beeindruckend zu sehen, wie schnell sich der Strudel bewegte. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Andy Bretzelt, der in der Frauensteiner Feuerwehr selbst schon einige Einsätze bei Unwetter absolvierte.

Die Windhose - Tornado genannt - die am Montag um 15.57Uhr bei Langenau niederging, ist das zweite Wetterphänomen dieser Art, das von der Tornadoliste Deutschland bestätigt wurde. Insgesamt 22 Verdachtsfälle sind dem Expertenteam, das diese Liste im Internet führt, demnach 2019 bereits aus Deutschland gemeldet worden. Jedoch wurde außer der Brand-Erbisdorfer Windhose und einer weiteren am 13. März bei Aachen kein Verdachtsfall bestätigt. 2018 gab es demnach in Sachsen am 23. September einen Tornado in Niederdorf bei Stollberg.


"Ein Verdachtsfall kann zum Beispiel ein beobachteter oder gefilmter Funnel (Trichter) sein, bei dem noch nicht klar ist, ob es möglicherweise Bodenkontakt gab", heißt es dazu von den Experten auf der Webseite der Tornadoliste. Werde auch der Bodenkontakt beobachtet oder fotografiert, dann liege ein bestätigter Tornado vor. "Er hat kurz nach 16 Uhr in Brand-Erbisdorf den Boden berührt und kam aus der Gewitterzelle über Langenau", teilte das Team Stormchasing mit, das in Mittelsachsen das Wetter beobachtet und außergewöhnliche Beobachtungen postet. Die Windhose sei nur von kurzer Dauer gewesen. "Schäden gibt es keine. Auch die Feuerwehr musste nicht ausrücken", erklärte Brand-Erbisdorfs OB Martin Antonow (parteilos). Kachelmannwetter bestätigte am Montagabend zuerst, dass es sich um einen Tornado handeln könnte, wenig später war das Wetterphänomen auch von der Tornadoliste Deutschland bestätigt worden.


Wild rotierende Luft

Tornados sind wild rotierende Luftmassen beziehungsweise ein kleinräumiger, meist schlauchartiger Wirbel, der von einer Schauer- oder Gewitterwolke durchgehend bis zum Boden reicht. So erklärt es Thomas Sävert, der die Internetseite Tornadoliste Deutschland betreibt. Dort werden sämtliche Beobachtungen und Verdachtsfälle von Tornados in Deutschland gesammelt, dokumentiert und geprüft.

Entscheidend ist der Bodenkontakt.

Das heißt, wenn der Wirbel - unsichtbar oder auch sichtbar - nicht nur bis zum Boden hinabreicht, sondern hier auch sichtbare Auswirkungen hinterlässt, zum Beispiel in Form von Schäden oder einer deutlichen Staubaufwirbelung.

Ab welcher Windstärke am Boden man von einem Tornado spricht, ist nicht einheitlich geregelt. In Wissenschaftskreisen habe sich weitgehend die Ansicht etabliert, so Sävert, erst von einem Tornado zu sprechen, wenn am Boden mindestens Windstärke 8 (entsprechend 63 km/h) auftritt und/oder erste Schäden angerichtet werden.

Windhosen sind mit Tornados gleichzusetzen. Ein Funnel ist dagegen eine Trichterwolke; im Prinzip ein Tornado ohne Bodenkontakt. Unter einer Wasserhose versteht man einen Tornado, der über einer größeren Wasserfläche auftritt. Wasserhosen kommen besonders im Spätsommer und Herbst häufig vor, wenn sich große Temperaturgegensätze zwischen dem Wasser und höhenkalter Luft ausbilden. Eine Stärkeeinschätzung für eine Wasserhose ist nur dann möglich, wenn sie auf Land trifft. (cor)


Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...