Tradition lebt im Erzgebirge fort

Brauchtum im Erzgebirge: Wandern, Heimatabende organisieren, aber auch Feste feiern, das machen die Mitglieder von Erzgebirgszweigvereinen. In Mulda sind besonders viele darin engagiert.

Mulda.

Diesen Tag wird Manfred Dietrich sein Leben lang nicht vergessen. Es war der 23. August 1990, da hat der heute 85 Jahre alte Senior den Erzgebirgszweigverein (EZV) Mulda aus der Taufe gehoben. Seither steht er der Truppe als Vorsitzender vor. Ein historisches Ereignis. Schließlich wurde der EZV, der sich 1883 gegründet hatte, nach Jahrzehnten wiederbelebt. "Es war in der Bahnhofsgaststätte, und wir waren 23 Personen", erinnert sich Dietrich.

Anfangs herrschte eine solche Begeisterung, dass sich rasch an die 200 Mitstreiter zusammenfanden. Die Aufgaben waren vielfältig: Es wurden Wanderwege beschildert, Wegweiser angebracht, Wanderhütten gebaut und Bänke aufgestellt. Aber auch Heimatabende hatte es damals gegeben, wie Manfred Dietrich erzählt, zudem einen Chor, einen Klöppelzirkel und sogar vier Hutzenmusikanten. "Bis vor einigen Jahren hatten wir noch eine Mittelschule im Ort, wo einige unserer Schüler beim Klöppeln und im Chor verankert waren. Diese Schüler fehlen uns heute", so der Muldaer.


Die demografische Entwicklung bekam der Verein ab Ende der 1990er Jahre genauso zu spüren. "Viele der älteren Mitglieder sind in den letzten Jahren verstorben", sagt der Muldaer. "Und das ging auch zu Lasten unseres schon überalterten EZV." Die Folge: Der Altersdurchschnitt ist relativ hoch.

Neben Manfred Dietrich engagieren sich vier weitere Personen im Vorstand. Jüngst hat das Quintett ein Programm für das laufende Jahr aufgestellt. "Unser Anliegen ist es, vor allem dem Wandern, der Geselligkeit und Heimatverbundenheit zu frönen", schildert der Chef des zurzeit 80 Mitglieder zählenden Vereins. Eine Größe, mit der der EZV aus Mulda laut Dietrich immerhin zu den mitgliederstärksten Vereinen des Erzgebirgsvereins zählt (siehe nebenstehenden Artikel).

Gut zehn Höhepunkte stehen im Jahresverlauf an: Heimatabende und Wanderungen zählen unter anderem genauso dazu wie das Hutfest zum Fasching und eine erzgebirgische Kirmes mit echtem Kirmeskuchen. Die Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit, wie Manfred Dietrich versichert. Wandern und das Pflegen der Geselligkeit seien ganz wichtige Faktoren des Vereinslebens.

Beim Organisieren ist der 75-jährige Wilmar Schwabe - seit mehr als 20 Jahren im Vorstand mit von der Partie - eine wichtige Stütze für den Vereinschef. "Ohne ihn wäre ich schön aufgeschmissen. Er nimmt mir vor allem die schriftlichen Arbeiten ab", sagt Dietrich. "Ich denke, wir können schon stolz auf unseren Verein mit Manfred an der Spitze sein", erwidert Schwabe. Seinen Mitstreiter umschreibt Schwabe als einen "ganz quirligen und drahtigen Mann, mit vielen Ideen und einer großen Einsatzbereitschaft".


Verein mit langer Tradition

Bereits 1878 ist der Erzgebirgsverein ins Leben gerufen worden. Aufgrund seines Bestehens zählt er zu den ältesten Heimatvereinen Deutschlands. Da der Verein mit seinen etlichen Zweigvereinen aber nach dem Zweiten Weltkrieg von den Siegermächten verboten wurde, existierte er ab 1945 zehn Jahre lang nicht. 1955 erfolgte in Göttingen ein Neuanfang. Erst nach der Wende war dies in Ostdeutschland möglich. Nach der Neugründung 1990 fusionierten beide Vereine 1991.

Im 50. Jahr seines Bestehens,

also 1928, zählte der Verein an die 30.000Mitglieder, wie es auf der Internetseite des Erzgebirgsvereins heißt. Heute engagieren sich im Erzgebirgsverein rund 3200 Frauen und Männer in 52 Zweigvereinen. Neben der Pflege des Brauchtums, etwa der Klöppel- und Schnitzkunst, steht unter anderem auch das gemeinsame Wandern hoch im Kurs. (acr)

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