Trinkgeld verkürzt Bürokratie

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Gambia.

Halsbrücke/Gambia.

In Gambia fühlen wir uns von Beginn an wohl, auch weil wir hier wieder Englisch sprechen können. "The Gambia", wie das Land offiziell heißt, als kleinstes Land des afrikanischen Festlands, war früher eine englische Kolonie. Die Menschen hier sind freundlich und so werden wir oft mit einem Lächeln begrüßt. Nicht umsonst trägt Gambia auch den Beinamen "The smiling coast of Africa".

Nachdem vor kurzem ein neuer Präsident gewählt wurde, sprühen die Menschen vor Optimismus und oft hören wir, wie stolz sie darauf sind, dass Frank-Walter Steinmeier 2017 als erster Präsident Deutschlands in Gambia zu Besuch war. Die gute Laune kann allerdings auch am allgegenwärtigen Marijuanakonsum liegen. Wir rauchen natürlich nichts und quartieren uns auf einem Zeltplatz unter Leitung zweier Schwaben ein. Zuvor müssen wir auf der ständig überfüllten Fähre den Gambia River überqueren, was mehrere Stunden Warten in der prallen Sonne bedeutet.

Zum ersten Mal seit Abreise sehen wir relativ viele Weiße, meist Touristen aus Großbritannien. Gambia ist aufgrund seiner stabilen Lage von jeher ein Reiseland, sodass es vor allem in der Hauptstadt eine gute touristische Infrastruktur mit Hotels, Restaurants und Bars gibt. Beschämend ist jedoch der recht offensichtliche Sextourismus, denn am Strand und in den Bars sieht man ganz oft ältere, übergewichtige weiße Frauen und Männer mit ihren jungen, schwarzen Begleitungen...

Das im Vergleich zu Dakar weitaus entspanntere Banjul nutzen wir für Botschaftsgänge. Für jedes weitere Land auf unserer Tour benötigen wir von nun an vorab ein Visum. Das heißt Formulare ausfüllen, Passbilder und Reisepass hinterlegen, Visagebühren zahlen (meist 80 bis 100 Euro pro Person) und je nach Land werden noch Kopien vom Führerschein, Hotelreservierung, Gelbfieberimpfung und ein aktueller Kontoauszug verlangt! Ein zeitaufwändiger und nerviger Bürokratismus. Wie einfach und entspannt ist im Vergleich dazu das Reisen innerhalb Europas! Und so dauert es eine Weile, bis wir unsere Visa für Sierra Leone und Nigeria organisieren können. Die Tage bis dahin verbringen wir entspannt am Strand mit ersten Angelversuchen, baden und lesen.

Da sich die Ausstellung des Nigeriavisums, welches neben Angola das mit am schwierigsten zu erlangende Visum der ganzen Reise ist, in die Länge zieht, nutzen wir die Wartezeit, um einen Ausflug in den südwestlichen Teil des Senegal zu unternehmen. Zurück in Banjul halten wir nach Bezahlung eines kleinen "Trinkgelds" auf einmal unser Visum ohne das obligatorische Interview mit dem Botschafter in den Händen. Wir können unsere Reise endlich fortsetzen und fahren ins Landesinnere, immer entlang des Gambia River, in den Kiang West Nationalpark. Dort schlagen wir unser Wildcamp direkt am Fluss auf und hören nachts sogar das Schnauben der Flusspferde. Danach geht es zügig über den Senegal weiter nach Südosten in Richtung Guinea.


Von Nord nach Süd

Anja und Markus Schubert touren seit Wochen durch Afrika. Beide wollen in neun Monaten den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Nach der Hochzeit im September 2017 schmiedeten beide Pläne für eine längere Auszeit. Die 1986 geborene Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf. Nach dem Abitur in Freiberg studierte sie Rechtswissenschaften. Nach dem Referendariat war sie als Rechtsanwältin für Zivil- und Verkehrsrecht in München tätig. Markus Schubert, Jahrgang 1984, wuchs als jüngstes von drei Kindern in Conradsdorf auf. 2003 legte er das Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium ab. Nach dem Studium zum Wirtschaftsingenieur war er zuletzt als Projektingenieur in Tirol beschäftigt. (acr)

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