TU-Neubau: Hiesige Firmen geben Ton an

Der einstige Messeplatz ist nicht mehr wiederzuerkennen. Dabei wird am eigentlichen Vorzeige- Projekt noch gar nicht gebaut. Ein Besuch auf Freibergs größter Baustelle der vergangenen Jahre.

Freiberg.

Wo einst das Riesenrad beim Rummel seine Runden drehte, ragen Kräne in den grauen Himmel. Auf Freibergs größter Baustelle brummt der Laden. Der Messeplatz ist nicht mehr wiederzuerkennen. Unaufhörlich wächst das neue Gebäude namens Zehs - das Zentrum für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung - in die Höhe. Während sich im mittleren Laborflügel Trockenbauer dem Innenausbau widmen, wartet die Forschungshalle noch auf das Dach. Der Kopfbau mit luftdurchflutetem Foyer wird noch auf dann vier Etagen aufgestockt.

Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan, sagt Peter Voit. Als Chef der Chemnitzer Niederlassung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements ist er hier der oberste Herr. Das Vorhaben ist komplex. Allein für das Zehs, in dem nach Inbetriebnahme Ende 2021 bis zu 200 Mitarbeiter an Prozess- und Materialanforderungen für Chemische sowie für Keramik-, Glas- und Baustoffindustrie forschen und das mit Büros, Labors, Forschungshallen, Lastaufzügen ausgestattet wird, sind über 31 Millionen Euro vorgesehen. Rechts neben dem grauen Klinkerbau wartet noch eine Brachfläche darauf, dass die Bagger die Gruben ausheben. Dort ist die neue, 40 Millionen Euro teure Bibliothek samt Hörsaalzentrum vorgesehen. Die Magazin-Räume finden im oberen Teil des achtgeschossigen Hochhauses Platz.

Wie das Material wirkt - das Bibliotheksgebäude wird mit roten Ziegeln verblendet - lässt ein Blick auf eine kleine Muster-Wand erahnen, die Maurer hochgezogen haben. "Die Wirkung bei Tageslicht ist eine ganz andere als auf Papier", sagt Voit. "Der Eindruck entsteht nicht durch den einzelnen Stein, sondern durch die Fläche." Bei einigen Fugen laufen noch Versuche mit verschiedenen Farben, erläutert Jörg Scholich, Leiter der Freiberger Außenstelle des SIB. Die Reihen der Backsteine sind voneinander abgesetzt. Voit: "Das Magazin-Gebäude hat keine Fenster, man muss es also gestalten."

Voit nennt die neue Bibliothek eine Art "Leuchtturm", eine weithin sichtbare "Landmarke" der Uni. Zwei große Hörsäle bieten Platz für je 350 Studenten. "In Spitzenzeiten sind hier bis zu 1000 Leute unterwegs." Entsprechend müssten die Außenanlagen angepasst werden.

Auf welchen Lieferanten bei den Ziegeln zurückgegriffen wird, muss eine Ausschreibung zeigen. Die Steine für die Musterwand kommen aus Nossen. Auch sonst geben regionale Firmen auf der Baustelle den Ton an. Für Rohbauarbeiten bekam Hoch- und Tiefbau Rochlitz den Zuschlag, um den Trockenbau kümmert sich SF-Ausbau aus Freiberg, das Team Rothe Malerwerkstätte aus Hartha sorgt für den Anstrich, Klüber Elektroanlagenbau aus Mulda für die Elektrotechnik, und die Freiberger Popp & Lausser GmbH installiert Heizungs- wie Sanitäranlagen.

Bis zu 50 Firmen sind an so einem Bau beteiligt, sagt Voit. Das SIB schreibt die Leistungen möglichst kleinteilig aus, auch wenn das viel Aufwand bedeute. Voit: "Durch die Direktverträge kommen auch kleine Betriebe der Region nicht nur als Subunternehmer zum Zug ."

Die Arbeit geht der Branche so schnell nicht aus. "In den nächsten Jahren investieren wir in Freiberg deutlich mehr als in andere Standorte", sagt Voit. Neben Zehs und Bibliothek wird bald auch der Clemens-Winkler-Bau der Uni saniert und erweitert. Geplante Investition: über 70 Millionen Euro. Darüber hinaus wird der im Konjunkturprogramm 2009 bis 2011 begonnene Hallenkomplex in der Lampadiusstraße weitergebaut. Eine weitere geplante Investition des Freistaats ist ein neues Bohrkernlager für die Außenstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Insgesamt belaufen sich die Bauinvestitionen in den nächsten vier bis fünf Jahren in Freiberg auf über 200 Millionen Euro. Und an der Reichen Zeche hat eben die Planung eines zusätzlichen Forschungszentrum begonnen.

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