Turnhalle ist nun Prüfungssaal

Wo eigentlich Basketbälle geworfen oder Bock-sprünge absolviert werden, sollen ab 25. Mai die Köpfe der Zehntklässler qualmen. Die Oberschule Halsbrücke richtet ihre Sportstätte für die Abschlussprüfungen her.

Halsbrücke.

Zwei Reihen mit Stühlen und Tischen stehen bereits in der Turnhalle der Oberschule Halsbrücke bereit - alle peinlich genau im Abstand von zwei Metern. Noch zahlreiche weitere werden bis 25. Mai aufgebaut, insgesamt 65. An diesem Tag beginnen für die Oberschüler die schriftlichen Prüfungen.

Dass man bereits jetzt damit begonnen hat, die Turnhalle als Prüfungssaal herzurichten, hat unter anderem damit zu tun, dass Tische und Stühle an ihren Standflächen mit Schonern bezogen werden müssen, um den teuren Hallenboden nicht zu beschädigen. Außerdem wird die Akustik getestet. Bei den Fremdsprachenprüfungen wird ein Text vorgelesen, der von jedem gut verstanden werden muss, nicht nur inhaltlich.

Seit 22. April sind die Zehntklässler wieder regelmäßig zum Unterricht in der Schule. Die drei Klassen wurden in jeweils zwei Gruppen zu zehn bis elf Schülern aufgeteilt, die Klassenräume entsprechend präpariert, damit auch hier der Mindestabstand gewahrt bleibt. Auf den Gängen kleben schwarz-gelbe Streifen, welche Distanzen markieren und Wegrichtungen vorgeben. Ab dem heutigen Mittwoch sind auch die 9. Klassen anwesend, ebenfalls aufgeteilt in Gruppen. "Die 10. Klassen machen den wichtigsten Unterricht mit den Prüfungsvorbereitungen", erzählt Schulleiter Henning Oder. Er ist froh darüber, dass die Neuntklässler ebenfalls in die Materie einsteigen. "Sie hatten seit Mitte März keinen Unterricht mehr, und wir müssen sehen, dass wir den Ausfall noch im kommenden Schuljahr kompensieren können", so Oder.

Dass die letzten Wochen für ihn und sein Lehrerkollegium alles andere als einfach waren, will der Schulleiter nicht verhehlen. Mit einem Mal musste manches sehr schnell gehen. "Wir hatten vor, im Laufe dieses oder nächsten Jahres die Internet-Plattform Lernsax zu etablieren", sagt Henning Oder. "Es sollte alles gut vorbereitet sein, doch dann kam Corona - und alles musste schneller gehen." Zunächst hatte man versucht, den Kontakt mit den Schülern über die Internetseite der Schule zu bewerkstelligen, Aufgaben darüber zu verteilen. René Steinfeld, der Pädagogische IT-Koordinator, kurz Pitko, zeigte sich jedoch überzeugt, dass man Lernsax in kürzerer Zeit als angedacht praktisch anwenden kann. Er schaffte es tatsächlich, es in einer Woche für Schüler wie Lehrer nutzbar zu machen. Das Übermitteln sowie Abrufen von Aufgaben und die Kontrolle der Lösungen erfolgt nun deutlich unkomplizierter. "Und dennoch erfahren wir derzeit, dass der Lehrer vorne an der Tafel nicht zu ersetzen ist", konstatiert der Schulleiter.

Weder unter Schülern noch unter Lehrern ist bislang ein Coronafall festzustellen gewesen. Nichtsdestotrotz hält man sich gewissenhaft an die Auflagen, trägt Mundschutz und desinfiziert sich regelmäßig die Hände. Bittere Pillen gibt es natürlich auch zu schlucken. So wurden alle Abschlussfeiern abgesagt, ebenso jede geplante Klassenfahrt. Die Arbeiten am Anbau der Oberschule gehen derweil kontinuierlich weiter. Dieser soll im Oktober fertiggestellt sein. Durch hohe Zuwendungen aus dem Digitalpakt Schule an die Gemeinde wird dann auch für eine deutlich bessere Ausstattung der Oberschule mit Tablets oder Computern gesorgt sein.

Henning Oder sitzt derzeit schon über den Planungen für das kommende Schuljahr. Dankbar ist er seinen Mitarbeitern und besonders seiner Stellvertreterin, welche die zahlreichen Umplanungen der letzten Wochen für die 28 Lehrer und 385 Schüler koordiniert hat. Mit einer Normalisierung des Lernbetriebs noch in diesem Schuljahr rechnet Oder derzeit eher nicht.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.