Über Rumänien nach Bieberstein

Mein Bieberstein: André und Silvia Grosa haben im Ort vor 14 Jahren einen alten Bauernhof gekauft. Sie möchten die Dorfgemeinschaft nicht mehr missen.

Bieberstein.

Es muss wohl Gottes Wille gewesen sein, dass André Grosa in Bieberstein gelandet ist. Auf jeden Fall hatte ein Pfarrer seine Hände im Spiel. Grosa, in der evangelischen Kirche aktiv, hatte bei einer Ausfahrt nach Siebenbürgen den damaligen Reinsberger Pfarrer kennen gelernt. Als sie sich später in Deutschland wiedertrafen, suchte der Pfarrer Bewohner für das alte Pfarrhaus in Bieberstein. André Grosa, der damals in Wilsdruff wohnte, überzeugte ein paar Freunde und gründete im Pfarrhaus eine Wohngemeinschaft.

Das war 1998. Inzwischen ist André Grosa 48 Jahre alt und verheiratet mit Silvia Grosa, 43. Sie haben drei Kinder, 12, 14 und 15.

Die Grosas wohnen immer noch in Bieberstein. Silvia Grosa sagt, sie habe das Dorf gleich gemocht: "Die Hügellandschaft, die historischen Häuser." Nur eins vermisst sie, die in Schwerin aufgewachsen ist und ihren Mann über eine gemeinsame Freundin kennengelernt hat: die vielen Badeseen.

Vor 14 Jahren haben die Grosas einen alten Bauernhof auf einem Hügel gekauft. Ein dreiviertel Hektar Land mit Platz für Schafe, Hund, Katze. André Grosa arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden.

Hinter dem Wohnhaus sitzen die Grosas unter Weinreben und schauen über die Hügel. Hinunter in den lang gestreckten Ort. Nur rund 200Menschen wohnen in Bieberstein. Zusammen mit Burkersdorf und Gotthelffriedrichsgrund, die inzwischen ebenfalls zur Gemeinde Reinsberg gehören, sind es gerade mal 500 Einwohner. Bieber haben sich wohl schon immer hier wohlgefühlt - schließlich bedeutet der slawische Name "Bobritzsch" so viel wie "Bieberbach".

An Bobritzsch und Mulde sind die Kinder und Jugendlichen des Ortes bis heute gerne unterwegs, erzählen Silvia und André Grosa. Bieberstein habe sich verändert. Jetzt zögen viele Familien zu. Auch der Kindergarten, die "Bieberburg", musste erweitert werden. Als die Kindertagesstätte vor Ort zumachte, entstand eine Elterninitiative und gründete 2008 die "Bieberburg". Silvia Grosa ist heute Erzieherin im Kindergarten. Es sei gut, dass es im Ort einen Kindergarten gebe, sagen beide: "Das Fahren kommt für die Dorfkinder früh genug." Denn eine Schule gibt es in Bieberstein nicht. Die Grundschüler müssen nach Neukirchen.

Der Sohn der Familie geht in Halsbrücke zur Schule, die beiden Töchter in Freiberg - mit dem Bus müssten sie schon um 6.15 Uhr morgens losfahren und kämen am späten Nachmittag nach Hause. So werden sie doch immer mal mit dem Auto gebracht - die Grosas bilden Fahrgemeinschaften mit Freunden. Auch in der Landwirtschaft hilft man sich. So ist es schon Tradition, dass Freunde ihr Obst zum Saftpressen vorbeibringen.

Für viele ältere Menschen sei es aber schwer. Vor einigen Jahren hat im Dorf der Gasthof mit dem Laden zugemacht, jetzt gibt es nur noch einmal pro Woche das Bäckerauto. Ein Ehepaar habe im hohen Alter wegziehen müssen, weil es keinen Arzt gab.

Doch am Tisch der Grosas ist kein Platz für Frust: "Man muss sich eben auch in die Gemeinschaft einbringen", sagt André Grosa. Das sieht sein Freund Mathias Weiß genauso. Er ist auch Mitglied der Gruppe "Bibug". Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Bieberstein, Burkersdorf und Gotthelffriedrichsgrund zusammen, die Gruppe ist inzwischen Teil des Vereins "reinsberg.er.leben". "Die Reinsberger haben uns sehr willkommen geheißen", sagt Weiß.

Auch die Vereine im Ort halten zusammen. Die freiwillige Feuerwehr unterstützt das Yoga-Festival. Wenn die Kirche ein Problem hat, ist die Feuerwehr ohnehin zur Stelle. Das Kinderfest, Adventskonzerte in der Kirche, sie gehören fest dazu.

Und neuerdings gibt es auch einen richtigen Dorfplatz. Als ein baufälliges Haus wegmusste, haben Mathias Weiß und andere Engagierte ein Konzept geschrieben. Inzwischen ist die "Neue Mitte" fertig, Wanderer und Radfahrer halten dort an der Informationstafel an.

Ob die Grosas in Bieberstein alt werden wollen? Eigentlich wollte André Grosa ja irgendwann nach Rumänien. Aber vielleicht bleiben sie auch im Dorf: "Wir fühlen uns hier pudelwohl."

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