Undichtes Silo verunreinigt Gewässer

Der Chef einer Agrargenossenschaft im Erzgebirge muss sich vor dem Amtsgericht verantworten. Er sagt, er habe alles versucht, die Ursache eines üblen Geruchs zu finden.

Von Joachim Heymer

Vor dem Amtsgericht Freiberg hat ein Prozess gegen den Vorsitzenden einer Agrargenossenschaft im Erzgebirge begonnen. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz wirft dem Mann vor, für die Einleitung von Sickersaft aus einer der Genossenschaft gehörenden Siloanlage in einen Bach verantwortlich zu sein. Obwohl ihm seit spätestens November 2014 bekannt gewesen sei, dass aus der erst im gleichen Jahr in Betrieb genommenen Anlage eine die Umwelt gefährdende Flüssigkeit ungehindert ausgetreten ist, habe er nichts dagegen unternommen, sondern die Silos bis 2016 unverändert weiter betrieben. Maßnahmen zur dauerhaften Abstellung des Sickersaftabflusses seien möglich und auch zumutbar gewesen, hieß es von Seiten der Anklagebehörde. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den Verstoß mittels eines Strafbefehles in Höhe von insgesamt 4000 Euro zu ahnden. Der Angeklagte erhob dagegen Einspruch, sodass nunmehr eine Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Freiberg erforderlich wurde.

Der Angeklagte erläuterte ausführlich seine Bemühungen, Abhilfe zu schaffen. Bereits sechs Wochen nach der Inbetriebnahme des Silos sei ihm ein aus einem Regenrückhaltebecken austretender übler Geruch aufgefallen. Ihm sei klar geworden, dass es sich um ausgetretenen Sickersaft handeln müsse. In der Folgezeit habe er alles versucht, um die Fehlerquelle zu finden. Erst eine im Juli 2015 durchgeführte Untersuchung des Asphalts der Bodenplatte des Silos habe zum Erfolg geführt. Es sei festgestellt worden, dass der Asphalt acht Prozent Hohlräume statt der festgelegten vier Prozent aufwies, dass es sich somit um einen Baufehler handele. Niemand habe vorher an Asphaltschäden bei dessen vor Ort erfolgter Verdichtung gedacht, so der Angeklagte. Im Früh- jahr 2016 sei die gesamte Anlage saniert worden. Ein Vertreter des Landratsamtes Mittelsachsen erklärte, dass nach der Selbstanzeige des Vorsitzenden der Agrargenossenschaft am 1. Oktober 2015 umgehend ein Ortstermin stattgefunden habe. Dabei seien Sofortmaßnahmen angeordnet worden, so die Entfernung einer Abwasserpilzschicht auf dem Bach und das Auffangen belasteten Wassers. Auf die Frage von Staatsanwalt Thomas Fischer, weshalb der Betrieb der Anlage nicht untersagt wurde, gab es keine eindeutige Antwort. Der Verteidiger des Angeklagten sagte, eine Stilllegung sei von der Behörde nicht angeordnet worden. Die Verhandlung wird mit der Anhörung weiterer Zeugen am 19. September fortgesetzt.

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