Varieté-Theater unterm Blätterdach

Experiment gelungen: Die Aktion Kunst im Park verwandelt den Albertpark für einen Nachmittag in einen grünenden Kulturtempel. Danach bleibt nur eins zu sagen.

Freiberg.

Es ist ein Gesamtkunstwerk. Unter rauschenden Bäumen duftet es nach Kartoffelchips und Bratwürsten, von rechts klingt Mozart auf dem Akkordeon, von links "Hit The Road Jack" als Blasorchesterversion. "Kunst im Park" heißt das Ereignis, das den Albertpark am Samstagnachmittag in eine Art Varieté-Theater unterm Blätterdach verwandelt hat und dessen Fazit in vier Worten vorweg genommen werden kann: Das schreit nach mehr.

Im Silberrausch-Festjahr sollte "Kunst im Park" insbesondere die bei den Sommernächten wenig belichtete klassische Musik nach Freiberg bringen, so Organisator und Kulturamtschef Andreas Schwinger. Also lud er ein: Chöre und Musiker, Jugendliche und Erwachsene, aus Freiberg, Döbeln, Hetzdorf und Oberschöna.

Bei Klassik machen sie nicht halt. Alles ist vertreten - von Filmmusik bis Rock, von Berggesang bis Volkslied. Auch vom Regen lässt sich das Publikum nicht abhalten, die Klanginstallationen auszuprobieren, am Kaffeestand anzustehen, sich in die Musik zu vertiefen. Künftig dürfe man die Veranstaltung gern erweitern, sagt Petra Lempe, die eben noch hingebungsvoll dem Hetzdorfer Chor "terzschlag" lauschte. Für sie der gebührende Abschluss ihres Spaziergangs durch Live-Musik. Während sie ihre Ziele bewusst aus dem Programm angesteuert hat, kommen andere Gäste zufällig vorbei, gehen langsamer, bleiben neugierig stehen. Wie die Schülerinnen Katharina Zeuner und Elisa Meinert. "Wir wollten uns eigentlich zum Kaffeetrinken in der Stadt treffen, aber als ich vorbeigelaufen bin, habe ich Musik gehört", erzählt Katharina Zeuner. "Und da haben wir dann beschlossen, mal vorbei zu schauen."

Auch an die Kleinsten ist gedacht: Wer noch nicht still auf einen Stuhl sitzen und zuhören möchte, der springt auf einem Klang-Trampolin oder läuft mit einer Droschke im Allegro durch den Park. Erwin Stache ist der Erfinder und Erbauer der ausgestellten Klanginstallationen. Es ist die Verbindung von Musik, Technik und Bewegung, die ihn fasziniere, die Möglichkeit, Musik zu verändern und selbst neu zu gestalten. Mozart in Slow Motion oder rückwärts, je nach dem, wie schnell und in welche Richtung man die Droschke schiebt.

Eine andere Möglichkeit, sich kreativ auszuleben, bietet der Kunstverein der Volkshochschule Oederan mit der "Dicken Berta". Die Skulptur ist das Markenzeichen des Vereins und vor lauter Farbe schon viel zu schwer, erzählt Volker Träger, freischaffender Maler und Keramiker. Zusammen mit einem Töpferstand und einem Puppentheater erweitert er das Fest im Park um die bildende Kunst. Kinder dürfen große Pinsel in die Farbtöpfe tunken und Berta nach ihren Wünschen verzieren. Ähnlich wie in seinen Volkshochschulkursen für malbegeisterte Kinder ab vier Jahren will Träger auch hier Kindern die Möglichkeit geben, sich frei zu entfalten. "Kinder malen noch ihre inneren Bilder. Sie wollen nichts abmalen oder nachmachen.", erklärt er.

Mit großem Hut und weißer Schminke im Gesicht stellt Siegmar Cholet eine eher seltene Kunstrichtung vor: Pantomime. Witzige und philosophische Inhalte, einfache alltägliche Themen und schwere Kost stellt er lautlos und mit großer Geste nebeneinander. Er sei auch etwas nervös, vor allem wenn er vor Laufpublikum auftritt, bekennt er. Tatsächlich sehen einige Spaziergänger ein wenig skeptisch aus, aber Cholet weiß sie einzubinden. Mit einer imaginären Wäscheleine werden die vordersten eingewickelt und finden sich kurzerhand als Requisite in der Geschichte wieder.

Der Höhepunkt: die Übergabe des Kunstförder- und des Jugendpreises der Stadt Freiberg. Ersteren bekommt das Jugendblasorchester Döbeln, dotiert mit über 3000 Euro. Dessen Repertoire umfasst ein großes Spektrum, von ungarischen Volkstänzen bis zur Filmmusik von Star Wars. Sehr abwechslungsreich musizieren auch die Träger des mit 500 Euro dotierten Jugendpreises Erik Erler und Yannik Reuter. Das Akkordeonduo spielt schon seit zehn Jahren unter der Leitung von Tatjana Jontscheva zusammen, und das ebenfalls sehr erfolgreich.

Es ist die gute Mischung und die Gemütlichkeit, die nur durch ein bisschen Sonne noch hätte gesteigert werden können, die die Premiere von "Kunst im Park" ausmachen. Aber was sind schon ein paar Tropfen Regen gegen ein vielfältiges und kostenfreies Angebot an Musik - gepaart mit der Möglichkeit, aus dem schnöden Spazier- einen kreativen Erkundungsgang zu machen und ganz nebenbei mit ungezwungener Geselligkeit versorgt zu werden.

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