Vereinshaus bekommt ein neues Dach

Über 130.000 Euro werden in die einstige Schule in Voigtsdorf investiert, in der Kita und Vereine ihr Domizil haben. Finanziert wird das nicht nur über Gelder aus dem ehemaligen SED-Vermögen.

Voigtsdorf.

In den letzten Zügen liegen die Arbeiten an Dach und Dachgeschoss des Voigtsdorfer Vereinshauses. Über 130.000 Euro werden in die ehemalige Schule investiert, in der jetzt Kita sowie Feuerwehrkapelle, Sportverein, Heimatverein und Jugendverein untergebracht sind. Der Dorfchemnitzer Bürgermeister Jörg Schurig (Freie Wähler) deutet auf das grüne Gebäude: "Es wurde nach der Wende mit teils überlagertem Material saniert. Deshalb waren die Dachschindeln jetzt kaputt." Die Schindeln wurden durch Kunstschiefer ersetzt, die Schalung musste erneuert werden. Laut Vize-Bürgermeister Mathias Rudolph (CDU) wurden Dachbalken verstärkt und Sparren saniert. Ferner erhielt das Gebäude neue Brandschutz-Türen, Rauchschotten wurden geschlossen, eine Brandschutzluke soll noch eingebaut werden. Durch diese Arbeiten kam es laut Schurig zum Bauverzug.

Die Außentreppe erhält eine Absturzsicherung. Das ist ein Beispiel für die Umsetzung der Auflagen des Landesjugendamtes. Dessen Forderungen hatten 2018 zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Elternverein und Landesjugendamt geführt und waren daraufhin teilweise abgespeckt worden. So darf jetzt eine pädagogische Fachkraft mit den Kindern spazieren gehen, wenn ein weiterer Erwachsener die Gruppe begleitet. Das war vorher nicht gestattet - zwei Erzieherinnen mussten dabei sein.

Die Kita hatte sich wegen der Auflagen im vorigen Jahr an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt. "Damals sagte Kretschmer seine Unterstützung zu. Und er hat Wort gehalten", so Schurig. In die Arbeiten am Gebäude fließen 90.000 Euro Fördergelder aus dem Vermögen ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR. Neben diesen PMO-Mitteln werde für die Finanzierung auch der Vorschuss des Investors der drei geplanten Windkraftanlagen in Voigtsdorf genutzt - 20.000 Euro. "Diese muss die Kommune auch dann nicht zurückzahlen, wenn kein Baurecht erteilt werden sollte", so Schurig auf Anfrage. Für die Windräder, deren geplante Standorte vom Außengelände des Vereinshauses aus zu sehen sind, läuft das Genehmigungsverfahren. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften gegen die neuen Windräder.

Laut Schurig erhält die Kommune nach dem Bau der Windräder rund 60.000 Euro Pacht pro Jahr. 80Prozent davon sollen in Voigtsdorf, 20 Prozent in Dorfchemnitz genutzt werden. Sein Stellvertreter Rudolph, auf dessen Land bereits zwei Windräder stehen, verweist auf Angaben des Investors UKA, wonach die drei neuen Anlagen jährlich etwa 44 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren sollen. Damit könnten jährlich 11.000 Haushalte "mit sauberem grünen Strom" versorgt werden. Und neue Windräder würden sich langsamer drehen und seien leiser als alte, so Rudolph.

Durch das "Windgeld" können laut Schurig auch die Dachfenster an der Südseite mit Rollläden versehen werden. Dies war ein Wunsch der Kita. Denn unterm Dach ist der Hort zu finden. "Ein Zimmer wird für die Hausaufgaben genutzt, ein kleineres zum Ausruhen, und das größte ist der Aufenthaltsraum", so Kita-Leiterin Gisela Grogorenz. Kinder und Erzieherinnen hätten sich mit den Arbeiten arrangiert. "Wir nutzen verstärkt die Turnhalle und den Treff des Jugendvereins, mit dem wir gut zusammenarbeiten."


Elterninitiative als Träger

In der Kita "Sonnenland" in Voigtsdorf werden 61 Ein- bis Zehnjährige betreut. Die 30 Hortkinder kommen nach dem Unterricht. 29 von ihnen lernen in der Grundschule Sayda, ein Kind in Clausnitz. Träger ist eine Elterninitiative. Seit 2018 gibt es eine Zusammenarbeit mit der Kita im böhmischen Mezibori bei Litvinov. Der Kontakt ist bei einer Schulung entstanden. Im Mai waren die Voigtsdorfer zu Gast in Tschechien. Sie besuchten den Kletterpark in Osek, nahmen an Maifeier und Kinderfest teil. Gäste aus Mezibori besuchten im April Blockhausen, im November gestalteten tschechische Kinder in Voigtsdorf Räucherhäuschen und Fensterbilder. Drei Erzieherinnen aus der Partner-Kita waren im Dezember dabei, als es um Weihnachtsbräuche im Erzgebirge und in Böhmen ging. Die große Gruppe lernt einmal im Monat tschechische Begegnungssprache. Als die Kinder jüngst den Rentnertreff der Tagespflege von Vereinsmitglied Eva-Maria Glöckner besuchten, sangen sie auch tschechische Lieder. (hh)

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