Vereinshaus soll neues Antlitz bekommen

350.000 Euro sollen in die Alte Schule Seifersdorf investiert werden. Das Gros soll über Zuschüsse finanziert werden, die Kommune müsste 87.500 Euro schultern. Im Stadtrat entbrannte eine Debatte: Sollte die Stadt angesichts der Pandemie lieber sparen?

Seifersdorf.

Bislang hat sich der Seifersdorfer Heimatverein Perzebach um den schrittweisen Ausbau der Alten Schule gekümmert. So entstanden Räume für den Jugendclub und die offenen Vereinsabende. Bis zur 775-Jahr-Feier Seifersdorfs 2023 soll nun die Sanierung des Vereinshauses erfolgen. Dieses ehrgeizige Projekt könnte über das Leader-Programm "Vitale Dorfkerne" bezuschusst werden. Allerdings muss deshalb die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes den Antrag stellen - und nicht der Heimatverein. "Alles andere ist nicht förderfähig", sagte Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) zur jüngsten Stadtratssitzung.

Im November hatte Holger Pönitz, der Chef des Heimatvereins Perzebach, die voraussichtlichen Investitionskosten noch mit rund 100.000 Euro beziffert. Doch inzwischen liegt der Stadt eine Baukostenberechnung des Architekturbüros Göll vor, wonach sich die Baukosten für die Sanierung der Außenfassade und des Dachs sowie für einen neuen Sanitärtrakt auf 340.000 Euro belaufen. Allerdings sind in dieser Summe weder Bodengutachten noch statische Berechnung und Fachplanung für Heizung, Sanitär und Elektro enthalten. Deshalb bat der Bürgermeister die Stadträte darum, Baukosten von 350.000 Euro zu bestätigen. Der kommunale Eigenanteil beträgt 87.500 Euro - das sind 37.500 Euro mehr als geplant. Schreiter rechnet damit, dass der Fördermittelantrag ab Februar gestellt werden kann.

Dass das Projekt nicht unumstritten ist, zeigte die kontroverse Debatte am Montagabend. Mehrere Stadträte zeigten sich erstaunt über die Höhe der veranschlagten Kosten. Susan Ralle (Lebenswerte Stadt) fragte, ob der Aufruf des Leader-Klosterbezirks Altzella zur Abgabe des Fördermittelantrags bereits erfolgt ist. Das verneinte Bürgermeister Schreiter: "Aber das kann jeden Tag, jede Woche erfolgen. Deshalb wollen wir den Antrag bewilligungsreif erarbeiten." Denn es gelte das Prinzip: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Susan Ralle erinnerte an das große Engagement des Heimatvereins bei der Sanierung des Gebäudes und regte an, dass die Kosten möglichst nach unten geschraubt werden sollten. "Ich stimme dem Projekt zu. Denn wir wissen nicht, ob es noch mal so viele Fördermittel gibt", sagte die Siebenlehnerin. Zweifel, dass der Bau preiswerter wird, äußerte hingegen UBV-Stadtrat Joachim Pilz. Schließlich müssten Vorschriften, so zur Wärmedämmung, eingehalten werden. Pilz: "Meine Bedingung ist, dass wir nur bauen, wenn es Zuschüsse gibt." Dieses Vorgehen bestätigte Schreiter.

Der Großschirmaer Volker Scharf (UBV) geht davon aus, dass die veranschlagten Kosten nicht reichen. Angesichts der Coronapandemie sei er nicht bereit, zuzustimmen. "Das ist ein Fass ohne Boden", so Scharf. Einer Komplettsanierung des Gebäudes, die nicht im jetzigen Umfang im Haushaltsplan 2021 berücksichtigt ist, stimme er nicht zu. Gunther Zschommler (CDU/RBV) schätzte ein, dass die Sanierung des Toilettentraktes des Vereinshauses überfällig ist. "Aber wenn jetzt 350.000 Euro investiert werden sollen, ist das eine Summe, die mir zu denken gibt. Denn wir haben auch andere Ortsteile", so der Großschirmaer. Daraufhin verwies Margot Schleicher (Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf) auf die bereits hergerichteten Bürger- beziehungsweise Vereinshäuser, zum Beispiel in Hohentanne und Großvoigtsberg. "Wir sollten die Sache auf den Weg bringen", forderte sie. Auch Bürgermeister Schreiter betonte, dass es in fast jedem Ortsteil ein Bürgerhaus gibt: "Wir haben da in fast allen Orten sehr gute Grundlagen gelegt."

AfD-Fraktionschef Rolf Weigand mahnte an, die Stadt sollte in Pandemiezeiten bei Investitionen lieber Vorsicht walten lassen: "Angesichts der Großwetterlage, die auf uns zukommt, sollten wir erst mal das Notwendige machen und alles andere aufschieben." Weigand schlug vor, über das Projekt noch einmal im Technischen Ausschuss am 1. Februar zu beraten. Das wäre laut Bürgermeister Schreiter aber ungünstig. Denn Steffi Möller vom Klosterbezirk Altzella habe der Stadt geraten, den Antrag zeitnah zu stellen. Christian Schier (SPD-Grüne) sprach sich dafür aus, 2021 lieber die Sanierung des Vereinshauses und damit etwas Entstehendes zu fördern und dafür eventuell auf den geplanten Abriss von zwei Ruinen in Rothenfurth und Reichenbach zu verzichten.

Heimatvereinschef Pönitz, zugleich Stadtrat (Freie Liste Reichenbach-Seifersdorf), sagte: "Die Summe ist kein Pappenstiel". Zugleich betonte er, das Gebäude wird nicht nur von den 30 Vereinsmitgliedern genutzt. Vielmehr finden dort auch private Feiern statt. "Das können alle Einwohner nutzen", so Pönitz.

Das Gros der Stadträte stimmte für das Projekt, dagegen votierte Volker Scharf. Gunther Zschommler, Rolf Weigand und Kai-Uwe Bärsch (AfD) enthielten sich.

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