Verleih von E-Rollern und Co. soll nach Mittweida kommen

Forscher der Hochschule wollen Firmen und Privatleute im ländlichen Raum überzeugen, sich Autos, Scooter und Fahrräder mit Elektro-Antrieb zu teilen.

Mittweida.

Vor gut zwei Wochen sind sie in Chemnitz angekommen: Rund 200 Elektroroller, auch E-Scooter genannt, die per Smartphone-App ausgeliehen werden können. Die Firma Tier Mobility hat sie in der Stadt verteilt. In anderen Großstädten sind die Leih-Roller bereits seit längerer Zeit Teil des Straßenbildes. Nach demselben Prinzip können anderswo auch Fahrräder flexibel ausgeliehen werden. In Freiberg ist schon seit zehn Jahren die Firma Teilauto aktiv, die genauso an weiteren 20 Standorten in Mitteldeutschland Carsharing anbietet.

Shared Mobility heißt das Konzept, nach dem diese Anbieter arbeiten; zu Deutsch: geteilte Mobilität. Als Mantra der Branche galt lange Zeit, dass diese Form des Fahrzeugverleihs im ländlichen Raum nicht funktioniert. Es hieß, dass dort ohnehin jeder mindestens ein eigenes Auto hat und deshalb die kritische Masse an Nutzern nicht erreicht werden kann, die es braucht, um das Geschäftsmodell rentabel zu machen. Dass Shared Mobility in einer Kleinstadt möglich ist, will nun die Hochschule Mittweida beweisen.

Dort wird unter dem Projektnamen "Mobility4All" (Mobilität für alle) an einem System gearbeitet, das elektrisch betriebene Autos, Roller und Fahrräder auf Leihbasis in der Region verfügbar machen soll. Das Projekt wird im Rahmen der vom Bundesforschungsministerium geförderten Blockchain-Schaufensterregion Mittweida durchgeführt. Dementsprechend soll es auf der Blockchain-Technologie basieren, die es ermöglicht, Geld, Unterschriften und beispielsweise Leihverträge sicher digital zu verschicken.

Nachdem Ende vergangenen Jahres die Fördermittelzusage kam, ist "Mobility4All" Anfang des Monats in die Umsetzungsphase gestartet. Nach dem Motto "Teilen statt besitzen" sollen im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts flexible und emissionsfreie Fortbewegungsmöglichkeiten für den ländlichen Raum entwickelt werden, so die Projektpartner. "Der langfristige Fokus liegt auf der automatisierten und bedarfsgerechten Bereitstellung von gemeinsam genutzten elektrischen Fahrzeugen für Privatpersonen und Unternehmen", sagt Alexander Knauer, Inhaber der Professur Digital Business und E-Entrepreneurship an der Hochschule Mittweida. "Insbesondere regionale Unternehmen oder städtische Eigenbetriebe können erstmals Zugang zu Sharing-Diensten erhalten und schrittweise ihre eigene Fahrzeugflotte reduzieren." Für eine nachhaltige Etablierung des Konzepts solle im Anschluss an den Förderzeitraum eine Mobilitätsgenossenschaft in Mittweida gegründet werden, so Knauer.

Mit im Boot ist das Institut für Energiemanagement der Hochschule. "Gerade Firmen wollen beim Thema Mobilität nicht nur auf externe Anbieter setzen, auf die sie keinen Einfluss haben", erklärt René Härtel, der für das Institut arbeitet und Projektleiter bei "Mobility4All" ist. In einer Genossenschaft sei das Mitspracherecht größer - etwa was Fahrzeugtypen oder die Anzahl der Fahrzeuge im Fuhrpark betrifft. "Jeder soll seine Wünsche einbringen, damit wir das Angebot an den Bedürfnissen der Region ausrichten und dann zielgerichtet zur Verfügung stellen können", ergänzt Alexander Knauer.

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