Vielerorts rebellieren Kunden gegen Sparkassen-Schließungen

Es regt sich massiv Widerstand gegen die Sparpläne der Bank. Unterschriften werden gesammelt, Briefe verschickt, Kompromisse vorgeschlagen. Ist eine kreisweite Petition eine Chance, das Ruder herumzureißen?

Großhartmannsdorf.

Sollte die Kasse im Supermarkt künftig die letzte Möglichkeit sein, um in Großhartmannsdorf an Bargeld zu kommen? Wenn wie geplant am 31.Dezember 2019 die Sparkasse im Ort schließt, kann man sich Bargeld nur noch bei einem Einkauf bei Norma auszahlen lassen. Kontoauszüge gibt es dort nicht. Überweisungen werden auch nicht angenommen. Noch hält der Sparkassenbus alle zwei Wochen Dienstagmittag in Mittelsaida. Ob es 2020 dabei bleibt, ist ungewiss. Der neue Tourenplan ist noch nicht veröffentlicht.

Für SPD-Gemeinderat Jens Härtig ist der Plan der Sparkasse Mittelsachsen, 16 von 43 Geschäftsstellen zu schließen, ein Unding. Deshalb hat er - inspiriert vom Aufstand in Sayda - eine Petition gegen den Rückzug des Geldinstituts aus dem ländlichen Raum gestartet. Darin heißt es: "Die Sparkasse wurde in den Dörfern mit dem Ziel gegründet, die Geldversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Wenn sie diese Aufgabe nicht mehr wahrnimmt, haben wir die Sorge, dass sie langfristig den Wettbewerb mit dem privaten Bankensektor, in dem es in erster Linie auf billig ankommt, nicht mehr bestehen wird."

27 Unterstützer hat die Petition bislang. Härtig meint, sie habe "Potenzial für 1000+x Unterstützer". In den kommenden Tagen würden auch vor Ort Unterschriften in der Gemeinde gesammelt, da nicht jeder mit dem Internet vertraut sei. Er wolle so auf eine Anzahl von Unterstützern kommen, "die groß genug ist, um sie der Sparkasse zu übermitteln und damit etwas zu bewirken." Ein Kompromiss wäre beispielsweise, zumindest Automaten an den Standorten zu erhalten. Die Diskussion dazu sei noch nicht ausgereizt.

In Lichtenberg erfährt Bürgermeisterin Steffi Schädlich (Freie Wähler) derzeit täglich den Unmut der Einwohner. "Die Sparkasse hat gerade im ländlichen Raum noch eine hohe Akzeptanz für die Bürger, weil Ansprechpartner vor Ort sind und vor allem Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker", sagt sie. Nun habe der Abbau der Filiale samt Geldautomaten und Auszugsdrucker sogar Wut hervorgerufen. "Ich habe deshalb an Landrat Damm als Vorsitzenden des Verwaltungsrates geschrieben und gebeten, sich der Sache anzunehmen", sagt Schädlich. Es könne nicht sein, dass nach dem Ausdünnen des Filialnetzes zwischen Mulda und der tschechischen Grenze in Holzhau auf etwa 20 Kilometern keine Geldautomaten mehr vorhanden sind. Gerade in diesem Teil des Landkreises wohnten viele ältere Bürger, und die noch verbliebenen Jüngeren versuchten mit viel Engagement, den Tourismus weiter zu etablieren. "Die Schließung der in dem Gebiet befindlichen Filialen ist für beide Generationen ein Fiasko", resümiert die Bürgermeisterin, die zugleich im Kreistag sitzt.

In Sayda rebelliert auch der lokale Gewerbeverein gegen die Rückzugspläne. "In der ganzen Stadt liegen Unterschriftenlisten aus. Die Bürger finden es gut, dass jetzt was passiert", sagt Vereinsvorsitzender Karsten Piefke. Die Filiale in Sayda werde gern genutzt, weil sie barrierefrei zugänglich und der Parkplatz nur wenige Schritte entfernt sei. "Ich denke, die Kunden sind durchaus bereit, den Service vor Ort auch zu bezahlen. Fällt die Filiale weg, ist es wieder ein Einschnitt für neue Ansiedlungen." Der Verein hat nun Briefe an Politiker von der Kreis- bis zur Bundesebene geschrieben, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Eine vorige Woche ins Leben gerufene Online-Petition gegen die Schließung der Filiale in Sayda hat bereits mehrals400Unterstützer. In Siebenlehn werden dem Vernehmen nach auch Unterschriften gesammelt. Auch hier steht die Filiale auf der Kippe.

In Reinsberg hofft Bürgermeister Bernd Hubricht (CDU) auf eine Kooperation, damit Sparkassenkunden kostenlos den Geldautomaten der VR-Bank Mittelsachsen im Ortsteil Dittmannsdorf nutzen dürfen. "Im Gegenzug könnte die Sparkasse ja vielleicht ihren Geldautomaten in Siebenlehn behalten und für VR-Bank-Kunden freischalten", sagte Hubricht in der Gemeinderatssitzung am Dienstag.

Die Sparkasse Mittelsachsen wollte sich am Donnerstag nicht äußern. "Zu den von Ihnen genannten Fragen nehmen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung. Dafür bitten wir Sie um Verständnis", teilte Pressesprecherin Indra Frey mit.

Alle Beiträge zum Thema finden Sie unter Die beiden Petitionen finden Sie unter

freiepresse.de/sparkassemisa

freiepresse.de/spaka1

freiepresse.de/spaka2

 

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7Kommentare
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  • 1
    1
    JohannesMatthes
    09.11.2019

    Diese ganze Diskussion der Leser der Presse lässt sich einfach so erklären!

    Nach dem § 246 des Bürgerlichen Gesetzbuches gilt:

    "Ist eine Schuld nach Gesetz oder Rechtsgeschäft zu verzinsen, so sind vier vom Hundert für das Jahr zu entrichten, sofern nicht ein anderes bestimmt wird."

    Wenn man jetzt von der Sparkasse Mittelsachsen auf Grund der aktuellen EZB Entscheidung zu der Nullzinspolitik ein Darlehen zu einem Baukredit zu 0 % Zinsen erhalten kann, um die Bauwirtschaft anzukurbeln, gleichzeitig die Bank aber keine Zinsen für mehr Sparguthaben zahlt, dann ziehen die Sparer ihre Einlagen ab.

    Damit entstehen für die Sparkasse Mittelsachsen logischerweise Probleme, weil sie keine Gewinne mit einer Zinsdifferenz von 3 bis 5 % zu einem Darlehen mit dem Geld der Anleger mehr erzielen kann, und muss letztendlich damit auch Filialen schließen!

  • 2
    2
    Nixnuzz
    09.11.2019

    Wenn das so einfach wäre, dies zu begrenzen. Ist schon ein paar Jährchen her, als die (Privat-)Bankenwirtschaft der Sparkasse das juristische Messer auf die Brust drückten und diese zwangen, sich den Regeln und Vorschriften des interntionalen Bankgewerbes zu unterziehen. Auslöser war der Zusammenbruch der WestLB in NRW und das ganze drumherum, in dem das Land mit involviert war und da die Sparkassenstrukturen mit hineinspielten. Seitdem sind die auch Personal und Standortbetreffende Spielregeln so. Die Basis der Sparkassen war damit kaputt.

  • 8
    1
    XRayNights
    08.11.2019

    An wen gehen denn die Gewinne der Sparkasse Mittelsachsen?
    Natürlich an den Landkreis Mittelsachsen.

    Somit ist der Landrat direkt verantwortlich - und wenn Herr Damm von der CDU nichts dagegen tut, dann hat jeder Mittelsachse im Sommer 2022 die Wahl ob er diesen Kurs unterstützen will oder nicht.

    Eine Sparkasse ist keine Privatbank mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern eine gemeinnütziges Kreditinstitut mit dem Ziel die Bevölkerung des Geschäftsgebiets mit Geld zu versorgen.

    Leider beachten dies die Landräte nicht, sondern wollen lieber Gewinne die sie dann im Haushalt verwenden können.

    Mit diesem Plan wiederspricht die CDU Mittelsachsen dem Kurs der CDU Sachsen, dass der ländliche Raum gestärkt werden soll.

    Es hat schon einen sehr faden Beigeschmack das man die konkreten Pläne erst nach der Sachsenwahl veröffentlicht.

  • 3
    2
    HHCL
    08.11.2019

    "Es ist jedenfalls eine Frechheit, dass diese Bank immer mehr die Gebühren erhöht und den Service einstampft."

    Das eigentliche Problem liegt bei der Geldpolitik der EU, die den banken die Finanzierungsgrundlage zu großen Teilen entzogen hat und Kosten verursacht. Irgendwo muss man dann sparen.

    Im Grunde hat es "JohannesMatthes" bereits geschrieben.

    Die Roten Daumen sollten sich vielleicht dringend mit der Finanzpolitik der EU beschäftigen und ihr Märchenbild vom reichen Bankmanager, der sich an den Kundengebühren bereichert, korrigieren. Die Kosten für's Konto sind da noch das kleinste Problem dieser Politik.

  • 4
    0
    Einspruch
    08.11.2019

    Verbraucher haben es in der Hand , kündigen und wechseln.

  • 2
    7
    JohannesMatthes
    08.11.2019

    Wie soll eine Bank mit der Nullzinspolitik der EZB leben?

    Es bleibt kein Gewinn, um viele kleine nach dem Jahr 1990 neu erbaute Bankfilialen der Sparkasse Mittelsachsen wie bekannt zum Beispiel in Mohsdorf oder auch in Markersdorf, und andere im Einzugsgebiet der der Sparkasse Mittelsachsen, siehe Karte, weiterhin zu finanzieren.

    Ich erledige meine Bankgeschäfte online.
    Funktioniert einwandfrei.
    Man kann sogar Geld vom Sparbuch zu dem Girokonto problemlos selbst transferieren und umbuchen, einschließlich die Kontoauszüge dazu online abrufen.
    Mit einer EC Karte und einem kontaktlosen Bezahlen benötigt man eigentlich auch kein Bargeld mehr, mal abgesehen zu der Bezahlung noch bei dem Bäcker.

  • 8
    2
    marienthal
    08.11.2019

    Wer bei der Sparkasse ist, sollte meiner Meinung nach die Bank wechseln. Leider profitiert diese Bank noch von älteren Leuten die diesen Schritt eben nicht mehr gehen können/wollen. Das Problem ist nur das Einzahlungen bei Direktbanken nahezu unmöglich sind . Außerdem muss man bei diesen Direktbanken einen Internetzugang besitzen, wodurch der klassische Kontoauszug entfällt.
    Es ist jedenfalls eine Frechheit, dass diese Bank immer mehr die Gebühren erhöht und den Service einstampft. Ich bin seit Jahren nicht mehr dort und bin auch zufrieden. Wie gesagt, solche zusätzlichen Services wie Einzahlungen sind einfacher möglich, aber selbst da verlangt die Sparkasse (am Automat) Gebühren (ich glaub es waren 50 Cent). Sicherlich gibt es da auch Tarife die dies inklusive haben, aber man bezahlt dann noch mehr "Kontoführungsgebühren" (wahrscheinlich damit die Manager noch mehr Kohle für sich einstecken dürfen)



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