Viertklässler entscheiden sich lieber für die Oberschule

In Mittelsachsen ist ein Trend erkennbar: Obwohl Grundschüler eigentlich auf das Gymnasium wechseln dürften, schlagen sie einen anderen Weg ein.

Freiberg.

Die Anmeldungen an Mittelsachsens staatlichen Oberschulen und Gymnasien erreichten im Jahr 2019 einen Rekord. Insgesamt 2304 Viertklässler wurden für das Schuljahr 2019/2020 angemeldet. Das geht aus den Daten des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) hervor. Damit liegen die Werte leicht über denen des Vorjahres, als es 2294 Anmeldungen gegeben hatte. Im Jahr 2017 wurden 2300 Mädchen und Jungen an Mittelsachsens weiterführenden Schulen angemeldet.

Aufgrund eines Gerichtsurteils können seit 2017 auch Schüler ohne entsprechende Empfehlung auf einem Gymnasium angemeldet werden. Einige Politiker befürchteten, dass Oberschulen dadurch zu den Verlierern des sächsischen Bildungssystems werden könnten. So beklagte beispielsweise Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) das "zu Unrecht schlechte Image" der Oberschulen. Mario Peisker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelsachsen, kritisierte vor kurzem zudem eine zunehmende Akademisierung, die nicht nur das Handwerk, sondern auch den Mittelstand allgemein gefährde.


Prozentual betrachtet sind die Anmeldezahlen an den mittelsächsischen Gymnasien im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gestiegen. Von den insgesamt 2304 Anmeldungen gingen 904 ans Gymnasium. 2018 waren es 858 von 2294. Das entspricht einer Erhöhung von knapp zwei Prozent.

Im Vergleich zum vorigen Jahr sank der Anteil der Schüler, die ohne Empfehlung auf einem Gymnasium angemeldet wurden. 2018 waren es nach Angaben der Schulbehörde genau 85 von 858. Dieses Jahr erfolgten von den 904 Gymnasialanmeldungen nur noch 72 ohne Empfehlung.

Viertklässler, die in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Gemeinschaftskunde nicht mindestens einen Notendurchschnitt von 2,0 erreichen, können trotzdem auf das Gymnasium gehen. Sie müssen dafür an einem schriftlichen Leistungstest und einem verpflichtenden Beratungsgespräch teilnehmen. Die endgültigen Aufnahmebescheide erhalten die Eltern am 23. Mai, wie Behördensprecher Lutz Steinert mitteilt.

SPD-Politikerin Sabine Friedel hatte im vergangenen Jahr hervorgehoben, dass ebenso viele Schüler mit Gymnasialempfehlung an der Oberschule angemeldet wurden, wie andersherum. Als "sehr erfreulich" bewertete das die sächsische Landtagsabgeordnete. Daten kann das Lasub dazu nicht nennen, weil es, wie es heißt, keine Statistik darüber führt. So lässt sich für Mittelsachsen nur festhalten, dass 2019 1056 Gymnasialempfehlungen ausgesprochen wurden bei nur 904 Anmeldungen. Auf 1248 Empfehlungen für die Oberschule erfolgten im Landkreis hingegen 1400 Anmeldungen.

Möglicherweise entscheiden sich Eltern und ihre Kinder mit Gymnasialempfehlung demnach tatsächlich häufiger für die Oberschule als andersherum. Allerdings berücksichtigen die Zahlen nicht, ob Viertklässler an weiterführenden Schulen eines anderen Landkreises angemeldet werden.


Anmeldezahlen an Schulen in der Freiberger Region

Oberschule Niederbobritzsch: 42

OS Brand-Erbisdorf: 90

OS Eppendorf: 72

OS "Clara-Zetkin": 100

OS "Clemens Winkler": 14

OS "Pabst von Ohain": 28

OS Halsbrücke: 70

OS Oederan: 46

OS Sayda: 51

OS Rechenberg-Bienenmühle: 41

Cottagymnasium Brand-E: 133

Schollgymnasium Freiberg: 134 (5 mit OS-Empfehlung)

(Quelle: Landesamt für Schule und Bildung, nur staatliche Einrichtungen, Stand: 12. März 2019)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...