Voller Einsatz nicht nur auf dem Platz

In Zeiten der Pandemie sind Hilfsangebote wie dasjenige aus Lunzenau für Risikogruppen wichtig. Denn die Betroffenen sollen Kontakt mit anderen meiden. Derweil breitet sich der Virus immer weiter im Landkreis aus.

Freiberg/Lunzenau.

Am 4. Tag der bedingten Ausgangssperre in Sachsen und am 24. Tag, nachdem der erste Corona-Fall im Freistaat registriert wurde, befindet sich offenbar erstmals ein Patient aus Mittelsachsen in einem zwar schwierigen, jedoch keinem lebensbedrohlichen Zustand. Das Landratsamt spricht von "einem schweren klinischen Verlauf". Mehrere Erkrankte müssen stationär behandelt werden.

Die Anzahl der Infizierten steigt derweil weiter: 61 Fälle sind Stand Donnerstag laut Behördensprecher André Kaiser im Landkreis an Corona erkrankt, 204 Personen in Quarantäne. Trotzdem: Andere Regionen sind weit mehr betroffen. Die sogenannte Inzidenz, also die Anzahl der Fälle je 100.000 Einwohner, liegt hier gerade einmal bei 20. Zum Vergleich: Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beläuft sich die Inzidenz auf 43.

Dennoch: Hilfsangebote, die Risikogruppen wie betagten Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen zugutekommen, werden aufgrund der zunehmenden Ausbreitung der Pandemie, immer wichtiger. Das wissen auch die Verantwortlichen des SV Fortschritt Lunzenau. Genauso wie viele Privatleute und einige Initiativen im Landkreis bietet der Verein deshalb zurzeit Hilfe beim Einkaufen an. "Wir möchten unserer sozialen Verantwortung auch in schwierigen Zeiten gerecht werden und gemeinsam mit unseren Vereinsmitgliedern helfen", informiert der Verein.

Und so war die Freude bei Ute und Bernd Füssel am späten Donnerstagnachmittag groß, als Pascal Müllrich an der Tür des Ehepaars aus dem Lunzenauer Ortsteil Berthelsdorf klingelte. Denn er hatte Lebensmittel für die nächsten Tage im Gepäck. Die 66-Jährige und der 71-Jährige haben Vorerkrankungen und daher angesichts der Corona-Pandemie Angst, sich beim Einkaufen anzustecken.

"Ich halte es in dieser Krise für sehr wichtig, gerade ältere Menschen zu unterstützen, damit sie als Risikogruppe nicht vor die Tür müssen", sagt Müllrich. Neben ihm gehören aktuell neun weitere zum Helferteam des Vereins. Jeder einzelne kann je drei Familien oder alleinstehenden Lunzenauern helfen, erläutert Vereinschef Tommy Haeder. Vier Haushalte nutzen den Service bereits, weitere Anfragen gibt es. Die Aktion sei auf Lunzenau und seine Ortsteile begrenzt. "Wir nutzen zwei Einkaufsstätten, in denen wir über die normale Abgabemenge hinaus einkaufen gehen können."

Er hofft, dass das Helfer-Team bald richtig ausgelastet ist und die Corona-Krise ein schnelles Ende findet. "Uns fehlt das Vereinsleben", sagt er. Knapp 400 Mitglieder sowie sieben Abteilungen zählt der SV Fortschritt. Zwei neue Abteilungen sollen bald dazu kommen.

Abgeschaut haben sich die Lunzenauer die Aktion übrigens in der Ferne: vom FSV Basdorf in der Gemeinde Wandlitz, nördlich von Berlin. Mit dem 290 Mitglieder starken Fußballklub besteht seit Jahren eine Vereinsfreundschaft. Marcus Bock hat die Aktion bei den Brandenburgern mit initiiert. Zwar nimmt bisher erst ein Dutzend Personen die Hilfe in Anspruch. "Wir haben aber schon viel Rückmeldung erhalten. Die Leute bedanken sich, dass wir das anbieten", so Bock. Auch aus umliegenden Orten seien Anfragen gekommen, denen der Verein leider eine Absage erteilen musste Bock: . "Es muss nachgemacht werden." (mit acr)

Lunzenauer, die die Hilfe des SV Fortschritt in Anspruch nehmen wollen, können sich bei Carolin Endmann (0176-57895203) oder Tommy Haeder (0176-63398134) sowie unter info@sv-fortschritt-lunzenau.de melden.

 


"Ein positives Signal"

Wie begegnen

andere Vereine der Zwangspause? Dazu sprach Franziska Muth mit Benjamin Kahlert, Geschäftsführer Kreissportbund Mittelsachsen.

Freie Presse: Was halten Sie von der Idee des Lunzenauer Vereins?

Benjamin Kahlert: Die Aktion finden wir sehr gut. Ein positives Signal in Zeiten, wo der Sport in die zweite Reihe rückt.

Gibt es ähnliche Aktionen von Sportvereinen in Mittelsachsen?

Bisher ist mir dazu noch nichts bekannt. Aber: Die Vereine gehen vielfältig mit der sportfreien Zeit um. Einige bieten individuelle Übungseinheiten an. Kurze Übungen für Zuhause zeigt zum Beispiel der FSV Motor Brand-Erbisdorf im Internet.

Wäre es nicht eine Idee, Aktionen der Vereine beim KSB zu bündeln?

Einen Einblick, wie sich die Vereine derzeit im Netz präsentieren, geben wir in einem Video, etwa zu sehen auf unserer Facebook-Seite, quasi unter dem Motto "Wir bewegen Mittelsachsen - von daheeme". Es soll Motivation sein, gegen den Blues in der sportfreien Zeit. 399 Vereine mit mehr als 47.000 Mitgliedern gibt es im organisierten Sport im Kreis. Alle scharren mit den Hufen, aber müssen warten, damit das Ganze schnell vorbeigeht. fmu


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