Vom Elternhaus in die weite Ferne

Nach der Schule zum Arbeiten ins Ausland: Für viele Jugendliche ein Traum. Eine Veranstaltung bei der Arbeitsagentur sollte helfen, Enttäuschungen vorzubeugen.

Freiberg.

Es gibt viele Arten, fremde Länder zu entdecken. Wer jedoch so richtig in eine andere Kultur eintauchen möchte, braucht nicht nur Zeit, sondern sollte vor allem die touristische Komfortzone verlassen.

Das möchte auch Laura Müller. "Am liebsten würde ich auf einer Farm oder Ranch in Australien arbeiten", sagt die 21-Jährige am Dienstag vor einer Informationsveranstaltung, zu der die Arbeitsagentur in Freiberg geladen hatte. Die gelernte Vermessungstechnikerin ist etwas älter als die meisten Zuhörer. Elf sind es insgesamt, die meisten weiblich, auch einige Eltern sitzen dabei.

Das Interesse an den Arbeitsaufenthalten ist seit Jahren ungebrochen, sagt Julia Richter vom Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV). "Bei jungen Leuten ist das hip." Nach der Schule heiße es daher oft: "Ich will einfach nur ins Ausland." Die Verbandsgeschäftsführerin rät davon ab, solch einen Trip ins Blaue hinein zu unternehmen. "Ohne gründliche Beratung kann das mächtig schief gehen."

Um eben das zu verhindern, ist Janin Stoll nach Freiberg gekommen. Die 23-Jährige arbeitet bei iST (Internationale Sprach-und Studienreisen), einer Organisation, die junge Menschen von 18 bis 35 bei Au-Pair und "Work & Travel"-Aufenthalten unterstützt.

Au-Pair betreuen Kinder in Gastfamilien. Gerade in den USA seien die Deutschen sehr beliebt. "Die Amerikaner halten uns einfach für sehr gute Autofahrer", sagt Stoll. Nicht unwichtig, denn das Kutschieren zwischen Heim und Schule gehört zu den Tätigkeiten des Au-Pair.

Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet "auf Gegenseitigkeit." So soll auch das Verhältnis zwischen Gastfamilie und den jungen Betreuern sein. Gegen ein monatliches Taschengeld, Unterkunft und die Teilnahme am Familienleben kümmern sich Au-Pair um die Kinder und erledigen einfache Haushaltstätigkeiten. "Gerade am Anfang testen die Kids das neue Familienmitglied gerne aus", berichtet Janin Stoll aus eigener Erfahrung. Wichtig dabei: "Den Kindern nicht alles hinterherräumen."

Um in das Au-Pair-Programm für die USA oder Kanada bei iST zu kommen, müssen Bewerber 200 Stunden an außerfamiliärer Kinderbetreuung vorweisen. In den USA wird sogar ein Führerschein verlangt. Dauer des Aufenthaltes sind 12 Monate. Die Altersgrenze liegt zwischen 18 und 26 Jahren. Von Land zu Land variieren diese Werte.

Organisationen wie iST kümmern sich gegen Gebühr von mehreren hundert Euro um Vermittlung einer passenden Gastfamilie, bieten Orientierungsprogramme, führen Beratungen durch und betreuen vor Ort. Stoll empfiehlt, sich ein Jahr vor dem geplanten Abreisetermin zu kümmern. Denn bis die Vermittlung abgeschlossen ist, kann etwas Zeit ins Land gehen. Und in Ländern wie den USA, eventuell auch bald England, muss sich anschließend um das Visum gekümmert werden.

Seit einigen Jahren gibt es auch Au-Pair-Angebote für Ältere. Zwar seien das bislang "Nischenprodukte", so FDSV-Geschäftsführerin Richter. "Für Menschen jenseits der 40, vor allem ohne Kinder, ist das aber eine tolle Gelegenheit, einmal in die Elternrolle zu schlüpfen." Das gelte auch dann, wenn es in den eigenen vier Wänden still wird, nachdem der Nachwuchs ausgezogen ist.

Wem die Kinderbetreuung weniger liegt, der kann sich auch auf einer Ranch, Farm oder in der Gastronomie versuchen. Besonders beliebt sind diese Work&Travel-Programme in Australien. Auch hier helfen Organisationen dabei, passende Arbeitgeber zu finden. Das Gehalt kann dabei schon mal Verhandlungssache sein. Janin Stoll gibt einen Ratschlag: "Wenn Sie etwa Früchte ernten sollen, lassen Sie sich nicht nach gefüllten Körben, sondern nach Stunden bezahlen."

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