Von Handel und Wandel

Die Zeiten für den Einzelhandel sind schwierig. Die Freiberger Händler bleiben in Bewegung.

Von Anke Krauses Büro über ihrem Schreibwarengeschäft Steyer hat man einen netten Blick auf den Freiberger Obermarkt. Dass sie ihn derzeit wahrscheinlich etwas weniger genießen kann, liegt zum einen sicherlich daran, dass das Wetter nicht gerade seine hübscheste Seite präsentiert.

Zum anderen ist es aber wohl auch die Situation des Einzelhandels in der Silberstadt und anderswo, welche der Vorsitzenden des örtlichen Gewerbevereins (kleines Foto) so manche Sorge bereitet. Noch ist es vielleicht etwas früh für eine endgültige Bilanz des Jahres 2018, doch für einen Ausblick auf die nun angebrochenen neuen zwölf Monate braucht man keine Glaskugel.


"Es wird den Handel in diesem Jahr ganz bestimmt noch einmal ordentlich beuteln", sagt Krause nachdenklich. Im eben zu Ende gegangenen Weihnachtsgeschäft haben sich die Auswirkungen des zunehmenden Onlinehandels deutlich komplexer gezeigt als in der ferneren Vergangenheit.

"Die Speditionen waren vollkommen überlastet", erzählt Anke Krause. Durch das Bestellverhalten der Menschen im Internet kämen die Lieferanten kaum noch nach. Ware, welche sie für ihre Kunden orderte, kam deswegen oft viel zu spät, was manchen erst recht dazu bringe, lieber gleich online zu bestellen.

Neue Geschäfte, so die Gewerbevereinschefin, haben es da schwer. So recht erkenne sie auch derzeit nicht, dass sich wirklich etwas tut. "Es genügt nicht, einfach nur ein Geschäft zu eröffnen", meint sie. "Wer heute mit seinem Laden keine Geschichte erzählen kann, der hat es sehr schwer." Es reiche nicht, am Morgen nur die Tür zu öffnen und am Abend wieder zu schließen. Man habe großes Glück gehabt, als sich für das Bilderrahmengeschäft "Das Bild" in der Korngasse eine Nachfolgerin fand. Andere Läden mit älteren Betreibern hoffen, dass sie ähnlich erfolgreich übergeben können. Ansonsten müssen sie schließen. Eine Geschichtezu erzählen haben ohne Zweifel Andrea Gerlach und Bertram Berger. Die beiden Goldschmiedemeister befinden sich derzeit mitten im Umzugsstress, denn nach 17 Jahren in der Burgstraße 16 sind sie demnächst in der Burgstraße 1 zu finden. Das Lokal wird derzeit entsprechend hergerichtet. "Wir hoffen darauf, Ende Februar eröffnen zu können", sagt Andrea Gerlach. Der neue Eigentümer des Hauses Burgstraße 16 habe eine drastische Kostenerhöhung angekündigt, die man nicht mitmachen wolle. Nun wird die Goldschmiede Mieter der Stadt Freiberg. "Wir sehen das als Glücksfall", so Gerlach. "Wir verkleinern uns zwar, werden aber moderner." Auch werde man sich nun auf besondere Teile des Sortiments konzentrieren, wie etwa die Trauringe und natürlich vor allem die eigenen Kreationen.

Nicht ganz sozukunftsträchtig sieht es an einem anderen Ort der Freiberger Altstadt aus. Das Büchereck am Dom hat nach vielen Jahren zum 31. Dezember 2018 seine Türen geschlossen. Derzeit werden Ware und Einrichtung zusammengepackt, um zum Muttergeschäft, der Akademischen Buchhandlung an der Merbachstraße, gebracht zu werden. Mit der Konzentration auf touristische und bergbauliche Literatur sowie einem breiten Angebot an antiquarischen Werken hatte man sich lange am Standort halten können. "Für uns machte sich ganz deutlich bemerkbar, dass die Reisebusse nicht mehr auf dem Messeplatz halten können", nennt Jörg Schingnitz von der Akademischen Buchhandlung einen der Gründe für die Schließung. Bis man sich zu diesem Schritt entschlossen hat, habe man lange nach anderen Lösungen gesucht und leicht sei es nicht gefallen. Doch finde man das Büchereck-Sortiment nun an der Merbachstraße, wo der Verkauf weitergehe.

Auch wenn die Zeichen noch nicht auf Entspannung im Handel stehen, so sieht Anke Krause dennoch Grund zur Hoffnung. Es sei durchaus erkennbar, dass vor allem die jüngeren Leute die Lust am Flanieren und Einkaufen vor Ort wieder entdecken. Senioren schwören sowieso noch immer auf die persönliche Beratung. Vor allem das "Mittelalter" sei es, das eher online bestelle. Doch könne sich auch das wandeln.

Als Besitzerin der Gerberpassage am Untermarkt setzt Anke Krause selbst dazu an, dem Handel in der Altstadt neue Impulse zu verleihen. Mit Modernisierung und Erweiterung soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Gestartet wird von der Meißner Gasse aus, wo die Häuser 21 bis 25 in Angriff genommen werden. Künftig sollen in dem Komplex neben dem Schuh- und einem Supermarkt weitere Geschäfte zu finden sein. Alle dort angesiedelten Ärzte und Dienstleister werden bleiben und eventuell nur kurzzeitig aus bautechnischen Gründen an anderer Stelle residieren. Die Freiberger Gewerbelandschaft bleibt also in Bewegung. Unruhe kann im positiven Sinne eine treibende Kraft sein.

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