Von Siebenbürgen nach Freiberg: Acht Rumänen und ihr Neuanfang bei Saxonia Edelmetalle

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Der Sprachschatz wächst auf beiden Seiten: Die Saxonia Edelmetalle GmbH hat Kollegen aus Südosteuropa eingestellt. "Freie Presse" begleitet sie ein Stück.

Freiberg.

Andri Cutas und Balas Horia studieren die Aushänge im Schaukasten der Fabrikhalle der Saxonia Edelmetalle GmbH an der Alfred-Lange-Straße in Freiberg. Die Mitteilungen sind in Deutsch und in Rumänisch verfasst. So können sie auch die beiden Männer verstehen - sie gehören zu den zehn Rumänen, die aus Sibiu (Hermannstadt) mit nach Sachsen gekommen sind, nachdem das Werk in Siebenbürgen geschlossen worden war.

Nach gut einem Jahr seien acht von ihnen noch in Freiberg, sagt Andreas Liedke. Er leitet die Produktion in der ehemaligen Solarworld-Halle, in der das Unternehmen aus Halsbrücke die Kontaktfertigung konzentriert hat. Zwei der neuen Mitarbeiter seien Ende Juli aus familiären Gründen in ihre Heimat zurückgegangen. "Das ist bedauerlich, aber auch nachvollziehbar", so Liedke. Die Gruppe sei eine große Hilfe für das gesamte Team: "Aus Sibiu sind für uns neue Produkte und Maschinen hierher verlagert worden."

Im Betriebsalltag werde viel mit Übersetzungsprogrammen gearbeitet, berichtet der Leiter der Kontaktfertigung weiter: "Wir lassen dann noch einen rumänischen Kollegen drüberlesen, der auch schon als Kellner in München gearbeitet hat." Viele Unterlagen seien auch einem professionellen Dolmetscher vorgelegt worden, ergänzt Betriebsrätin Doris Stirl: "Das betrifft insbesondere Dokumente zur Arbeitssicherheit."

Dabei wäre das in vielen Fällen praktisch gar nicht notwendig. Er habe schon in Rumänien an der gleichen CNC-Maschine gearbeitet, sagt Andri Cutas. Die Zeichnungen für die herzustellenden Teile seien bemaßt und damit selbsterklärend, fügt der 33-Jährige hinzu: "Und die Maschine kann Englisch." Diese Sprache sei auch die Alternative, wenn eine Frage schnell mit den deutschen Kollegen zu klären ist. Zwar hat die Firma Deutschkurse angeboten, aber die Sprache ist halt schwierig und nicht so einfach zu meistern.

Das Lernen ist dabei keine Einbahnstraße. "Mein Englisch hat sich verbessert", bestätigt beispielsweise Betriebsrätin Stirl. Gerade in der Anfangszeit seien viele Dinge zu klären gewesen - von der Unterkunft über die Eröffnung eines Kontos bis hin zu der Frage, wie die neuen Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze gelangen: "Da ging vieles nur auf Englisch." Ihr habe das geholfen - auch für Gespräche mit Kunden aus dem Ausland.

Und Andri Cutas sagt, dass er auch schon von deutschen Mitarbeitern nach rumänischen Redewendungen und Rezepten gefragt worden sei. Vor allem jüngere Kollegen seien da interessiert. Bei Gesprächen im Betrieb gehe es hauptsächlich um die Arbeit, schränkt Balas Horia ein. Allzu sehr ins Persönliche gehe er nicht: "Wir sprechen nicht über die Familie." Er wolle vermeiden, dass sich die deutschen Kollegen in ihrer Privatsphäre angegriffen fühlen. Diese Vorsicht hält Doris Stirl für übertrieben: "Das dürfte weniger ein Problem der Sprache sein, sondern eher eine Frage der Mentalität." Mancher Sachse berichte beispielsweise gern von den Kindern.

Bisher erschienen sind: "Warum zehn Rumänen in Freiberg Schaltkontakte fertigen", "Den Sprachkurs spendiert die Firma", "Im neuen Zuhause auf dem Wasserberg angekommen" und "Warum das Pfingstfest "Verspätung" hatte".

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