Von Silbermann zur Antonia aus Tirol

Nach einem klassischen Orgelwettbewerb erwartet die Freiberger nun ein ganz anderer kultureller Höhepunkt.

Der junge Niederländer Laurens de Man hatte am Samstag gleich doppelten Grund zum Feiern: Ausgerechnet an seinem 26. Geburtstag gewann er den Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb und machte sich damit wohl selbst das größte Geschenk. Neben 7000 Euro Preisgeld und viel Aufmerksamkeit in der Musikwelt erwarten ihn nun zahlreiche Auftritte an bedeutenden Orgeln in ganz Europa, unter anderem in Innsbruck, Trondheim und Toulouse.

Die Jury erfuhr von seinem Geburtstag natürlich erst nach der Verkündung der Sieger im Dom. Für Laurens de Man und die beiden anderen Preisträger Ismaele Gatti (Italien) und Mitsune Uchida (Japan) hieß es danach gleich wieder: ran an die Orgel! Denn am Sonntag durften sie beim Abschlusskonzert ihr Können noch einmal vor einem großen Publikum unter Beweis stellen. Bevor es endlich zu Pizza und Bowle mit dem Festivalteam ins Silbermann-Haus ging, durften sie sich noch ins Silberne Buch der Stadt Freiberg eintragen.

Beim Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb, der alle zwei Jahre parallel zu den Silbermann-Tagen stattfindet, kommen die besten Nachwuchsorganisten aus aller Welt nach Freiberg. Nicht nur attraktive Preisgelder locken die Teilnehmer, sondern vor allem die einmalige Möglichkeit, an den historischen Orgeln Gottfried Silbermanns und seiner Schüler aus dem 18. Jahrhundert ihr Können unter Beweis zu stellen. Für viele ist der Wettbewerb zudem ein Karriere-Sprungbrett.

Eine große Ehre dagegen wurde den Eheleuten Marianne und Dr. Frank-Michael Engel zuteil: Sie durften sich am Wochenende im Rahmen des Welterbefestes ins Goldenen Buch der Stadt Freiberg eintragen. Seit Jahrzehnten haben sich die Beiden für den Unesco-Welterbetitel der Montanregion Erzgebirge/ Krušnohorí stark gemacht. Ihr beispielloses Engagement zeigt ihre tiefe Verbundenheit zu Freiberg und zur Montanregion, heißt es zur Begründung aus dem Rathaus. "Dank ihres hohen privaten Einsatzes, ihrer Überzeugungsarbeit und auch ihrer finanziellen Unterstützung konnte die Bewerbung zum Welterbe über die Jahre aufrechterhalten und schließlich am 6. Juli 2019 in Baku von Erfolg gekrönt werden." Ihr Einsatz galt natürlich nicht nur der Stadt Freiberg, sondern der gesamten Region, die sich für den Unesco-Welterbetitel bewarb, heißt es weiter. Bei der Eintragung ins Goldene Buch dabei waren Oberbürgermeister Sven Krüger (im Bild v. l.), Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Tschechiens AußenministerTomášPetøíèek. Während diese beiden Höhepunkte im Stadtleben nun der Vergangenheit angehören, steht der folgende noch an. Das kommende wird ein sogenanntes Premieren-Wochenende. Denn erstmals findet dann in Freiberg offiziell ein Oktoberfest statt. Dazu lädt das Brauhaus vom 20. bis 22. September auf sein Gelände am Fürstenwald ein, wo nicht nur ein großes Festzelt, ausgestattet mit allem Pipapo für die richtige Oktoberfest-Atmosphäre, die Gäste erwartet, sondern auch ein Schaustellerbetrieb davor. Der Clou: Bis auf die Abendveranstaltungen wird keinerlei Eintritt erhoben.

Am Freitag geht es um 18 Uhr ganz klassisch los, denn ohne einen zünftigen Fassbieranstich funktioniert so eine Party ja bekanntlich nicht. Dafür wurde sogar extra ein auf 140 Hektoliter limitiertes Festbier gebraut, welches nur frisch vom Fass und auch nur, so lange der Vorrat reicht, erhältlich ist. Als musikalischer Höhepunkt tritt an diesem Abend Antonia aus Tirol auf. Mit Songs wie "Ich bin viel schöner" oder dem "Knallroten Gummiboot" dürfte für jede Menge Partypower gesorgt sein.

Am Samstag geht man dann zum "Schichtbetrieb" über. Die erste Schicht beginnt um 12 Uhr mit einem gemütlichen Frühschoppen, zu dem böhmische Blasmusik erklingt. Die zweite Schicht ab 18 Uhr hält dann mit Lorenz Büffel einen Oktoberfest-Musikanten par excellence bereit. Für die wenigen, die ihn noch nicht kennen: Er erweiterte das deutsche Liedgut um solche Klassiker wie "Johnny Däpp", "Aram Zam Zam" oder "Beate die Harte".

Doch vor allem auf den Sonntag sollte man seine Aufmerksamkeit richten. Da in diesem Jahr das beliebte Freiberger Brauhausfest logistischen Zwängen zum Opfer fiel, drohte ja sogar das Aus für den Sportler-Frühschoppen, bei dem Vereine aus der näheren und ferneren Region eingeladen waren, an allerlei sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, moderiert von Reporter-Legende Gert "Zimmi" Zimmermann. Doch muss darauf glücklicherweise niemand verzichten, weder das Publikum noch die Vereine. Ab 10 Uhr heißt es bei der ersten Schicht "Sport frei". Musikalisch untermalt werden die Disziplinen wie etwa das Maßkrugstemmen von "De Erbschleicher" und Zimmi fehlt natürlich auch nicht.

Am Abend dann zur zweiten Schicht geht ein Stern auf, und zwar der gesungene. Denn niemand anders als DJ Ötzi ist dann zu erleben. So steigert sich das erste Freiberger Oktoberfest von Tag zu Tag. (mitckm/bk)

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