Vorschlag: Mehr Rechte und Pflichten für Ortschaftsräte

Es gibt mehrere Gründe dafür, warum die Verwaltung die Ehrenamtler intensiver einbeziehen will - Vorschläge dafür auch.

Frauenstein.

Wie wollen Dorfbewohner ein Jubiläum feiern? Lässt sich die Pflege der Blumenbeete und Grünanlagen im Ort verbessern - wer hilft eigentlich dabei? Brauchen die Vereine Unterstützung, wie steht's überhaupt mit der Kultur im Dorf? Fragen, die am Montagabend im Raum standen. Gerichtet waren sie an die Vertreter der Ortschaftsräte aus den Stadtteilen, die in den Frauensteiner Stadtratssitzungen stets dabei sind. Künftig will Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos) die ehrenamtlichen Gremien der Orte mehr einbeziehen. In neuer Runde finden sie sich nach der Kommunalwahl zusammen. Nassau, Burkersdorf, Dittersbach sowie neuerdings vereint: Frauenstein und Kleinbobritzsch.

Was zunächst wie eine kurze Information erschien, die Reiner Hentschel gegen Ende der öffentlichen Beratung gab, könnte richtungsweisend werden. "Die Ortschaftsräte wissen vieles besser aus ihrer unmittelbaren Umgebung als wir in der Stadtverwaltung. Deshalb könnten ihre Kompetenzen und Budgets ausgebaut werden", erklärte das Stadtoberhaupt. In einer Art Diskussionspapier warf er Fragen auf - vorangestellt die Worte: "Was wünscht sich der Ortschaftsrat, aber was kann er auch selbst tun?"


Einerseits will die Verwaltung so mehr Bürgernähe erreichen, die Initiatoren in den Orten besser einbeziehen und somit zugleich Vermittler - die Ortschaftsräte - mehr zu Verantwortlichen machen. "Andererseits haben wir gemeinsam bereits vieles verwirklicht. Aber die Aufgaben und Projekte für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden umfangreicher, und es kommen neue Projekte hinzu. Effektives Arbeiten in der Verwaltung ist wichtig", lenkte Hentschel den Blick auf größere Herausforderungen.

Seine Gedanken untermauerte er mit Vorschlägen, wie die Ortschaftsräte in der neuen Legislaturperiode mehr konkrete Aufgaben übernehmen sollten. So könnten für jeden Stadtteil Prioritäten und ein Budget festgeschrieben werden. Beispielsweise seien, um die Arbeit des städtischen Bauhofes zu unterstützen und zu planen, bei Ortsrundgängen wichtige Aufgaben zu besprechen und festzulegen. Hilfe und Eigenleistungen aus den Orten seien für Projekte intensiver denkbar. Die Organisation und der Finanzplan für örtliche Veranstaltungen könnten den Ortschaftsräten übertragen werden. Am 29. Juli wollen sich alle an einen Tisch setzen und über die Vorschläge diskutieren.


Kommentar: Das Ohr an der Masse

Es kennt sich ja jeder im Dorf - und auch in einer kleinen Stadt wie Frauenstein. Also liegt es auf der Hand, dass ein Ortschaftsrat Ideen und Anregungen, aber auch Bedenken und Kritik der Einwohner zuerst erfährt - sozusagen das Ohr an der Masse hat. Und dieses "Ohr" künftig so zu nutzen, dass mehr vor Ort - quasi näher an und mit der Masse - entschieden wird, könnte einiges voranbringen. Allerdings sollte es nicht so sein, dass die Not der Stadtverwaltung - verpackt in mehr Bürokratie und weniger Personal - nun als Tugend des Ortschaftsrates verpackt wird. Schließlich sind Ortschaftsräte Ehrenamtler - und Bürgernähe ist zuerst von Hauptamtlern gefordert. (ar)

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