Wälder unter Dauerdruck

Erst die Stürme, dann die Borkenkäfer und lang anhaltende Trockenheit: Der Forst kämpft derzeit gegen viele Widrigkeiten. Die Hiobsbotschaften der letzten Monate haben für die Experten aber auch eine gute Seite.

Hetzdorf/Naundorf.

Nachdem die Schäden des im Januar 2007 verheerend zugeschlagenen Tiefs Kyrill aufgeräumt waren, registrierte Förster Jürgen Schmieder vom Revier Hetzdorf im Tharandter Wald rund 80 Hektar kahle Fläche. Etwas mehr als zehn Jahre später suchten gleich zwei Stürme die Region heim: Herwart im Herbst 2017, Friederike dann im Januar. Im Tharandter Wald hinterließen sie noch mehr Schäden als Kyrill.

Vor allem, wo Fichten-Monokulturen dominierten. Schmieders Revier traf es deutlich geringer. An Kahlfläche hat er vielleicht einen Hektar zu beklagen. Das hat auch mit dem Sturm von vor zehn Jahren zu tun. Die damals verheerten Flächen wurden zum Waldumbau genutzt. "Wir haben hier heute eine schöne Mischung", sagt Schmieder und weist auf die Fläche. Roteiche, Buche, Eberesche seien aufgeforstet worden, hier und da steht eine Esskastanie, eine Douglasie. Die Forstleute sprechen von Verjüngung. "Ein großer Teil der Verjüngung ist diesmal stehen geblieben", sagt Schmieder. Für ihn wie für seine Kollegen heißt das: Der Waldumbau trägt Früchte.

Waldumbau: Das Schlagwort steht für den Wandel weg von Monokulturen, meist Fichten, hin zu artenreichen Baumbeständen, die so besser mit widrigen Umständen wie Veränderungen des Klimas oder extremen Wetterlagen klarkommen. Wie dieser Umbau vorankommt, das hat gestern Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) mit Experten sowie Mitarbeitern des Sachsenforst exemplarisch am Tharandter Wald vorgeführt.

Es fiel nicht leicht, angesichts der aktuellen Lage die positive Botschaft mitzunehmen. Gäbe es die dürren Äcker nicht, wären wohl die Wälder Sachsens neues Katastrophengebiet. Nach Herwart und Friederike setzen nun Hitze, Trockenheit und damit verbunden eine immer stärkere Invasion der Borkenkäfer die Forstleute unter Druck.

Seit 2012 schon steigt im Freistaat die Menge an von Borkenkäfern befallenem Holz. Waren es damals noch 6000 Kubikmeter, hatte sich die Menge 2014 mehr als verfünffacht. In der Saison 2017/2018 zählten die Statistiker 79.000 Kubikmeter - das Dreizehnfache von vor sechs Jahren. Da das sogenannte Käferjahr im Mai endet, sind Verluste durch die aktuelle Dürre mit ihren idealen Brutbedingungen noch nicht eingerechnet.

Und damit nicht genug. Die Hitze lässt nicht nur Käferpopulationen explodieren. Die Trockenheit setzt den Jungpflanzen zu. Viele befinden sich nur noch im "Überlebensmodus", sagt Sven Irrgang, Leiter des Forstbezirks Bärenfels, zu dem der Tharandter Wald gehört. Die jungen Triebe brauchen Wasser nicht nur fürs Wachstum, sondern für ihr eingebautes Kühlsystem. Ihre Wurzeln sind kaum ausgeprägt, Vorräte und Reserven kaum vorhanden.

Ergebnis: Manche Standorte mit neuen Pflanzen sind zu hundert Prozent verloren. Bezogen auf den gesamten Forstbezirk, schätzt Irrgang, betragen die Verluste unter den Neupflanzen schon bisher 30 bis 50 Prozent. Zum Vergleich: In einem Jahr setzen seine Leute rund eine Million Bäume. "Eine Katastrophe", sagt der Forstbezirksleiter.

Und dennoch gewinnen Fachleute in diesem Extremsommer 2018 eine gute Seite ab. Fachleute wie Andreas W. Bitter, Professor für Forsteinrichtung in Tharandt und Vorstandsvorsitzender des Sächsischen Waldbesitzer-Verbands. Denn dieser Sommer, argumentiert Bitter, führt der Gesellschaft vor Augen, wie notwendig der Waldumbau nach wie vor ist. Ein Warnschuss, der zeigt, was passiert, wenn die Wälder nicht immer wieder neu auf die Standortbedingungen eingestellt werden.

"Der Umbau unserer Wälder in stabile, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Mischwälder hat weiterhin Priorität", erklärt denn auch Minister Schmidt. Er ist zuversichtlich, dass man sich, wenn das gelingt, am Ende doch keine Sorgen um Sachsens Wälder machen muss.

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