Wahl-Verlierer wollen weiter mitreden

Freude bei den einen, Katerstimmung bei den anderen. Dazwischen jede Menge Grautöne. Die Wahl hat nicht nur Gewinner hervorgebracht.

Freiberg.

Dr. Rolf Weigand kann sich nun als Platzhirsch im Wahlkreis Mittelsachsen 2 fühlen. Der 35 Jahre alte Landtagsabgeordnete der AfD aus Großschirma weiß, es kommt viel Arbeit auf ihn zu. Daher will er nach einem anstrengenden Wahlkampf zunächst mit seiner Familie Urlaub machen. Das habe er seiner Frau versprochen, wie er erklärt. Danach gelte es für die Region, einiges in Dresden zu erreichen.

Das wird Steve Ittershagen von der CDU nicht mehr wie in den zurückliegenden Jahren angehen können. "Ich muss abarbeiten, was liegen geblieben ist und will für meine Familie da sein, die alles getragen und ertragen hat", kommentiert der 42-jährige Zuger sein Ausscheiden aus der Landespolitik. Fraktionschef im Stadtrat möchte er bleiben, ebenso Vorsitzender im Ortschaftsrat. Beruflich wird er zu seinem früheren Arbeitgeber, einem Eisenbahnunternehmen, zurückkehren.

Nachdenklich gibt sich Jana Pinka von den Linken, die den Wiedereinzug ebenfalls verpasste. Wohin die Gesellschaft drifte, missfalle ihr. Die 55 Jahre alte Freibergerin sagt: "Der Rechtsruck besorgt mich." Der Politik bleibt sie treu und will auch künftig im Stadtrat für eine soziale Ausgeglichenheit, für Freiheiten und Grundrechte eintreten. Pinka, eine Mineralogin von Beruf, wird an ihre frühere Arbeitsstätte zurückkehren, eine Firma, die unter anderem Umweltgutachten erstellt.

Benjamin Karabinski (FDP) ist vom Ergebnis enttäuscht, will sich aber weiterhin politisch engagieren. "Die Flinte ins Korn zu werfen, war noch nie mein Ding", so Karabinski. Und der 29-jährige Alexander Geißler (SPD) sagt: "Der Wahlkampf war ein Anfang für eine SPD, die mehr zuhört." Auch will der Freiberger in Gaststätten gehen, mit Bürgern ins Gespräch kommen, präsent sein.

Markus Scholz, Jahrgang 1996, von Bündnis 90/Die Grünen, betont: "Wir haben uns mehr erhofft, aber es ist ein gutes Ergebnis." Das Abschneiden der AfD stimme ihn nachdenklich. Scholz, der nun auf sein Studium den Fokus legt und kurz vor dem Abschluss steht, will sich weiter in der Region engagieren. "Sonst kann sich der politische Wind nicht ändern."

Holger Gustmann (Freie Wähler) zeigte sich zufrieden vom eigenen Abschneiden. In seiner Heimatgemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf holte er 16,4 Prozent Erststimmen. Ein Wermutstropfen bleibt: Die Gruppierung zog nicht wie in Brandenburg in den Landtag ein. "Das finde ich schade." Den Wahlkampf, der "irrsinnig Kraft gekostet hat", umschreibt er als "fair, hart in der Sache, nie unter der Gürtellinie". (acr/grit)

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

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