Warum das Mittagessen nun besonders gut schmeckt

Die Albert-Schweitzer-Förderschule hat einen neuen Schulleiter und nun auch eine eigene Mittagsversorgung. Für die Kinder entstanden in einem knapp 4,3 Millionen Euro teuren Anbau Speisesaal und Klassenräume.

Freiberg.

Ganz gleich, ob klein oder schon größer - gemeinsam sitzen die Schüler an den langen Tischen im Speiseraum: Es ist Mittagszeit an der Förderschule "Albert Schweitzer" des Diakonischen Werkes in Freiberg. Neben einem kleineren Jungen sitzt eine Frau, sie ist eine der pädagogischen Mitarbeiterinnen der Schule und unterstützt das behinderte Kind beim Mittagessen.

Seit diesem Schuljahr wird an der Bildungseinrichtung für Kinder mit geistigen Entwicklungsschwierigkeiten nun selbst gekocht. Besser: Zwei Köche und weitere Mitarbeiter stehen für die etwa 90 Schüler, die 16 Lehrer und 23 pädagogischen Mitarbeiter wochentags am Herd. Das Ergebnis: "Kindgerechtes und gesundes Essen - jeden Tag frisch zubereitet", bringt es Catrin Krause, Personalvorstand im Diakonischen Werk, auf den Punkt. Es sei eine Freude zu beobachten, wie die Kinder das genießen. "Und völlig unerwartet herrscht während der Mahlzeiten richtig Ruhe im Speisesaal", sagt das Vorstandsmitglied.

Das war allerdings nicht immer so. Schon längere Zeit plante die Diakonie an der Schule in ihrer Trägerschaft eine eigene Küche für die Kinder, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Seit September ist der neue Anbau fertig, in dem neben dem Speisesaal, der zugleich als Aula nutzbar ist, behindertengerechte Klassenräume entstanden. Auch eine Lehrküche wurde eingerichtet, in der die Schüler der Werkstufe - es sind die Ältesten im Haus - mit ihren Lehrern kochen. "Der Schulanbau hat einschließlich der Außenanlagen knapp 4,3 Millionen Euro gekostet", erklärt Georg Rudolph, der im Diakonie-Vorstand für Baufragen verantwortlich zeichnet. Finanziert worden ist der Anbau nach seinen Worten aus öffentlichen Mitteln, die das sächsische Kultusministerium zweckgebunden für Schulen zur Verfügung stellte.

In der Ganztagsschule am Freiberger Wasserberg lernen Schüler aus dem Großraum Freiberg, aber auch aus der Erzgebirgsregion und dem Raum Nossen. In den maximal zwölf Schüler umfassenden Klassen sind Mädchen und Jungen, bei denen der Förderschwerpunkt in der geistigen Entwicklung liegt. Oft sind sie zudem durch körperliche Behinderungen gehandicapt. "Auf der Grundlage von Gutachten wird entschieden, dass sie hier lernen", erläutert Christian Brestrich, der die Schweitzerschule seit Schuljahresbeginn leitet. Von der Unterstufe über die Mittel- und Ober- bis zur Werkstufe in der Schule erhalten die Kinder je nach Bedarf auch individuelle Förderung, so der Schulleiter. Lernen im Rhythmus sei das Ziel, strukturiert werde der Tagesablauf durch Lernen und Bewegung. "Wir helfen unseren Schülern durch verschiedene Methoden, das Lernen zu lernen, und das auch verhaltensspezifisch", erklärt Christian Brestrich.


"Unser Motto ist: Wir geben jedem Kind eine Stimme"

Christian Brestrich leitet neuerdings die Albert-Schweitzer-Schule in Freiberg. Astrid Ring sprach mit dem 40-jährigen Diplomsoziologen.

Wie ist das Schuljahr unter Ihrer neuen Leitung angelaufen?

Es ist sehr strukturiert und mit der neuen Mittagsversorgung gut angelaufen. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Förderverein funktionieren prima. Der Verein beispielsweise fördert eine Veranstaltung der Schule im Jahr.

Welche Schwerpunkte hat das Programm der Schweitzerschule?

Christian Brestrich: Bildung steht an erster Stelle. Unser Motto ist: Wir geben jedem Kind eine Stimme. Auch Schüler, die sich verbal nicht ausdrücken können, werden unterstützt. Zum Beispiel über Sprachcomputer, aber auch über Gebärden und weitere Möglichkeiten. Unser Ziel ist es, alle in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu entlassen und sie bei uns auf lebenspraktische Dinge vorzubereiten.

Was wollen Sie als Schulleiter ändern?

Ich möchte das Schulprogramm überarbeiten und den Schwerpunkt mehr auf die berufliche Orientierung legen. Das heißt, ich möchte das Zusammenspiel zwischen beruflicher Bildung und Schule intensivieren. Außerdem ist es Ziel, die Schule nach außen zu öffnen und andere Schulen als Kooperationspartner zu gewinnen. Im nächsten Frühjahr soll es einen Tag der offenen Tür bei uns geben. ar

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