Warum die Bergsänger singen dürfen

Das Ensemble gestaltet den Gottesdienst im Dom mit. Im 25. Jahr seines Bestehens hat es jetzt auch wieder eine CD herausgebracht.

Freiberg.

Der morgige Sonntag ist für die Freiberger Bergsänger ein besonderer Tag - das Ensemble gestaltet den Gottesdienst im Freiberger Dom ab 10 Uhr mit. "Ausgerechnet im 25. Jahr unseres Bestehens sind für uns durch die Corona-Pandemie nahezu alle Auftritte weggefallen", sagt Hans-Joachim Seeber als organisatorischer Leiter des Chors. Selbst das geplante Jubiläumskonzert habe abgesagt werden müssen: "Umso mehr freuen wir uns auf den Gottesdienst im Dom."

Dompfarrer Urs Ebenauer weist auf die strengen Hygienevorschriften hin, die zu beachten sind: "Unsere Gottesdienstbesucher müssen die Abstandsregeln einhalten, ihre Kontaktdaten hinterlassen und die ganze Zeit über eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen." Dabei werde auch darauf geachtet, so der Gottesmann weiter, dass die Maske korrekt anliege: "Mund und Nase müssen bedeckt sein." Die Bergsänger würden voraussichtlich auf dem Lettner platziert; auf der Empore stehen sie weit von den Kirchenbänken entfernt.

Nach der aktuellen Allgemeinverordnung des Landkreises Mittelsachsen zählt der Besuch von Kirchen und und anderen Orten der Religionsausübung zu den triftigen Gründen, die ein Verlassen der häuslichen Unterkunft rechtfertigen. Die Bergsänger sind von alters her eng mit dem Glauben verbunden. Etwa ein Drittel aller überlieferten Bergmannslieder hätten einen religiösen Inhalt, heißt es im Begleittext zu der neuen CD "Freiberger Bergsänger/ In Gottes Namen fahren wir ein", die seit dieser Woche erhältlich ist. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Bergsängern in Freiberg stammten aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, ist dort weiter zu erfahren.

Die Tradition war 1995 von Steffen Döhner und Nikolaus Schindler sowie weiteren Mitgliedern des Universitätschores der Bergakademie Freiberg wiederbelebt worden. Inzwischen kann das derzeit neunköpfige Ensemble auf ein Repertoire von rund 100 Liedern und internationale Auftritte verweisen. Die Konzertreisen führten nach Österreich, Tschechien sowie Polen und sogar in die USA - 2018 hatten die Bergsänger den Freiberger Stadtchor bei der Aufführung von Karl Jenkins' Friedensmesse in der Carnegie-Hall in New York verstärkt. "Besonders stolz sind wir auch auf die regelmäßigen weihnachtlichen Auftritte im Gewandhaus Leipzig", erinnert sich Hans-Joachim Seeber.

Steffen Döhner, dem künstlerischen Leiter der Freiberger Bergsänger, war dieses Jahr der Bürgerpreis der Stadt Freiberg verliehen worden. Die Ehrung im 25. Jahr des Bestehens des Chores war vor allem ein Dank für die Pflege bergmännischer Traditionen. Als Gründer des Vokalensembles habe der Bergliedermeister sein Augenmerk von Anfang an auf die "Suche, Pflege und möglichst authentische Interpretation von Bergmännischem Liedgut" gerichtet, hieß zur Auszeichnung. Er habe nicht nur vorhandene Texte vertont und Notenmaterial für spezielle Besetzungen arrangiert, sondern sei Mitautor einer mehrbändigen bergmännischen Liedersammlung. Mit ihren Auftritten trügen die Freiberger Bergsänger dazu bei, das musikalische Leben in Freiberg zu bereichern. Dank ihres Leiters können sie mit ihren eigenen und kurzweiligen Interpretationen bergmännischen Liedgutes ein breites Publikum unterhalten. (mit wjo)

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