Warum es am Soldatenteich knallt

Erneut sind Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg am Waldbad in Freiberg unschädlich gemacht worden. Bleibt es also beim Eröffnungstermin 2020?

Freiberg.

Viermal hintereinander knallt es dumpf am Donnerstagvormittag in Freiberg. Und jeder Knall bedeutet: Es geht voran am Waldbad. Denn am Soldatenteich, wie das Freibad im Volksmund heißt, wurden ein weiteres Mal Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt und damit unschädlich gemacht. Diesmal waren es fünf Sprenggranaten, eine Panzersprenggranate, ein Bodenstück und ein Handgranatenzünder.

Die Munition abtransportieren und andernorts entschärfen? "Zu gefährlich", sagt Daniel Großer-Scholz vom sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst. "Das Verbringen auf dem Gelände war möglich, aber ein Transport über mehrere Kilometer nicht", weiß der Sprengmeister.

Er ist am Donnerstag "vollauf zufrieden" mit der Sprengung. Die Stücke seien nicht weiter als zehn Meter geflogen - ein Indiz, dass man alles richtig gemacht hat. Vier Einzelsprengungen hat er veranlasst. "Bei einer großen Detonation wäre die Druckwelle zu groß", sagt er. Außerdem würden Teile weiter fliegen.

"Bei einer Einzelexplosion hätte der Sperrkreis größer sein müssen, und dann hätten wir Bewohner evakuieren müssen", ergänzt Jürgen Scherf, Pressesprecher des Polizeiverwaltungsamtes. "An dieser Stelle sollte man sich auch einmal bei der Polizei bedanken, die Absperrung hat geklappt", lobt Großer-Scholz.

15 Einsatzkräfte hatten zuvor dafür gesorgt, dass sich niemand im Radius von 500 Metern um die Sprengstelle aufhielt. Die Sprengung musste mehrmals verschoben werden, weil immer wieder Passanten in der Sicherheitszone aufgetaucht waren. Um 11.34 Uhr war es dann vollbracht - eine halbe Stunde, nachdem man eigentlich beginnen wollte. "Sicherheit geht vor", erklärt Jürgen Scherf. "Sobald jemand im Sperrbereich festgestellt wird, wird alles gestoppt."

Das Waldbad-Areal wird seit dem Frühjahr 2018 von einer Spezialfirma systematisch nach Kampfmitteln abgesucht und beräumt, nachdem Fundmunition entdeckt worden war. In diesem Jahr war bereits am 20. März eine Sprengung von nichttransportfähigen Kampfmitteln notwendig geworden. Geplant ist, auf dem Gelände des Waldbades bis Ende des Jahres mit der Beseitigung der Kampfmittel fertig zu sein. Ob es noch weitere Sprengungen geben, wird, kann Daniel Großer-Scholz nicht sagen: "Das wäre ein Blick in die Kristallkugel."

Die Sprengung sei der Freiberger Bäderbetriebsgesellschaft bereits seit Mitte September avisiert worden, bestätigte deren Geschäftsführer Axel Schneegans am Donnerstag. Mit Freude habe er zur Kenntnis genommen, dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst bis zum Jahresende die Arbeiten im Waldbad abschließen wolle: "Aufseiten der Stadt und weiterer Beteiligter laufen die Bemühungen unverändert fort, das Waldbad im kommenden Jahr in Teilbereichen wieder zu eröffnen. An diesem Zeitplan hat sich grundsätzlich nichts geändert."

Der Bauausschuss der Stadt Freiberg habe im September den Weg zur Finanzierung der notwendigen Arbeiten wie etwa Geländebegradigung, Uferbefestigung und Pflanzungen freigemacht. Ein Büro sei beauftragt, unter anderem die Rekultivierung, die Neuanlage von Wegen und den Spielplatzbau zu planen. Für den Spielplatz und die Wiederherstellung der Volleyballfelder engagiere sich auch der Förderverein Waldbad, der zudem einen Frühjahrsputz für 2020 organisiere.

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