Warum es hier um Hochwasserschutz geht

Muss entlang der Flüsse etwas geklärt werden, dann klingelt das Telefon des Flussmeisters. Beim Thema Wiesenmahd muss er einiges erklären.

Freiberg/Flöha.

Fließgewässer von 164 Kilometer Länge, 16 Kilometer Hochwasserschutz- und viele Wehranlagen - nüchterne Zahlen, die Holger Bielers Hoheitsgebiet umschreiben. Der Freiberger, seit Jahresbeginn bei Sachsens Landestalsperrenverwaltung Flussmeister in Dörnthal bei Marienberg, ist damit zuständig unter anderem für die Flöha - von der Talsperre Rauschenbach bis zur Einmündung der Schweinitz, ab Einmündung der Großen Lößnitz bis zur Mündung der Flöha in die Zschopau -, die Freiberger Mulde und die Zschopau zwischen Brücke Erdmannsdorf und Pegel Lichtenwalde.

Muss entlang der großen Flüsse etwas geklärt werden, dann klingelt bei Holger Bieler das Telefon. Unerbittlich. Aktuell bestimmt unter anderem die Mahd auf und entlang der Hochwasserschutzanlagen seine tägliche Arbeit.


Mindestens zweimal im Jahr, so schreibt es die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) vor, wird das Gras auf den Deichen gemäht: zum ersten Mal ab Mitte Juni, zum zweiten Mal ab September. Hochwasserschutzdeiche seien in erster Linie wasserwirtschaftliche Anlagen, was bei der aktuellen Debatte über Blühwiesen nicht vergessen werden dürfe. "Diese hat uns auch erreicht. Wir haben die Mahd auf zwei Gänge reduziert - das geht aus naturschutzrechtlicher Sicht völlig in Ordnung. In anderen Flussabschnitten wird öfter gemäht", sagt der Flussmeister.

Der Deich benötige eine feste, geschlossene Grasnarbe; sonst sei der Hochwasserschutz gefährdet, das Erschaffene werde strapaziert, erklärt Holger Bieler. Gibt es keine intakte Grasnarbe mehr, bestehe die Gefahr, dass sich Wühltiere ansiedeln. Material würde bei Hochwasser abgeschwemmt, Ausspülungen und Erosion seien die Folge.

Arbeit gibt es für das elfköpfige Team um den neuen Flussmeister das ganze Jahr über. Schon im Frühjahr werden beispielsweise die Maulwurfshügel eingeebnet. Eine Begehung mit den Verantwort- lichen der Kommunen und des Landkreises gibt es einmal im Jahr - in Flöha, Falkenau, Niederwiesa und Braunsdorf geschah das Anfang April. Als man bei der Kontrolle der Deichanlage an der Pomselwiese in Flöha auf eine dickblättrige Pflanze stieß, sei auch ein Biologe zurate gezogen worden, sagt Holger Bieler. Nun müsse man entscheiden, ob diese Pflanze dem Deich schade oder stehen bleiben könne. Solche Schritte würden naturschutzrechtlich jedoch immer abgewogen und abgestimmt.

Der Klassiker: der Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Da dieser geschützte Schmetterling auf einer Hochwasserschutzanlage in Glösa an der Chemnitz entdeckt wurde, wird diese Wiese nur bis zum 15. Juni gemäht. Der zweite Schnitt darf laut LTV erst nach dem 15. September folgen. So ist gesichert, dass sich die Raupen des Tagfalters ungestört entwickeln können.

Gibt es Ärger? Irgendwie immer, sagt Flussmeister Holger Bieler. Vandalismus benennt der Diplom-Ingenieur das leidige Thema. Schilder entlang der Hochwasserschutzanlagen in Falkenau und Flöha seien durch Böller regelrecht gesprengt oder mit Graffiti besprüht worden, zählt er auf. Einige Täter seien bereits ermittelt worden und hätten Schäden bezahlen müssen. Debatten gebe es auch mit uneinsichtigen Hundebesitzern - beispielsweise an der Grünen Aue. Dass am Fluss entlang Gartenbesitzer gleich die Abfälle entsorgen, ist auch kein Kavaliersdelikt. "Bauarbeiten hat die LTV für Jahresende an der Holzbrücke am Gymnasium geplant. Dort muss ein Deichabschnitt erneuert werden, da Fußgänger und Mopedfahrer eine Abkürzung quer über den Deich nehmen."

Parallel zur Gewässerunterhaltung würden in Sachsen gerade die neuen Hochwasserrisikomanagement-Karten erstellt. Anhand dieser Daten werde bewertet, wo eventuell weiterer Schutz nötig sei. Holger Bieler: "Ein Fluss verändert sich ständig. Um zu sehen, welchen Einfluss das auf den Hochwasserabfluss hat, wird zum Beispiel das Fluss-Querprofil vermessen." Einbezogen wird die LTV auch in die Planung bei großen Vorhaben Dritter, etwa dem Brückenbau in Flöha, der in den nächsten Monaten ansteht.

"Noch immer beschäftigt sind wir damit, Bäume zu beseitigen, die seit dem Schnee- und Windbruch eine Gefahr darstellen", so Holger Bieler weiter. Außerdem sei in dieser Woche damit begonnen worden, die Anlagen der Binnenentwässerung zu warten. So müssten Rückstauklappen und Schächte mindestens zweimal im Jahr und nach Hochwasser auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft und gewartet werden.

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