Warum es langsam voran geht

Durch die Sperrung des Meißner Rings wird es eng auf der Wallstraße. Der Frust über den Stau steigt, weil sich auf der Baustelle nichts tut - scheinbar.

Freiberg.

Stoßstange an Stoßstange: Eine Blechlawine rollt in der Hauptverkehrszeit über die Freiberger Wallstraße. Eigentlich ist die Strecke zwischen Leipziger Straße und August-Bebel-Platz mit dem Auto in ein, zwei Minuten zu schaffen. Doch am Freitagmorgen waren dafür acht Minuten nötig. Das hat ein Test der "Freien Presse" ergeben.

Grund ist die Sperrung des Meißner Rings nahe der Halsbrücker Straße. Offiziell wird der Verkehr über die Heine- und die Lessingstraße auf die Chemnitzer Straße (B 173) umgeleitet. Doch viele Fahrer wählen die Wallstraße - und stehen dann hinter den Linksabbiegern, die nicht über den Bebelplatz kommen.


"Neuralgischer Punkt ist der Bebelplatz. Es bilden sich regelmäßig Staus in der Wallstraße, zurück bis zum Schloss Freudenstein", klagt Jürgen Wienberg in einem Leserbrief über "chaotische Zustände" in der Stadt Freiberg. Das gleiche gelte für die Schillerstraße zurück bis zur Jakobikirche, hat der Apotheker beobachtet. Zugleich komme die Erneuerung der Stadtgrabenschleuse auf dem Meißner Ring nicht voran: "Ich habe schon mehrfach in die Baugrube gesehen, da ist kaum Fortschritt zu erkennen." Anstatt die Baustelle mit Hochdruck zu beenden, werde "ein erschreckendes Schneckentempo" vorgelegt. Als Beleg hat Wienberg Fotos an die "Freie Presse" geschickt: "Ich wünschte, die Verantwortlichen müssten täglich in der Wallstraße im Stau stehen."

Uwe Graner von der Freiberger Abwasserbeseitigung (FAB) sieht das anders: "Die Baumaßnahme Meißner Ring liegt im Plan, der Termin 21. Juni wird nach Rücksprache mit der LSTW GmbH gehalten." Er hoffe, sagt der Betriebsleiter weiter, dass das Wetter aushalte. Dann würden bis Ende Juni noch Restarbeiten am Gehweg und an der Straße Münzbachtal erledigt.

Für Wartezeiten auf der Baustelle hätten unter anderem Lieferfristen für den Sonderschacht und die Hygieneprüfung für die Trinkwasserleitung gesorgt, so Graner: "Dies mag manchen Bürger vielleicht irritieren, hat aber nichts mit Bummeln zu tun." So müsse beispielsweise der Bodenmörtel erst fest werden; für Außenstehende sei in dieser Zeit kein Fortschritt erkennbar. Es seien 90 Zentimeter dicke Rohre bis zu 6Meter tief eingebaut, eine Hauptwasserleitung erneuert und Leerrohre verlegt worden. Angesichts der Anzüchte, eines Mühlgrabens und des alten Stadtgrabenschachts an der Trasse, über die etwa ein Drittel der Altstadt entwässert werde, spricht der Betriebsleiter von "einer sehr anspruchsvollen Baustelle".

Allein die FAB investiere rund 572.000 Euro: "Bezogen auf die Kosten pro Meter handelt es sich bei diesem 60 Meter langen Kanal um den teuersten Kanalabschnitt Freibergs der letzten drei Jahrzehnte." Die Kosten für die Gesamtbaumaßnahme, bei der auch andere Leitungen erneuert würden, lägen inklusive Planung bei 750.000 Euro. Graner ist froh, "dass die Baumaßnahme insgesamt betrachtet bis jetzt so reibungslos abgewickelt werden konnte" und dankt sowohl der Baufirma als auch den Anliegern und Verkehrsteilnehmern für die Geduld.

Die Stadtgrabenschleuse stamme aus dem 19. Jahrhundert und bestehe weitgehend aus Trockenmauerwerk. Die FAB werde die alte Anlage daher Stück für Stück als Abwassersammler außer Betrieb nehmen oder erneuern müssen, so Graner: "Eine untertägige Sanierung zu einem dichten Kanal ist in der Regel technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar. Insgesamt seien noch etwa 26 Kilometer aller Freiberger Kanäle älter als 75 Jahre und müssten ebenso wie die rund 30 Kanalkilometer aus DDR-Zeiten erneuert werden. Durch die Koordination mit Tiefbauamt, Stadtwerken, Telekom und anderen Versorgern sollen die Beeinträchtigungen dabei minimiert werden.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Juri
    16.06.2019

    "Ich habe schon mehrfach in die Baugrube gesehen, da ist kaum Fortschritt zu erkennen." Anstatt die Baustelle mit Hochdruck zu beenden, werde "ein erschreckendes Schneckentempo" vorgelegt, so Herr Wienberg.

    Viele Menschen wünschen sich, egal wo, stets ein flotten Baustellenverlauf. Ich verstehe auch nichts von dieser speziellen Materie, aber dieser oben stehende Satz ist so arrogant, da muss man nur mit dem Kopf schütteln.
    Veränderungen an einer Baumaßnahme sind nur zu erkennen, wenn man die fachlichen Zusammenhänge sortieren kann. Wenn man davon nix versteht und die Gründe für die vermeintliche "Bummelei" nicht kennt, sollte man einfach mal die Menschen fragen, die dort Verantwortung tragen.
    Wie so oft in den soz. Medien: Sich ärgern, das offene Gespräch aber scheuen. Stattdessen einfach drauflos keulen.



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