Warum in Altmittweida nur noch 50 gefahren werden darf

Auf der Hauptstraße gilt jetzt überall die innerörtliche Geschwindigkeitsbegrenzung. Das kam für Einwohner und Pendler überraschend.

Altmittweida.

Auf der Hauptstraße in Altmittweida ist nur noch eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde erlaubt. Bislang konnte dort teilweise mit Tempo 60 gefahren werden, worauf auch Verkehrsschilder hinwiesen. Einwohner hatten allerdings bereits wiederholt gefordert, das Tempolimit zu senken. Jetzt sind die Tempo-60-Schilder tatsächlich weg. Das hat die Einwohner ebenso wie viele Pendler überrascht.

"Ich habe buchstäblich dumm aus der Wäsche geguckt: Als ich nach dem 'Ritterhof' in Richtung Claußnitz Gas geben und beschleunigen wollte, stand da kein Verkehrsschild mehr, sondern nur noch das nackte Stahlrohr. Auch alle anderen Tempo-60-Schilder waren quasi über Nacht abgebaut worden", berichtete "Freie Presse"-Leser Gunter Dickmann aus Chemnitz.

Dies könne für alle ein Problem werden, die aus Gewohnheit weiter mit 60 Stundenkilometern fahren. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass hier bald Tempo-30-Schilder stehen und dahinter Blitzer lauern", befürchtet Dickmann.

Die Altmittweidaer Gemeinderäte nahmen die Nachricht von der neuen Geschwindigkeitsbegrenzung in der jüngsten Ratssitzung größtenteils erleichtert auf. "Für den Schutz unserer Kinder war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung", sagte Bürgermeister Jens-Uwe Miether (parteilos). Das Verschwinden der Tempo-60-Schilder habe allerdings auch ihn überrascht. "Die Gemeinde ist zwar über eine verkehrsrechtliche Anordnung informiert worden.Gespräche mit uns haben dazu vorher allerdings nicht stattgefunden", sagte er. Das aktuelle Tempolimit sei aber eine Forderung gewesen, für die sich die Altmittweidaer aus gutem Grund eingesetzt hätten. "Beim Vorbeifahren an Fußgängern oder Radfahrern haben nur wenige Fahrer den geforderten Mindestabstand eingehalten", begründet der Bürgermeister. Zudem hätten Einwohner das Fehlen eines Fuß- und Radweges an der Hauptstraße kritisiert. Auch habe der Abschnitt der Staatsstraße zwischen dem Ortskern und Claußnitz nur einen schmalen und kaum begehbaren Randstreifen.

Im Gemeinderat gingen die Meinungen dazu bislang auseinander. Einige vermuteten, das subjektive Gefühl der Gefährdung resultiere vor allem aus Fällen, in denen Autofahrer mehr Gas geben als erlaubt oder rücksichtslos überholen. Tempo 50 über eine lange Strecke außerhalb der geschlossenen Ortsbebauung zu fahren, könne für Autofahrer belastend sein, so Miether. Denn das Kerngebiet von Altmittweida zur Ortsgrenze sei durch Baulücken, Felder und Weiden durchbrochen. Das sei auch der Grund gewesen, warum dort eine höhere Geschwindigkeit erlaubt war, erklärte die Mittweidaer Stadtsprecherin Francis Pohl. Aktuell hätten sich die Vorgaben aber geändert. Für ein höheres Tempo seien jetzt Fußgängerampeln notwendig, sagte sie. Überdies müssten ein Radweg und Abbiegestreifen für Linksabbieger vorhanden sein. Das treffe auf die Hauptstraße in Altmittweida nicht zu. Deshalb sei "innerhalb einer Verkehrsschau in Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde, der Polizei und der Straßenbaubehörde der Abschnitt an die aktuelle gesetzliche Regelung angepasst" worden, so die Sprecherin der Stadtverwaltung.

Die Zuständigkeit für die Entscheidung liege in Mittweida, erklärten Franz Grossmann, Sprecher des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, sowie Landkreissprecher André Kaiser. Obwohl die Hauptstraße Staatsstraße sei, sei die örtliche Verkehrsbehörde bestimmend, so Grossmann. "Altmittweida gehört zur Verwaltungsgemeinschaft mit Mittweida, mit eigener Verkehrsbehörde", sagte Kaiser.


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