Warum kracht es auf der B 101 so oft?

Nach dem schweren Unfall mit fünf Verletzten am Pfingstmontag wird die A-4-Abfahrt bei Siebenlehn erneut untersucht. Ein Leser hatte dort ebenfalls einen Unfall. Er glaubt, die Ursache zu kennen. Und damit ist er nicht allein.

Siebenlehn.

Das mulmige Gefühl bleibt. Auch nach 15 Jahren. Wenn Ulf Krause auf der B101 in Richtung Freiberg unterwegs ist, nimmt er in Höhe der A-4-Abfahrt Siebenlehn immer den Fuß vom Gas. Statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde, fährt er lieber etwas langsamer. Denn im Winter 2003 hatte er dort einen Unfall. Ein Auto, das von der Autobahn kam, nahm ihm die Vorfahrt. Die Unfallverursacherin sagte, sie habe seinen Wagen nicht gesehen. "Glücklicherweise blieb es damals bei einem Blechschaden", so Ulf Krause. Der jüngste Unfall an der gleichen Stelle ging weniger glimpflich ab. Fünf Menschen, davon zwei Kinder, wurden am Pfingstmontag bei der Kollision eines VW mit zwei Motorrädern schwer verletzt.

Laut Polizei war eine 53-jährige Fahrerin eines VW gegen 16.20 Uhr, aus Richtung Chemnitz an der A-4-Abfahrt Siebenlehn abgefahren. Beim Auffahren auf die Bundesstraße kollidierte der Wagen mit zwei Motorrädern, die auf der B 101 in Richtung Freiberg unterwegs waren. Der 37-jährige Fahrer der MZ, die beiden 3 und 8 Jahre alten Mädchen im Seitenwagen und die 36-jährige Fahrerin der Honda erlitten schwere Verletzungen. Alle vier mussten in eine Klinik gebracht werden. Die Autofahrerin wurde leicht verletzt.

Und der Knoten B 101/Anschlussstelle A 4 Siebenlehn aus Richtung Chemnitz war bereits in der Vergangenheit eine Unfallhäufungsstelle, so Polizeisprecherin Jana Kindt auf Anfrage von "Freie Presse". Deshalb seien beispielsweise Tempo-50-Schilder aufgestellt worden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Doch auch danach blieb es eine Gefahrenstelle. Von 2015 bis 2017 ereigneten sich laut Polizei sechs Unfälle mit Personenschaden. "Die Unfallhäufungsstelle als solche ist der örtlichen Unfallkommission bekannt", sagt Jana Kindt.

Laut Cornelia Kluge vom Landratsamt in Freiberg wird sich die mittelsächsische Unfallkommission, in der beispielsweise Vertreter der Kreisbehörde und der Polizei sitzen, Anfang Juni mit der Gefahrenstelle B 101/Autobahn 4 beschäftigen. "Informationen können wir erst nach der Zusammenkunft geben", so die Pressereferentin.

Der Freiberger Ulf Krause ist nach seinem eigenen Unfall bereits zweimal Zeuge von Kollisionen an dieser Stelle geworden. Er glaubt, den Grund für die gehäuften Unfälle zu kennen. Und er wandte sich mit seiner Meinung an die "Freie Presse". Der 68-Jährige sagt: "Fährt ein Pkw von Chemnitz kommend von der Autobahn ab, ist linksseitig ein Geländer - und das ist bis kurz vor die Haltelinie ,blickdicht' nach links, also in Richtung Nossen." Und für Fahrzeuge auf der B101 in Richtung Freiberg sei das Geländer ebenfalls "blickdicht", auch nachts. Krause dazu: "Das ist ein objektives Ärgernis. Wieso will oder kann das keiner ändern?" Zugleich weist er darauf hin, dass viele Fahrer wahrscheinlich ein Stück vor der Haltelinie stoppen, dann links nichts sehen und trotzdem losfahren. "Da nutzt auch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h nichts", so der Freiberger.

Der Test von "Freie Presse" bestätigt: Erst wenn man wirklich bis an den dicken weißen Balken vorfährt und dann stoppt, kann man die Bundesstraße Richtung Nossen einsehen. Andernfalls hat man die Fahrbahn nicht im Blick. Denn das blaue Geländer der Autobahnbrücke versperrt die Sicht.

Auch Werner Helfen, der Chef der Gebietsverkehrswacht Freiberg, sagt: "Nur wer genau an der Haltelinie stoppt, kann sehen, ob auf der B101 ein Fahrzeug aus Richtung Siebenlehn kommt." Der Fahrlehrer, der für die FDP im Kreistag sitzt, regt an: "Vielleicht könnten an den Zusammenkünften der Unfallkommission auch Leute, die viel mit Auto oder Lkw unterwegs sind, teilnehmen und ihre Meinung einbringen."

Für Ulf Krause jedenfalls steht fest: "Es muss sich etwas ändern. Denn es ist eine gefährliche Ecke."

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