Was das Ergebnis für die Region bedeutet

Der Landkreis verliert im neuen Landtag an Einfluss: Nach dem Wählervotum vom Sonntag schrumpft die Hausmacht in Dresden um einen Sitz. Jeder zweite Vertreter aus Mittelsachsen ist neu.

Freiberg.

Neun statt bislang zehn Landtagsabgeordnete sollen die Interessen Mittelsachsens in Dresden vertreten - einer weniger als vor fünf Jahren. Dabei verliert die CDU, die bislang alle fünf Direktmandate für den Landkreis besetzt hatte, zwei von fünf Wahlkreisen an die AfD: Rolf Weigand sitzt für die Region Freiberg und Umland, Lars Kuppi für Döbeln im Landesparlament. Für die CDU verteidigten Iris Firmenich und Thomas Schmidt deutlich ihre Mandate. Susan Leithoff kommt als neues Gesicht für die Union in den Landtag. Mit Marika Tändler-Walenta und Henning Homann ziehen zudem die Kreischefs von Linke und SPD ein, Romy Penz, AfD-Fraktionschefin im Kreistag, kommt auch über die Landesliste ins Parlament. Wolfram Günther ist als Spitzenkandidat der sächsischen Grünen ebenfalls ein Platz sicher.

Über den Landkreistag, aber auch über die Abgeordneten im Landtag werde Mittelsachsen auch weiterhin seine Interessen im Freistaat vertreten, erwartet Landrat Matthias Damm (CDU). Vor allem seine Partei, die CDU, sieht der scheidende Unionsabgeordnete Steve Ittershagen in einer schwierigen Situation: Er fordert eine schonungslose Auswertung von Landtags-, Kreistags- und Kommunalwahlen, bei denen die CDU sämtlich schlechter abschnitt als zuvor. "Die CDU hat ein strukturelles Problem", sagte der Zuger, der Fraktionsvorsitzender im Stadtrat bleiben will, und erklärte: "In den kleineren Orten hat die CDU an Einfluss verloren. Wir brauchen dringend wieder Zugang, um die Leute wieder für unsere Partei zu gewinnen." Dabei dränge die Zeit, unterstrich der 42-Jährige: "Denn die CDU muss bis zu den anstehenden Bürgermeisterwahlen wieder kampagnenfähig sein. Wir müssen geeignete Kandidaten und Leute mobilisieren, die mitziehen."


Auch CDU-Kreischef Sven Liebhauser will eine Analyse abwarten, für Bewertungen aber sei es zu früh. Der Döbelner räumte ein: "Wir gehen geschwächt aus der Wahl heraus." Die Stärke der AfD habe sich in Bundestags- und Kommunalwahl bereits angedeutet. Nun werde es wohl schwieriger, auf Landtagsmitglieder und Landespolitik Einfluss zu nehmen. Wird es nach dem Ergebnis Konsequenzen im Kreisverband geben? "Das ist kein Thema."

Dass man sich nun zu dritt in Dresden für den Landkreis stark machen könne, versprach Rolf Weigand, der für die AfD das Direktmandat im Raum Freiberg errungen hat. Gerade in Wissenschaft, Polizei und Handwerk sieht der AfD-Kreissprecher die Region durch die drei Vertreter seiner Partei gut repräsentiert: So werde sich Lars Kuppi für mehr Präsenz der Polizei in der Fläche stark machen. Romy Penz wolle durch Entbürokratisierung das Handwerk entlasten. Und Weigand selbst werde sich im Hochschul- und Wissenschafts- sowie im Schulausschuss für Bildung einsetzen. Der Großschirmaer will in den nächsten Wochen zunächst mit Bürgermeistern sprechen. Er gehe von einem vernünftigen Miteinander aus, spüre aber auch Vorbehalte: "Ich soll die Interessen des Wahlkreises in Dresden vertreten. Darüber werden wir offen miteinander reden. Wenn das Bürgermeister nicht möchten, würden wir das klar kommunizieren und das Gespräch direkt mit den Leuten suchen."

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

Bildstrecke: Das sind die Mitglieder des neuen Landtags


Die Handwerksmeisterin

Romy Penz hat über die Listenstimme einen Platz im neuen Landtag sicher. Die Malermeisterin und Restauratorin aus Flöha ist seit 2013 Mitglied der AfD, hatte sich bei der Nominierung als Direktkandidatin gegen drei Mitbewerber durchgesetzt. Die 48-Jährige sitzt seit 2014 für die Alternative im Kreistag sowie im Flöhaer Stadtrat, wo sie die Fraktion anführt. Romy Penz ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. (ka)


Der Generalsekretär

Henning Homann, geboren 1979 in Düsseldorf, ist Generalsekretär der SPD Sachsen. 1992 kam er mit seiner Familie nach Mittelsachsen, wo er in Döbeln ansässig wurde. Seit 1996 SPD-Mitglied, ist er seit 2008 Vorsitzender in Mittelsachsen. Homann war Döbelner Stadtrat, Kreisrat und zog 2009 erstmals in den Landtag ein. Seit 2014 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Der Politikwissenschaftler ist verheiratet und Vater eines Kindes. (grit)


Der Polizist

Lars Kuppi ist seit 27 Jahren als Polizeibeamter im Streifendienst tätig, zunächst in Bautzen, später fast zehn Jahre lang in seiner damaligen Heimat Döbeln. Seit vergangenem Jahr ist der Chemnitzer Nordosten sein Revier. Und bei der Kommunalwahl Ende Mai trat er für die AfD an und wurde in den Chemnitzer Stadtrat gewählt. In der Region Döbeln holte er das Direktmandat für den Landtag für die AfD. Er ist geschieden und hat fünf Kinder. (su/fpe)


Der promovierte Ingenieur

Rolf Weigand, gebürtiger Karl-Marx-Städter (35), ist promovierter Ingenieur für Keramik, Glas- und Baustoffe. Er studierte an der Bergakademie. Weigand ist Gründer und Chef einer Firma für Dienstleistungen für die Hochtemperaturindustrie. Seit 2013 ist er AfD-, seit 2018 Landtagsmitglied, in Großschirma Stadtrat. Weigand ist unter anderem Elternsprecher der Kita Großschirma. Auf der Landesliste hält er Platz 8. (grit)


Die Dienstälteste

Iris Firmenich tritt die fünfte Legislatur im Landtag an und ist unter den Abgeordneten aus Mittelsachsen nun dienstälteste Vertreterin in Dresden.

Die 58-Jährige war Mitglied in den Ausschüssen für Schule und Wissenschaft. Die Dipl.-Agraringenieurökonomin ist Frankenberger Stadträtin und verheiratet mit Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). Sie hat drei Kinder. (jl)


Der Fraktionschef

Wolfram Günther war bereits Mitglied im sächsischen Landtag und bislang Chef der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Seine Themenschwerpunkte sind Umweltpolitik, Landwirtschaft, Stadt-, Dorf- und Landesentwicklung sowie Denkmalschutz. Der gebürtige Leipziger lebt mit seiner Familie im Königsfelder Ortsteil Schwarzbach. Er hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. (fpe)


Der Minister

Thomas Schmidt sitzt seit 2004 im sächsischen Landtag. In der vergangenen Legislatur war er Minister für Umwelt und Landwirtschaft. Schmidt wurde 1961 in Burgstädt geboren und hat nach der Schule Pflanzenproduktion in Halle studiert. Bis 2014 war er Betriebsleiter bei einem Agrarbetrieb im Peniger Ortsteil Tauscha. Dann wurde er Minister. Er lebt in Taura, ist verheiratet und hat zwei Kinder. (fpe)


Der Polit-Neuling

Susan Leithoff hat sich in einem hart umkämpften Wahlkreis durchgesetzt. Die Schönerstädterin, seit 2014 mit eigener Anwaltskanzlei in Chemnitz, sieht sich als Politneuling: Sicher, als Direktkandidatin für die Christdemokraten in den Landtag einzuziehen, sei sie sich nie gewesen, sagt sie. Die 40-Jährige arbeitet im Stadtrat Oederan, ist Ortsvorsteherin von Schönerstadt. Susan Leithoff ist verheiratet und hat einen 13-jährigen Sohn. (ka)


Die Linke-Kreischefin

Marika Tändler-Walenta, geboren 1984 in Leisnig, ist Diplom-Soziologin und über Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Europäischen Parlament und im Dresdner Landtag Pressesprecherin bei Gregor Gysi geworden. Als Kreischefin ihrer Partei möchte sie die Erneuerung der Linken im Freistaat voranbringen. Die zweifache Mutter lebt bei Leisnig. In die Sitzung am Dienstag geht sie mit dem Wunsch, Verantwortung in der Fraktion zu übernehmen. (grit)

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