Was die Brander preisverdächtig macht

Knifflige Lösungen aus Stahl, Blech und Alu- minium sind das Metier von Steffen Bellmann. Für eine besondere Konstruktion hat er den Deutschen Metallbaupreis abgesahnt.

Brand-Erbisdorf.

In Brand-Erbisdorf arbeiten die besten Metallbauer Deutschlands: In der Kategorie Fenster, Fassade, Wintergarten hat sich die Firma Alusysteme-Metallbau Bellmann im Wettbewerb um den Deutschen Metallbaupreis 2019 bundesweit gegen 89 Mitbewerber durchgesetzt. Damit geht der Preis zum zweiten Mal in seiner Geschichte an ein sächsisches Unternehmen. Seit 2012 wird dieser von der Fachzeitschrift M&T Metallhandwerk & Technik in sechs Kategorien vergeben.

Metallbauer Steffen Bellmann (59) nahm zum ersten Mal an dem Wettbewerb teil und reichte ein besonderes Projekt ein: Für Autohäuser der Marke Mercedes Benz hat die Firma eine spezielle Außenfassade, ein sogenanntes Attika- und Wallsystem, entwickelt. In den neunziger Jahren gebaut, sind die Verkaufshäuser oft verwinkelt, haben viele Ecken, schildert Betriebsleiter Uwe Haupt. Dafür wurden neue Designs entwickelt, die Brander haben es umgesetzt. Die Herausforderungen: minimale Toleranzen, eine vorgegebene dunkle Farbe, hohe Temperaturdifferenzen und eine empfindliche Oberfläche. Von dem Ergebnis und dem Know-how dahinter zeigte sich die Jury beeindruckt.

An dem Prototyp für ein Autohaus in Ochsenhausen bei Stuttgart wurde bereits vor einem Jahr gearbeitet. Mittlerweile wurden auf diese Art Eingangsportale von 40 Mercedes Benz-Autohäusern aufgewertet. 2020 sollen weitere 62 Häuser modernisiert werden. "Unser Klientel ist sehr unterschiedlich. Die Automobilbranche hat einen sehr hohen Anspruch an die Fertigungsqualität", erklärt Haupt. "Da machen wir keinen Unterschied zu öffentlichen oder privaten Auftraggebern. Das Level ist hoch." Der Umsatz liege bei sechs bis sieben Millionen Euro pro Jahr; teils werden mehr als 20 Projekte gleichzeitig bearbeitet. Man wolle sich aber noch weiterentwickeln, um in Zukunft auch größere Aufträge umsetzen zu können, sagt Haupt. Neben Mercedes Benz zählen auch Mc Donald's, VW und MAN zu den Kunden, die auf ingenieurtechnische Systemlösungen bauen. Für die Fastfood-Kette hat die Metallbaufirma seit 2010 deutschlandweit 77 Filialen modernisiert. Bellmann kann dabei auf ein Netzwerk von etwa zehn Subunternehmern zurückgreifen, die ihre Montageteams bundesweit einsetzen.

Peggy Ullrich, Geschäftsführerin im Fachverband Metall Sachsen, gratulierte den Metallbauern am Montag zum Sieg. "Das Besondere im Erzgebirge ist, dass es die Orientierung auf den Familienbetrieb, die Familienverbundenheit und regionale Verwurzelung noch gibt", sagt die Anwältin. Dennoch steht die Branche vor einer großen Herausforderung: "Wie können wir unsere Betriebe so auf die Zukunft vorbereiten, dass sie nicht unter dem Druck der Bürokratie kaputt gehen?", nennt Ullrich ein wichtiges Thema. Bellmann, dessen Urgroßvater 1887 als Metallbaumeister das Unternehmen gründete, erzählt: "Mein Vater hat immer sonntags Rechnungen geschrieben." Ein Arbeitstag reicht heutzutage keinesfalls mehr für die Büroarbeit, bestätigt auch Metallbauer Reiner Thomas, der als Obermeister der Innung Metallhandwerk Freiberg fungiert.

36 Mitarbeiter und zwei Auszubildende zählt Bellmann. Dieses Jahr habe er einige Leiharbeiter eingestellt, die aus der Region kommen, sagt der Preisträger. Um Azubis und Mitarbeiter für die Zukunft zu gewinnen, will er stärker an Schulen präsent sein und auch mal Kindergartengruppen in den Betrieb einladen. "Das haben wir in den vergangenen Jahren verpasst", meint Bellmann. Weil keines seiner Kinder die Firma übernehmen wollte, wurde sie 2018 zum Großteil von Versbach Metallbau aus Walldorf übernommen, um zukunftsfähig zu bleiben.

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