Was die Cotta-Blogger antreibt

Gedruckte Schülerzeitungen gibt es nur noch wenige. Die Brander Gymnasiasten experimentieren online mit journalistischen Darstellungsformen. Und das mit Erfolg.

Brand-Erbisdorf.

Liebe Lehrer, liebe Erwachsene Ü 18, was interessiert Schüler wirklich? Was suchen sie da immer so bei Instagram? Und mit welchen Problemen plagen sie sich im Alltag herum?

Um Licht ins Dunkel zu bringen und Aufmerksamkeit für eigene Themen zu wecken, schreiben knapp ein Dutzend Schüler vom Bernhard-von-Cotta-Gymnasium in Brand-Erbisdorf für die Online-Schülerzeitung Cottaconnect - ein Weblog zum Ausprobieren, um sich mitzuteilen, Themen anzuregen, Leser zu sensibilisieren. Der neueste Beitrag: Wie fünf Gymnasiasten zur Weltmeisterschaft der Rope Skipper nach Norwegen fahren.

"Wir schreiben darüber, was an der Schule passiert, was aktuell ist, aber auch über eigene Themen, die uns gefallen", erzählt Lena Böhme. Sie ist von Anfang an, seit Sommer 2017, dabei und hat das Maskottchen, den Cotta-Otter, gestaltet. Johanna Uhlig und Sonja Lauer haben zum Tag der offenen Tür am Gymnasium Schüler interviewt. "Daraus soll ein Podcast entstehen", verrät Johanna. Mirjam Hartmann arbeitet an einem Beitrag zum Thema "Ich wünschte, meine Lehrer wüssten ...". Dazu hat sie Schüler aufgerufen, sich zu melden. Den Lehrern zeigen, was Schüler beschäftigt - das ist eines der Ziele. Ein Beispiel: Viele Schüler verbringen heute viel Zeit auf Instagram, einer beliebten werbefinanzierten Bilder- und Videoplattform. Wer sich anmeldet, kann eigene Inhalte hochladen und schauen, wie andere darauf reagieren. Zudem kann man die Inhalte anderer anschauen. Mittlerweile gibt es Instagrammer, die so eine große Reichweite haben, dass sie damit Geld verdienen. Sie haben Einfluss, man nennt sie Influencer. Mit der Influencerin Vivien Koenig haben die Schüler ein Interview geführt, aber nicht konventionell von Angesicht zu Angesicht, sondern über die Chatfunktion von Insta-gram. "Die Antworten waren kurz und knapp, ja oberflächlich", erzählt Julius Böhme. "Über E-Mail haben wir dann ausführlichere Antworten bekommen." Sein Fazit: "Instagram ist gut, um Leute zu erreichen, die man sonst nicht erreicht."

Rezensionen, Umfragen, Interviews: 2018 hat Cottaconnect in der Kategorie Online/Social Media den Sächsischen Jugendjournalistenpreis abgeräumt. Ausgelobt wurde dieser von der Jugendpresse Sachsen, dem Verband junger Medienschaffender. Daraufhin nahmen die Brander an einem spannenden Workshop in Leipzig teil.

Stephanie Schmidt (30), Lehrerin für Englisch und Geschichte, leitet die AG. "Im Vergleich zur Printausgabe fehlt uns die Deadline. Dadurch haben wir keinen Druck, müssen uns aber selber überlegen, wer was wie schafft", beschreibt sie. Dabei seien alle noch im Findungsprozess. Schulleiterin Manuela Kunath zeigt sich erfreut: "Dass wir in dem glücklichen Umstand sind, so eine moderne Schülerzeitung zu haben, macht mich stolz. Auch, weil wir damit Vorreiter in Sachsen sind." Sie selbst wurde auch schon interviewt.

matoscamacho.de/bvc

instagram.com/cotta.connect


Beste Schülerzeitung gesucht

Die "Freie Presse" ruft zum ersten mittelsächsischen Schülerzeitungs-Wettbewerb auf. So geht's: Schickt uns bis 31. Mai ein Exemplar eurer Zeitung oder den Link zu eurem Online-Magazin, mit Namen der Schule und Kontaktdaten eines Lehrers an "Freie Presse", Markt 10, 09306 Rochlitz oder red.rochlitz@freiepresse.de. Eine Jury aus Redakteuren kürt den Sieger. Zu gewinnen gibt es einen Besuch in der Hauptredaktion der "Freien Presse" und im Druckzentrum in Chemnitz sowie einen Workshop zum Thema "Die Nachricht". (fpe)


Traumberuf Journalist? So sehen das die jungen Leute

Sonja, 12. Klasse: "Ich habe überlegt, in Richtung Journalismus zu gehen. Aber die Printmedien geraten in den Hintergrund und die journalistische Arbeit geht hinter der Sensationspresse unter. Der Druck, abliefern zu müssen, das hält mich zurück."

Mirjam, 10. Klasse: "Ich sehe das wie Sonja. Ich habe auch keine Intention, in den Journalismus zu gehen."

Julius, 9. Klasse: "Es ist schwierig, mit richtigem Journalismus heute noch Leser zu erreichen."

Richard, 9. Klasse: "Ich tendiere eher zum Lehramt. Da kann es nützlich sein, Rechtschreibung zu beherrschen und mit anderen im Team arbeiten zu können."

Lena, 10. Klasse: "Ich habe schon über Journalismus nachgedacht. Recherchieren macht mir Spaß, aber wenn, dann nicht bei einer Tageszeitung."

Johanna, 10. Klasse: "Ich will was Kreatives, eher in Richtung digitales Mediendesign machen." (cor)

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