Was Großhartmannsdorf gegen die Bank-Schließung tun will

Mit einem Brief und direkten Gesprächen will die Gemeinde den Komplettrückzug der Bank aus dem Ort verhindern.

Großhartmannsdorf.

Noch vor wenigen Wochen wurde die Sparkasse in Großhartmannsdorf in einer "Freie Presse"-Umfrage als eines der Argumente für das Leben in der Gemeinde genannt. Die Schülerzahlen in Mittelsaida sind gestiegen, und Bauwillige fragen bei der Gemeinde wieder nach Baugrund. Man könnte von einem zarten Aufwärtstrend nach Jahren der Abwanderung sprechen.

Dass nun die letzte Bankfiliale in der Gemeinde geschlossen werden soll, empört. Um diese im Ort zu halten, haben sich bereits 458 Menschen an der von SPD-Gemeinderat Jens Härtig initiierten Unterschriftensammlung beteiligt. Landrat Matthias Damm (CDU) sowie der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mittelsachsen, Hans-Ferdinand Schramm, sind davon in Kenntnis gesetzt. Die Einladung zur öffentlichen Sondersitzung ins Mayoratsgut am Montagabend hat aber keiner der beiden angenommen. Dem Vernehmen nach seien Entwicklungen im Gange.

Also hat Bürgermeister Werner Schubert (CDU) etwa einem Dutzend Einwohnern dargelegt, wie sich Rat, Verwaltung und Bürgermeister für den Erhalt einsetzen wollen. "Wir wollen nicht nur ein Sparkassenmobil alle zwei Wochen eine Stunde. Wir wollen mehr", sagte Schubert und nannte vier Minimalforderungen: Es soll weiter möglich sein, Bargeld auf ein Konto einzuzahlen sowie Bargeld von diesem abzuheben, Überweisungen auch mittels handschriftlich ausgefüllten Formularen abzugeben und Kontoauszüge auszudrucken. "Das sollte mindestens bleiben", betonte er. Was man nicht wolle, darüber habe sich der Rat bereits verständigt, sei ein bankenunabhängiger Geldautomat, an dem sich die Gemeinde womöglich noch finanziell beteiligen müsse.

In einem Brief schildern Rat und Verwaltung, dass man "zutiefst betroffen" sei von der Schließungsabsicht der Sparkasse Mittelsachsen und dass die Bank zumindest die vier genannten Serviceleistungen weiter anbieten sollte. Der Brief sei an Verwaltungsrat und Vorstand der mittelsächsischen sowie der ostsächsischen Sparkasse sowie an die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann und die Landtagsabgeordnete Susan Leithoff (beide CDU) adressiert. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wird als Befürworter des ländlichen Raumes um Unterstützung gebeten.

Darüber hinaus setzt Großhartmannsdorf auf ein kurzfristiges direktes Gespräch mit der Sparkasse, in dem es konkret um die Filiale im Ort geht. Die anwesendenden Gäste zeigten sich mit diesem Weg einverstanden. Ein Gast fragte, ob es Überlegungen gebe, die Immobilie der Sparkasse zu kaufen. Schubert verneinte. Die Gemeinde könne kein weiteres Gebäude gebrauchen und müsse ebenfalls wirtschaftlich arbeiten, sagte er auf Nachfrage.

Ein anderer Einwohner schlug vor, mit in die Diskussion zu nehmen, ob die Filiale nicht wenigstens zwei Tage die Woche geöffnet bleiben könne. Dazu könnte man sich etwa mit Sayda und Lichtenberg abstimmen. Die dortigen Filialen sollen ebenfalls geschlossen werden. Wieder ein anderer Bürger hält die angekündigte Schließung für eine "absolute Sauerei, beschämend und gar nicht nachvollziehbar". Es fühle sich an, als würde man die Sparkasse anbetteln. Eher sollte man sein Konto kündigen, wenn die Schließung wirklich kommt, meinte er.

Einwohnerversammlung Über die angekündigte Schließung und Alternativen dazu diskutiert Sayda am Donnerstag, 19 Uhr in der Sporthalle der Oberschule. Alle Beiträge zum Thema Sparkasse finden Sie unter www.freiepresse.de/sparkassemisa

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