Was Kleingärtner im November zu tun haben

Wasser abdrehen, Rosen anhäufeln, Futter hinlegen: Ein Besuch im Garten von Michael Scheel, dessen Gartensparte "Silberblick" um ein Haar die schönste Kleingartenanlage geworden wäre.

Freiberg.

Still ist es am Fuße der Halde "Alte Elisabeth", die ihre Schatten über die meisten Parzellen wirft, über die Gartenlauben, die Beete, die Wege. Die Kleingartenanlage "Silberblick" ist beinah in den Winterschlaf hinüber geglitten. Die Fensterläden der Häuschen sind geschlossen, kaum noch, dass ein Gärtner seinem Hobby nachgeht.

Nur um einen Wimpernschlag, um gerade mal eine dritte Stelle hinter dem Komma, musste sich die Anlage mit ihren 80 Parzellen, die so gut wie belegt sind, bei der Wahl der schönsten Kleingartenanlage Freibergs der Sparte "Naherholung" geschlagen geben. Bei der Begehung durch die Jury des Regionalverbands der Gartenfreunde Freiberg im August zeigten sich die Juroren mehr als angetan. Das Gesamtbild spielte dabei ebenso eine Rolle wie einzelne Gärten, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und beurteilt wurden. Hilfreich war sicher auch, dass der öffentlich zugängliche Spielplatz gleich neben dem Vereinsheim kurz zuvor neu ausgestattet und gestaltet worden war.

Michael Scheel ist seit Juni dieses Jahres der Vereinsvorsitzende der Kleingartenanlage. Er fühlt sich ungemein wohl hier, sagt er. Ihm habe sofort die schöne Gestaltung gefallen, dass alles zwar ordentlich ist, aber nicht so übertrieben akkurat. "Urtümlich ist es schon noch geblieben", meint er.

Scheel ist an diesem herbstlichen Vormittag einer der wenigen, die sich zu schaffen machen. Es gibt noch einiges zu tun, meint er mit Blick auf seine Parzelle, die er vor elf Jahren übernommen hat. Einige Beete gräbt er jetzt um. Es gibt zwar Nachtfrost, doch der Boden ist noch locker genug dafür. Die Staudenblüten müssen abgeschnitten werden, außerdem ist es eine gute Zeit, um Bäume, Sträucher oder Büsche zu beschneiden. Die frostempfindlichen Pflanzen wurden schon vor einiger Zeit versorgt. "Es ist auch gerade günstig, Rosen anzuhäufeln", meint er. "Und man sollte jetzt alles tun, was mit Wasser zusammenhängt." In der Kleingartenanlage hat jeder einen Wasseranschluss. Die Flüssigkeit muss jetzt allmählich aus den Leitungen heraus, die Regentonnen sollten geleert sein. In der Sparte "Silberblick" ist man, was das angeht, auf Stand. Die meisten Wasseruhren sind bereits abmontiert. Einen letzten Rasenschnitt könne man auch noch machen, meint Scheel und schaut sich um. "Und nicht zu vergessen, dass man an die Tiere denken muss", ergänzt er. Futterplätze werden eingerichtet, vor allem für Vögel. Aber der eine oder andere baut zudem ein Igelhaus, in dem die stacheligen Gesellen unterkommen können.

Eine einzige Parzelle ist derzeit frei, doch gibt es dafür schon Ideen, sagt der Vereinschef. "Da wollen wir einen Staudengarten entstehen lassen, der beispielsweise für Schulklassen zugänglich sein soll", erzählt er. Scheel bedauert, dass das Vereinsheim nicht mehr bewirtschaftet wird, kann es aber auch nachvollziehen, denn es wäre ja nur ein Sommergeschäft gewesen. Nun finden hier die Vereinsversammlungen statt und man vermietet etwa an Hochzeits- oder Geburtstagsgesellschaften.

Das Zusammenleben im "Silberblick", so Scheel, sei sehr gut. "Inzwischen sind hier auch wieder mehr junge Leute, Familien mit Kindern, was das Leben sehr bereichert." Um die Kleingartensparte, die 1938 als sogenannte Musteranlage errichtet worden war, muss einem also für die Zukunft nicht bang sein. Ärgerlich ist höchstens, wenn, wie in der Vergangenheit geschehen, Vandalismus etwa mit den Schaukästen betrieben wird, weshalb diese nun stets Ende Oktober abgebaut werden. Ganz kehrt man auch im Winter dem Areal nicht den Rücken. Immer wieder muss man nach dem Rechten schauen, Schnee schieben oder Futter nachlegen.

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