Was Pauline und Rebekka in die Ferne zieht

Zwei Abiturientinnen aus Brand-Erbisdorf wollen anderen helfen, die eine Südfrankreich, die andere in Georgien. Angst alleine im Ausland zu sein, haben sie keine.

Rebekka Koch (l.) und Pauline Listner, zwei Freundinnen, die ab September getrennte Wege gehen, aber einen ähnlichen Weg beschreiten. Während Rebekka in Georgien Fortbildungen organisieren will, möchte Pauline in Südfrankreich Migrantenkindern und Obdachlosen helfen. Insgesamt sind 41 Jugendliche aus Deutschland ab September weltweit in christlicher Mission unterwegs.

Von Cornelia Schönberg

Pauline Listner ist 18, hat in Brand-Erbisdorf gerade ihr Abitur gemacht und zieht ab September für zehn Monate nach Nizza in Südfrankreich. Dort möchte sie Kindern aus nordafrikanischen Migrantenfamilien, aber auch obdachlosen Menschen vermitteln, dass sie von Gott geliebt werden.

An Gott glaubt die junge Frau, seitdem sie vor fünf Jahren mit ihrer Freundin Rebekka Koch eine christliche Freizeit besucht hat. Da sie davon überzeugt ist, dass "Gott für jeden von uns bestimmt ist", zieht sie in ein Viertel am Rand der Stadt, in dem viele Migranten aus Nordafrika leben, die sehr muslimisch geprägt sind, erzählt sie. Dort will sie mit Migrantenkindern spielen, Hausaufgaben machen. "Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie geliebt werden. Ihre Eltern kommen aus einer anderen Kultur, in der das oft nicht so gezeigt wird", erklärt sie. Ihr Wochenplan vor Ort steht schon: Dreimal pro Woche holt sie Kinder von der Schule ab, nimmt sie mit in ein staatlich anerkanntes Jugendhaus, verbringt dort mit ihnen die Nachmittage. Dort wird sie auch mit vier weiteren Freiwilligen in einer Wohngemeinschaft leben; begleitet werden die fünf Freiwilligen von zwei Schweizer Ehepaaren. Sie spricht mit jungen Menschen über Bibelgeschichten, kümmert sich um die Kleiderkammer und mit den anderen Freiwilligen einmal pro Woche um Obdachlose, versorgt sie mit Essen und Trinken und will mit ihnen ins Gespräch kommen.

"Als ich zum Vorbesuch in Nizza war, erzählte mir ein Obdachloser, dass er seit einem Jahr mit niemandem mehr gesprochen habe. Das war sehr bewegend für mich", erzählt die 18-Jährige.

Ihre Mutter Nadja Listner lässt ihr ältestes von drei Kindern mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen. "Wir finden es toll und trauen ihr das zu, weil sie offen ist, aber auch nicht das Risiko eingeht, sich einer Gefahr auszusetzen", erzählt sie. Dabei setzt sie Vertrauen in die Organisation und die Betreuer vor Ort. Organisator ist die DMG, ein christliches Missions- und Hilfswerk mit rund 400 Mitarbeitern in 80 Ländern; laut Internetpräsenz arbeitet etwa ein Drittel in Europa; viele davon helfen akut Flüchtlingen und Migranten.

"Passieren kann einem jungen hübschen Mädchen überall etwas", meint Nadja Listner, "aber es ist für sie eine Chance, ihr Französisch zu festigen. Sie hat ein Jahr Zeit, über ihre Zukunft nachzudenken und reifer zu werden - und ja, sie wird auch die Erfahrung machen, dass es hinter jeder Sonnenseite auch eine Schattenseite gibt".

Auch Rebekka Koch zieht es in die Ferne; ab 1. September macht sie ihren Freiwilligendienst in Georgien und lebt bei einer aserbaidschanischen Gastfamilie in der Kleinstadt Marneuli. "Ich will mal raus aus Deutschland und was anderes kennenlernen. Angst habe ich nicht", erzählt die 19-Jährige.

Ihre Schwester war ebenfalls mit der DMG im Ausland; ihre Eltern stehen hinter ihr, erzählt sie. Vor Ort will sie Kurse anbieten, damit sich Menschen, die oft in sehr einfachen Verhältnissen leben, weiterbilden können. Deutsch-, Englisch-, Computer- und Gitarrenkurse kann sie sich vorstellen, zu leiten. Des Weiteren will sie beim Kindergottesdienst mithelfen und die Gastfamilie im Alltag unterstützen. Finanziert wird der christliche Freiwilligendienst durch Spenden. Rund 450 Euro müssen die beiden Familien pro Monat aufbringen. Von dem Geld bezahlt die DMG beispielsweise Unterkünfte, Versorgung und zusätzliche Sprachkurse.

Ehrenfried Krüger, Pfarrer in Brand-Erbisdorf, freut sich über die Pläne der beiden jungen Frauen. Im Gottesdienst vergangenen Sonntag hat die Gemeinde die beiden Frauen entsandt. Regelmäßige Rundbriefe aus Frankreich und Georgien werde mit Spannung erwartet und in den Gottesdienst eingebettet. "Es ist in unserer Zeit ein besonderes Signal, wenn man sich dafür entscheidet: Ich setze mich ein Jahr lang für andere ein. Ich denke, das tut unserer Gesellschaft gut." Ihm selbst sei es in der DDR nicht möglich gewesen, diese Erfahrung zu machen, aber seine Kinder haben auch Freiwilligendienst geleistet, erzählt Krüger.

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