Weißenborner beschäftigt die Gerichte

Der 38-Jährige ist vor dem Landgericht Chemnitz wegen Untreue angeklagt. Das Verfahren ist nicht sein einziger Prozess.

Weißenborn/Chemnitz.

Der Vorwurf der Anklage ist klar, die Strategie der Verteidigung dagegen eher undurchsichtig - diesen Eindruck hat gestern am Landgericht Chemnitz der zweite Prozesstag gegen einen Mann aus der Gemeinde Weißenborn hinterlassen. Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, einen Fachbetrieb für Gießereimaschinen um etwa 865.000 Euro geschädigt zu haben. Er soll dabei seine Funktion als Bauleiter bei einem Projekt für einen Automobilhersteller in Landshut missbraucht haben.

"Ich sage ganz klar: Es sind Leute abgerechnet worden, die gar nicht auf der Baustelle waren. Und Stunden, die gar nicht geleistet worden sind", erklärte ein 55-jähriger Zeuge gestern vor der 5. Kammer des Landgerichts, der am 9. April 2014 Anzeige bei der Polizei erstattet hatte. Er sei damals Geschäftsführer der Firma aus Nordrhein-Westfalen gewesen, die den Weißenborner als Techniker angestellt und 2013/2014 als Bauleiter im 600 Kilometer entfernten Landshut eingesetzt habe. Er habe damals nicht gewusst, dass dieser zugleich mit seiner eigenen Firma als Subunternehmer auf der Baustelle tätig gewesen sei.

Die Montage der Maschinen sei "mit relativ hohem Aufwand" erfolgt, erklärte der gelernte Metallurge im Zeugenstand: "Ende 2013 sollten wir fertig sein, aber es kamen immer mehr Rechnungen von Subunternehmern." Stutzig sei er bei einem seiner etwa monatlichen Besuche in Landshut geworden: "Ich habe gesehen, wie Leute aus dem Auto einer Freiberger Firma gestiegen sind, die ich als Monteure von unserer Baustelle kannte." Bis dato habe er angenommen, so der Zeuge, dass ein Sinsheimer Dienstleister die Maschinen für die Herstellung von Gusskernen aufstellt. Da ihm bekannt war, dass der eigene Bauleiter aus dem Freiberger Raum kommt, habe er genauer nachgeforscht: "Das war dann ein Schock für mich."

Die beiden Verteidiger des Angeklagten befragten den Zeugen zu zahlreichen Details. So wollte der Chemnitzer Rechtsanwalt Andreas Markowitz unter anderem wissen, welche weiteren Arbeiten für den Automobilhersteller in Landshut ausgeführt worden seien. Rechtsanwalt Martin Wissmann aus Dresden bat um Erläuterungen zu der Art von Maschinen, die geliefert worden seien. Auf den Hinweis der Vorsitzenden Richterin Petra Kürschner, dass das für das Verfahren nicht relevant sei, stellte er einen Befangenheitsantrag in den Raum: "Ich lasse mich nicht in meinem Fragerecht beschneiden."

Wie während der Verhandlung deutlich wurde, hatte der Angeklagte zuvor gegen seine fristlose Kündigung geklagt. Laut seinem früheren Chef erfolglos: "Das ging bis vor das Bundesarbeitsgericht - aber dort wurde die Sache nicht mehr angenommen." Zudem laufe derzeit in Düsseldorf ein Prozess, so der 55-Jährige, weil seine ehemalige Firma weitere Montagerechnungen über insgesamt rund 500.000 Euro nicht mehr beglichen habe. Die Verhandlung in Chemnitz soll morgen fortgesetzt werden.

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