Welterbezentrum: Domizil hängt auch von Funktionen ab

Über den Standort des neuen Welterbezentrums in Freiberg ist eine rege Debatte entbrannt. "Freie Presse" stellt einige der "Kandidaten" vor.

Freiberg.

Unter dem Titel "Welterbe vermitteln" hat die Deutsche Unesco Kommission im vergangenen Jahr eine "Handreichung zu Informationszentren im Welterbe" veröffentlicht. Die Broschüre kann auch für die Entscheidung eine Hilfe sein, wo das künftige Welterbezentrum in Freiberg eingerichtet wird.

Entscheidend für die Annahme eines solchen Besucherzentrums ist nach Ansicht der Experten eine zentrale Lage. Der Standort sollte auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein.

Die Idee, das Welterbezentrum in eine bestehende Einrichtung zu integrieren, ist keineswegs eine Freiberger Erfindung. "Bereits vor Einrichtung eines Informationszentrums existieren an vielen Orten schon bekannte Museen, Nationalparkzentren oder andere Bildungseinrichtungen mit Bezug zu der Welterbestätte", stellt die Unesco-Kommission in ihrer Broschüre fest. Daher könne es sich als sinnvoll erweisen, das Informationsangebot zum Welterbe in bestehende Einrichtungen oder Angebote zu integrieren, "um Synergien zu nutzen und auch etwaige Konkurrenzsituationen zwischen diesen Einrichtungen und einem separaten Informationszentrum zu vermeiden."

In diesem Falle sollte jedoch sicher gestellt werden, heißt es weiter, dass die welterbespezifischen Inhalte ausreichend deutlich vermittelt werden. Auch biete es sich an, "Kooperationen vor der finalen Einrichtung eines Informationszentrums in einem zeitlich begrenzten Rahmen auszutesten." Es empfehle sich, die Verantwortlichkeiten der einzelnen Kooperationspartner vertraglich genau festzuschreiben.

Die Planung eines Welterbezentrums sollte nach Ansicht der Experten möglichst frühzeitig beginnen. Eine sinnvolle Unterstützung für das Vermittlungskonzept sei die Einbindung eines beratenden Gremiums aus Vertretern mit unterschiedlicher, sich ergänzender Fachexpertise und von Kommunikationsfachleuten.

Auch Funktionen und Aufgaben des Besucherzentrums sind zu klären: Soll es ein Anlauf- und Verteilerpunkt, ein Museum und/oder ein Informationsort für die Bevölkerung sein? Danach richten sich unter anderem Ausgestaltung, Vermittlungsformate, Personalbedarf und Ansprüche hinsichtlich der Fläche: "Deshalb ist mit Blick auf die Wahl der Standorte auch eine frühzeitige Definition der Funktionen für das jeweilige Zentrum unerlässlich."

 


Krügerhaus

Das Haus Schlossplatz 3 ist um 1510 von Rudolf von Bünau zu Weesenstein, dem Hofmeister Herzog Heinrich des Frommen, errichtet. Es diente später auch als Amtshaus für den Amtsschreiber. Das Gebäude ist 1868 grundlegend umgebaut und neogotisch überformt worden.

Derzeitige Nutzung: Sitz der Dr.-Erich-Krüger-Stiftung. Dr. Peter Krüger, gebürtiger Freiberger, hatte das Gebäude 2004 gekauft, um es denkmalgerecht zu sanieren und als öffentliches Ausstellungs- und Veranstaltungshaus aufleben zu lassen. Die TU Bergakademie präsentiert eine Dauerausstellung mit Mineralien deutscher Fundorte, die die Ausstellung Terra mineralia im benachbarten Schloss Freudenstein ergänzt.

Vorteile: Zentrale Lage am Schloss, sehr guter Bauzustand.

Nachteile: Nur 20 bis 30 Quadratmeter Raumgröße, Nutzungskonflikt mit Mineraliensammlung. (jan)


Domherrenhäuser

Die Häuser Am Dom 2 und 3 gehören zum Domviertel am Untermarkt und wurden etwa von 1484 bis 1500 errichtet. Das Haus Am Dom 2 verfügt über ein spätgotisches Zellengewölbe, eine Balkendecke mit Bemalung aus der Spätrenaissance, einen angebauten Treppenturm und eine imposante Dachkonstruktion. Das Haus Am Dom 3 wurde mehrfach umgebaut und ist weniger bedeutend.

Derzeitige Nutzung: Lager für große Teile des Museumsfundus'. Aktuell wird am Herderhaus ein neues Depot für das Stadt- und Bergbaumuseum errichtet. Zuletzt hatte die Stadtverwaltung erwogen, in den Häusern am Dom Ferienwohnungen einzurichten.

Vorteile: Zentrale Lage neben Dom und Museum am Untermarkt mit Parkmöglichkeit für Reisebusse, Synergie mit Museum möglich - auch über den entstehenden Zwischenbau.

Nachteile: Hohe Sanierungskosten, Barrierefreiheit kaum möglich. (jan)


Silbermannhaus

Das Haus Schloßplatz 6 wurde 1601 von Oberbergmeister Martin Weigelt errichtet. Von 1711 bis 1751 hatte der Orgelbauer Gottfried Silbermann hier seine Wohnung und Werkstatt, später auch seine ehemaligen Gehilfen Johann Georg Schöne (bis 1764) und Adam Gottfried Oehme (bis 1789).

Derzeitige Nutzung: Im Haus haben die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft und eine Orgelbau-Ausstellung sowie das städtische Amt für Kultur Stadt Marketing und die Touristinformation ihren Sitz; zudem verkauft das Freiberger Theater hier Eintrittskarten.

Vorteile: Zentrale Lage am Schloss, sehr guter Bauzustand (der jüngste Umbau erfolgte 2017, dabei wurde auch der historische Eingang wieder geöffnet), Synergie-Effekte mit der Tourist-Information möglich.

Nachteile: Für das Welterbezentrum soll nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung die Silbermanngesellschaft weichen. (jan)

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