Weniger Messerstechereien als im vorigen Jahr

Nach dem eskalierten Streit Anfang Dezember in der Freiberger Innenstadt hat "Freie Presse" bei der Polizei nach weiteren Straftaten mit Messern gefragt.

Freiberg.

2019 hat die Polizei in Freiberg bislang weniger Straftaten mit Messern registriert als im Jahr zuvor. Wurden 2018 insgesamt 19 solcher Delikte erfasst, waren es bis 16. Dezember 2019 zwölf derartige Taten. Das teilte Andrzej Rydzik, stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz, auf Anfrage der "Freien Presse" mit.

Vor zwei Jahren sah das noch anderes aus: 2017 gab es insgesamt 31Straftaten, bei denen ein Messer eingesetzt wurde, 2016 waren es 19. "Tatsächlich öffentlichkeitswirksam, wie der jüngste Fall in der Freiberger Altstadt, waren 2019 lediglich 25 Prozent", sagt Rydzik. Das heißt: Eine Handvoll Taten sind in aller Öffentlichkeit passiert, der Großteil der Straftaten wurde in privaten Räumen verübt. Das ist ein Unterschied zu den Straftaten mit Messern 2017: In dem Jahr waren etwa die Hälfte der 31 Straftaten mit Messer auf offener Straße geschehen.

Betrachtet man die Statistik der vergangenen vier Jahre, zeigt sich, so Rydzik, dass wiederholt Tatverdächtige mit afghanischer, deutscher, irakischer, libanesischer, libyscher, marokkanischer, syrischer und tunesischer Nationalität in Erscheinung getreten sind. "Ähnlich sieht die Verteilung der Nationalitäten bei den Geschädigten aus", so der Polizeisprecher. Im jüngsten Fall von Messerstecherei am 2. Dezember in der Freiberger Petersstraße stammen Opfer und Tatverdächtiger aus dem Irak. Zu den Hintergründen des eskalierten Streites konnten noch keine Details ermittelt werden; das 16-jährige Opfer sei bislang nicht vernehmungsfähig gewesen, hieß es von der Chemnitzer Staatsanwaltschaft.

Die Gewaltkriminalität insgesamt in Freiberg hat sich in den vergangenen Jahren bis auf kleinere Abweichungen kaum verändert. Dazu zählen etwa Tötungs-, Körperverletzungs-, Raub- und Sexualdelikte. Wurden 2014 insgesamt 103 Fälle erfasst, blieb die Zahl laut Polizei 2015 und 2016 mit jeweils 95 Fällen auf einem Niveau. 2017 war ein leichter Anstieg auf 103 Fälle zu verzeichnen. 2018 wurde insgesamt 108 Fälle erfasst. "Die Aufklärungsquote lag in den besagten Jahren zwischen knapp 76 und rund 91 Prozent", sagt der Polizeisprecher und spricht von einer hohen Aufklärung; zahlreiche Tatverdächtige konnten ermittelt werden.


Aus dem Archiv: Straftaten mit Messern

1997 Eifersucht: Im März 1997 hat ein Mann (28) in einer Wohnung in Freiberg mehrmals mit einem Messer auf einen Mann (24) eingestochen und ihn tödlich verletzt. Zuvor hatte er der Freundin des jungen Mannes, die er selbst heiraten wollte, eine Wunde im Bauchbereich zugefügt. Das Landgericht Chemnitz hatte ihn zu neun Jahren Haft verurteilt.

1998 Schlägerei: In der Silvesternacht hatte ein Mann im Freiberger Pi-Haus mit einem Messer auf einen anderen Mann eingestochen, nachdem er von ihm einen Schlag erhalten hatte. Er wurde zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

2003 Familienstreit in Siebenlehn: Im September 2003 in Siebenlehn hat ein Mann (42) mit einem Klappmesser seinem Stiefsohn (18) in den linken Oberschenkel gestochen. Beide standen unter Alkoholeinfluss.

2004 Streit in Alter Mensa: Im März 2004 geriet ein Deutscher (19) mit einem Algerier (19) in einen Streit. Der Algerier fügte dem Deutschen dabei eine zehn Zentimeter lange Schnittwunde im Gesicht zu. Der Mann wurde bereits mit Haftbefehl gesucht.

2005 Tragödie in Oberbobritzsch: Ein Mann (36) attackierte bei einem Streit mit einem Messer seine Frau, mit der er in Scheidung lebte, und verletzte sie lebensgefährlich am Hals. Bei einer dramatischen Fahndung wurde der Täter gefasst. Er musste für knapp 7 Jahre in Haft.

2012 Hinterlistige Tat: Im August 2012 hatte eine Frau (28) vor einer Gaststätte in Freiberg einen jungen Mann mit ihrem Taschenmesser in den Oberbauch gestochen und ihn dadurch verletzt. Sie sprach von Notwehr, der Oberstaatsanwalt von einer hinterlistigen Tat. (cor/jher)

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