Wenn Bücher eine Nacht bestimmen

Die fünfte Ausgabe der Freiberger Leseveranstaltung war mit gut 400 Besuchern ein Erfolg. Und das, obwohl Stargast Bernd-Lutz Lange einen Eklat verursachte.

Freiberg.

Alles ist gut vorbereitet gewesen: Die 5. Freiberger Lesenacht im Freiberger Geschwister-Scholl-Gymnasium sollte ein Fest des Lesens und Zuhörens werden. Insgesamt 24 Lesungen und die Führung durch die Andreas-Möller-Bibliothek durch Kustos Volker Bannies sind für den Hauptteil der Veranstaltung geplant gewesen. Auch der erkrankte Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger hatte mit Amtsleiter Jörg Woidniok einen guten Stellvertreter gesandt.

Ganz anders hingegen gestaltete sich der Auftritt des Gastes, dem die Abschlusslesung traditionell ab 22 Uhr in der Aula vorbehalten war. Dafür hatten die Organisatoren den Autor und Kabarettist Bernd-Lutz Lange gewonnen. Dieser tauchte jedoch bereits kurz nach 20 Uhr auf, da er wohl irrtümlich von einem Auftritt um 20.30 Uhr ausgegangen war. "Er war nicht bereit, bis 22 Uhr zu warten", erzählt Lehrer und Mitorganisator Steffen Judersleben. "Vielmehr wollte er, dass wir das Programm für ihn ändern." Dies jedoch hatten die Organisatoren nach einer kurzen Beratung abgelehnt. Der Eingriff in den Ablauf wäre zu gravierend gewesen, denn die anderen Vorleser hätten sich alle entsprechend vorbereitet, hieß es. Verärgert sei Lange daraufhin wieder abgefahren. "Es tut uns natürlich für all jene Gäste leid, die extra wegen ihm gekommen sind", so Judersleben. Er fügte an: "Aber gegenüber den anderen Vorlesern und jenen, die sich deren Vorträge anhören wollten, halte ich das Ansinnen für eine große Arroganz."

Die Abschlusslesung sollte dennoch nicht ausfallen. Spontan fand sich Klaus Hessenauer bereit, sie zu übernehmen. Gemeinsam mit seiner Frau Anne hatte er drei Vorträge über ihrer beider Reisen durch Nepal gehalten, untermalt mit Musik und Bildern. Glücklicherweise hatte er auf seinem Computer noch einen weiteren Bericht dabei. Und so konnte er dem trotzdem zahlreich erschienenen Publikum in der Aula von seiner Reise durch das Tsum-Tal erzählen.

Etwa 400 Gäste zählte die Lesenacht, welche einmal mehr vom Freiberger Taschenbuchladen und der Schülerfirma "Namaste Nepal" organisiert wurde. Damit zählt auch die fünfte Auflage nach Ansicht der Organisatoren als Erfolg. Im Halbstundenrhythmus wurde in verschiedenen Klassenzimmern vorgelesen, und die Palette spannte sich dabei sehr weit: von Werner Bräunigs "Rummelplatz", den der frühere Museumsdirektor Ulrich Thiel vortrug, bis zu einem "Kluftinger"-Krimi, den Frank Wehrmeister, Leiter des Beruflichen Schulzentrums "Julius Weisbach", präferierte.

Das Duo "Zitherklang", bestehend aus Birgit Weber und Tobias Duteloff, war erstmals im Doppel dabei. "Ich habe schon in der Vergangenheit hier vorgelesen", so Duteloff. "Diesmal ergänzen wir die Lesung durch unsere Musik." Wie bei den anderen sei auch ihr Klassenzimmer jedes Mal voll gewesen. Um ganz andere Töne ging es beim Vortrag von Lehrer Holger Gustmann, der die Autobiographie von Altrocker Ozzi Osbourne dabei hatte. "Weil ich ein großer Fan bin", begründet er. "Außerdem ist das Buch so witzig und köstlich, dass ich das einfach mal vermitteln wollte." Osbourne sei ein Beispiel dafür, wie man es von ganz unten nach ganz oben schaffen könne.

Zufrieden zeigte sich Mitorganisatorin Annett Zschoke. Die Lehrerin sieht die Lesenacht als Ergänzung zum Nepallauf der Schülerfirma, dessen Erlös auch dem Himalayadorf Gati zugute kommt. "Im April beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Lesenacht", sagt sie. "Die Schüler übernehmen das Marketing, fertigen Flyer und Plakate." Ein Gemeinschaftswerk, das Lust am Lesen vermitteln will.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    Juri
    18.11.2019

    Oh, so ein Verhalten hätte ich von Herrn Lange nicht erwartet.
    Allerdings müssen wir uns alle nicht wundern. Machen wir doch aus jedem Menschen der eine Gabe hat, bei jeder Gelegenheit immer gleich einen Star. Ich bin nicht sicher ob das so besonders ist, wenn einer seine eigenen Bücher, in denen er seine eigenen lustigen Gedanken aufgeschrieben hat, vorliest.
    Wenn er es nicht tut, dreht sich die Welt auch weiter.
    Wenn ein Chirurg 7 Stunden am OP-Tisch angespannt arbeitet, wird er nicht zum Star. Auch nicht der Hochspannungsmonteur, der 50 m über dem Erdboden, nur mit einer Leine gesichert, für uns alle die Kabel flickt. Auch das sind besondere Gaben.
    Wir alle jubeln diese Langes hoch und machen sie arrogant. Dankbar nehme ich zur Kenntnis, dass die Organisatoren konsequent waren. So musste der Star des Abends unverrichteter Dinge zurück in sein Nest flattern.



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