Wenn das Elektro-Auto in die Rathausgarage rollt

Nach dem Abgasskandal bei Dieselfahrzeugen erwägen Städte und Gemeinden im Landkreis, alternative Antriebe für ihre Flotte zu nutzen.

Oederan.

Oederan startet nächste Woche einen Test: "Wir erhalten am Dienstag vom Energieversorger Envia einen BMW mit Elektroantrieb", sagt Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler). Später werde auch noch ein Elektro-Golf von Eins Energie im Verwaltungsalltag auf die Probe gestellt. Ein Mitarbeiter recherchiere bereits zu Anschaffungs- und Fördermöglichkeiten für Stromer-Pkw, so Schneider: "Wir sind daran interessiert, auf Elektrofahrzeuge umzustellen."

Die Stadt des Klein-Erzgebirge wirbt bereits seit längerem für Antriebsarten, die die Umwelt nicht so stark mit Abgasen belasten. Zum alljährlichen Tag der Erneuerbaren Energien, der hier ins Leben gerufen worden ist, waren bereits mehrfach Elektrofahrzeuge verschiedener Hersteller zu sehen. Schneider selbst schwärmt von seiner Probefahrt im Tesla: "Das war gigantisch."

Ein Modell des amerikanischen Vorzeigeunternehmens in Sachen Elektromobilität wäre für das Oederaner Rathaus aber zu teuer. "Wir müssen natürlich auch auf die Finanzierbarkeit achten", weiß der Rathauschef. Derzeit stünden zwei Opel Corsa im Hof, dazu kämen Fahrzeuge beispielsweise für den Bauhof und die Feuerwehren. Letztere nimmt der Bürgermeister aber vorerst ausdrücklich aus: "Bei Transportern sehe ich noch keine günstigen Angebote für uns, und bei Löschfahrzeugen steht die Einsatztauglichkeit an erster Stelle."

Angesichts der Enthüllungen über manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeuge denken auch andere Kommunen über eine Umstellung ihrer Fahrzeugflotte nach. Die Stadt Mittweida etwa beabsichtigt, "in naher Zukunft für das Ordnungsamt ein Elektrofahrzeug zu leasen." Wie Pressereferentin Francis Pohl weiter informiert, umfasse der Fuhrpark der Stadtverwaltung aktuell sechs Benzin- und 45 Dieselfahrzeuge - das Gros davon bei der Feuerwehr und im Bauhof. Im vorigen Jahr sei ein Diesel für die Stadtspitze geleast worden, zudem habe der Bauhof einen Diesel-Lkw und einen Benzin-Pkw erhalten.

In der Kreisstadt Freiberg gibt es nach den Worten von Katharina Wegelt Überlegungen, im Hauptamt ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Das seien allerdings nur erste Ideen, schränkt die Pressesprecherin ein: "Insbesondere müssen die Dienstwagen für Kurz- und Langstrecken genutzt werden können - das ist derzeit mit Elektroautos nicht gewährleistet."

Allerdings hätten die Städtische Wohnungsgesellschaft und die Freiberger Stadtwerke E-Fahrzeuge für ihren Ablesedienst angeschafft, so Wegelt weiter - in beiden Unternehmen hat die Stadt Freiberg das Sagen. Die Stadtwerke hätten zudem fünf Ladesäulen für E-Autos in Freiberg installiert, in Kürze solle eine Lademöglichkeit für Elektrofahrräder am Rathaus folgen. Die Stadt begleite auch ein Projekt der TU Bergakademie für Lastenbikes, die auch als Pedelecs bezeichnet werden.

Für die Freiberger Feuerwehr sei 2017 ein Löschgruppenfahrzeug angeschafft worden - ein Diesel. Aber auch ohne die Brandschützer haben die Selbstzünder in der Freiberger Flotte derzeit noch klar das Übergewicht: Die Stadtsprecherin zählt 31Diesel- und zehn Benzinfahrzeuge auf. Ein Exot ist dabei der Erdgas-Pkw im Hauptamt.

Die Stadt Rochlitz wartet ab, wie Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos) sagt: "Nächste Anschaffungen sind für 2019 geplant. Wir werden die politische Entwicklung kritisch verfolgen und daraus unsere Kaufentscheidungen ableiten." Derzeit gebe es in der Stadtverwaltung vier Benzin- und fünf Dieselautos. Auch der Landkreis Mittelsachsen prüfe alternative Antriebsarten für seinen Fuhrpark, bestätigt Pressereferentin Cornelia Kluge. Das Landratsamt verfüge aktuell - ohne Sonderfahrzeuge - über 60Diesel- und 52 Benzinautos; Elektro- oder Hybridmotoren seien derzeit nicht im Einsatz. Bei den Anschaffungen seit dem 1. Januar 2017 lagen laut Kluge aber die Benziner vorn: Den zehn Kleinwagen mit Zündkerzen hätten ein Hochdachkombi, ein Transporter, ein Geländewagen und ein Klein Lkw mit Dieselmotoren gegenübergestanden.

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