Wenn der Computer den Melker ersetzt

Die digitale Welt ist in den Agrargenossenschaften im Kreis Mittelsachsen längst Alltag. Und das nicht nur in den Büros, sondern auch in den Ställen.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

"Digitalisierung und Automatisierung sind schon länger, als in der Bevölkerung geglaubt, in der Landwirtschaft angekommen", sagen Udo Böhme und Daniel Näther vom Vorstand der Methauer Agro AG. Gründe der Umstellung seien besseres Tierwohl, geringere Auswirkungen auf die Umwelt und Arbeitserleichterungen.

So ist etwa die Verwaltung aller Daten zu Abstammung, Tiergesundheit und Milchleistung digitalisiert. Spezielle Programme erlauben eine detaillierte Analyse der Milch und des Futters - unter anderem sind so Aussagen über dessen Energie- und Mineralstoffgehalt möglich. Sensorgesteuerte Überwachung der Tiergesundheit sorgt, wie Böhme und Näther unisono erklären, für weniger Antibiotika und mehr Tierwohl. Und Wiegeeinrichtungen am Futtermittelwagen sorgen dafür, dass die Rinder die benötigte Ration erhalten.


Der Methauer Betrieb setzt außerdem auf eine satellitengestützte Steuerung der Gemeinden. "Im Vordergrund steht die Einsparung von Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutz sowie Kraftstoff", erklärt Böhme. Rund 70.000 Euro wurden dafür im Vorjahr investiert. Um all das richtig anwenden zu können, müsse das Personal intensiv eingewiesen beziehungsweise geschult werden. "Wenn alles funktioniert, wird das Arbeiten wesentlich erleichtert und Material kann gespart werden", so Böhme. "Die Verwaltung von Pacht- und Flächendaten erfolgt seit Mitte der 1990er-Jahre über Computerprogramme."

Auch die Agrargenossenschaft "Bobritzschtal" in Bobritzsch-Hilbersdorf setzt auf moderne Technik. Zurzeit werden Melkroboter installiert - 13 Stück für 850 Milchkühe. "Das Melken läuft dann vollautomatisch. Die Kühe gehen selbst zum Stand, werden durch einen Transponder erfasst und so erkannt. Entsprechend ihrer Leistungen bekommen sie die notwendige Menge Kraftfutter zugeteilt und werden zugleich gemolken", erklärt Vorstandsvorsitzender Lars Furkert. Mitte des Jahres sollen die neuen Melkroboter fertiggestellt sein. Mit Kosten im siebenstelligen Euro-Bereich seien sie die größte Investition in den vergangenen Jahren, so Furkert.

Der Betrieb verspricht sich davon auch Einsparungen bei Energie und Desinfektionsmitteln. Zudem entfalle so eine körperlich schwere und eintönige Arbeit. "Der Prozess der Digitalisierung ist längst nicht abgeschlossen. Mit den neuen Melkrobotern erreichen wir aber ein sehr hohes Level. Ich bin überzeugt, dass wir den Standort Oberbobritzsch so die nächsten zehn bis 15Jahre sichern können", sagt Furkert.

In der Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf erfolgte der Einstieg in die Digitalisierung 2002, mit dem ersten Parallelfahrsystem in der Pflanzenproduktion. "Der Traktor war mit einem GPS-Empfänger ausgerüstet und konnte so durch ein Korrektursignal über Satellit und eine Lenkhilfe gesteuert werden", erklärt Vorstandsvorsitzender Silvio Hainich. Heute sei ein Großteil der Traktoren mit GPS-Empfängern ausgestattet. 2011 erfolgte die Anschaffung eines Stickstoffsensors für die Düngemittelausbringung. Die jüngste und auch größte Investition war laut Hainich mit Kosten von circa 3Millionen Euro 2015 ein vollautomatisches Melkkarussell.

Damit erfüllen die Betriebe das, was Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) als Schlüsselwörter bezeichnet: Digitalisierung und Innovation. "Wir müssen die neuen Herausforderungen der sächsischen Landwirtschaft lösen können", so Schmidt. Dabei sei der Einklang von Ökonomie und Ökologie entscheidend. Die Erkenntnisse aus Boden-, Pflanzen- und Umweltforschung müssten mit technologischer Innovation und Naturschutzkonzepten kombiniert werden, um die Landwirtschaft in Sachsen nachhaltiger zu gestalten.

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