Wenn der weiße Flieder ...

Rudolf Liebscher, ortsbekannter Tischler in Conradsdorf, und seine Frau Edith haben ihre Gnadenhochzeit gefeiert. Und die Jubelbraut bekam die gleichen Blumen wie zur Hochzeit 1947.

Conradsdorf.

Nach dem christlichen Glauben ist es eine Gnade Gottes, wenn ein Ehepaar so viele Jahre gemeinsam verbringen darf. Und das sehen auch Edith und Rudolf Liebscher aus Conradsdorf so. Gestern haben sie Gnadenhochzeit gefeiert - nach 70 Ehejahren.

Die Braut bekam auch gestern wieder einen Strauß aus weißem Flieder, genau wie damals zur Hochzeit. Vor 70 Jahren, auch das haben Liebschers nicht vergessen, ist der damals so seltene Flieder auf dem Weg zur Kirche erfroren. Mit minus 20 Grad Celsius war das ein außergewöhnlich kalter Tag gewesen.

Im Kreise vieler Verwandter und Freunde konnte das Paar gestern im Dreiseithof der Tischlerei Liebscher das große Ehejubiläum feiern. Am Abend wollte die Familie in der Dörnthaler Ölmühle noch ein bisschen in kleinem Kreis zusammensein. "Wir sind überglücklich, dass wir hier in der Nähe der Kinder so wohl behütet leben dürfen und umsorgt werden", erzählen die Eheleute. Sie schauen am Abend Fernsehen und lesen die "Freie Presse". Um ihre Gesundheit kümmert sich der Halsbrücker Allgemeinarzt Michael Kohlstock. Die Beiden fühlen sich dort gut betreut.

Die Feier zur Eisernen Hochzeit im Jahr 2012 ist dem Paar noch in sehr guter Erinnerung. "Unsere Enkeltochter Mandy und ihr Bruder Sebastian hatten eine Feier in der Oberneuschönberger Kirche, wo wir geheiratet hatten, organisiert", schwärmt Edith Liebscher noch immer. Als dann noch eine Freundin ihr Hochzeitlied mit dem Vers "Still wie die Nacht, tief wie das Meer soll Eure Liebe sein" sang, kamen dem Ehepaar die Tränen.

Inzwischen sind wieder fünf Jahre vergangen. "Wir sind leider ein bisschen unbeweglicher geworden und können nur noch selten kleinere Arbeiten im Hof verrichten", bedauert Rudolf Liebscher. Doch kleinere Ausflüge ins Erzgebirge nach Olbernhau oder Cämmerswalde und auch nach Tschechien unternähmen sie noch.

Der Bräutigam ist Jahrgang 1925 und gelernter Landwirt, wie seine Ehefrau. Die Beiden haben sich in der Freiberger Landwirtschaftsschule kennengelernt. "Er hat mir gleich gefallen", erinnert sich die 1926 geborene Edith. Das war mitten im Zweiten Weltkrieg, und der junge Mann musste dann noch in Russland kämpfen. Auf Grund einer Verletzung kam er nach Kriegsende sofort nach Hause. So konnte das Paar 1947 heiraten. Zur Familie gehören zwei Kinder, vier Enkel und ein Urenkel. "Auf jeden Fall soll es noch ein bisschen so weiter gehen, und wir hoffen vor allem, gesund zu bleiben", wünscht sich das Paar.

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