Wenn sich die Welt wie im Rausch dreht

Junge Leute erleben mit dem Klarsicht-Parcours nicht nur, was Alkoholsucht bedeutet. Das Ziel: Prävention im Dialog.

Brand-Erbisdorf.

Die Zahl ist erschreckend: 13,6 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren trinken sich wenigstens einmal pro Monat in einen Rausch. Das ermittelte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Der Nikotingenuss hingegen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und befindet sich in der genannten Altersgruppe mit 7,4 Prozent derzeit auf einem historischen Tiefststand. Das sei aber noch kein Grund zum Aufatmen, so die Bundeszentrale.

Um Schülern im Alter von zwölf bis 18 Jahren die Möglichkeit zu geben, sich mit den Themen Alkohol, Rauchen, aber auch anderen Drogen auseinanderzusetzen, entwickelte die Bundeszentrale bereits im Jahr 2004 den "Klarsicht"-Mitmach-Parcours, ein auf Jugendliche zugeschnittenes Präventivangebot, bei dem an verschiedenen Stationen über Sucht in ihren verschiedensten Ausprägungen sowie deren Auswirkungen diskutiert werden kann. Auch praktische Erfahrungen werden dabei gesammelt.


Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche machte der Parcours Halt auf dem Gelände des Elite-Gewerbeparks in Brand-Erbisdorf. Rund 200 Schüler der achten und neunten Klassen der örtlichen Oberschule sowie des Brander Bernhard-von-Cotta-Gymnasiums absolvierten die Stationen. "Wir kommen dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher", sagt Max Knospe von der BZgA. "Wir wollen vielmehr in den Dialog treten." Der Mitmach-Parcours sei schon lange bundesweit sehr gut etabliert. Nach Mittelsachsen kommt er aber zum ersten Mal, macht außerdem am Donnerstag und Freitag noch einmal Station, diesmal in Flöha.

"Wir kannten das Projekt vom Hörensagen", sagt Norina Rudolph vom Referat Kinderbetreuung und -förderung des Landratsamtes Mittelsachsen. "Wir fanden es interessant, über das praktische Erleben und Tun das Thema an die Jugendlichen zu bringen." Man hoffe auf Synergien und Nachwirkungen. Das Landratsamt verfüge bereits seit geraumer Zeit über zwei Lehrkoffer, in denen die Merktafeln des "Klarsicht"-Projektes enthalten sind und noch einige weitere Utensilien. Die Koffer seien regelmäßig unterwegs, da Schulen sie sich immer wieder ausleihen. In dem Koffer befindet sich ebenfalls eine Rauschbrille, nach übereinstimmenden Aussagen die wohl eindrucksvollste Methode, die Auswirkungen von Alkohol zu simulieren und auf die Gefahren hinzuweisen.

Manuela Kunath, Leiterin des Bernhard-von-Cotta-Gymnasiums, begrüßt den Parcours ausdrücklich. "Wann lernt man denn am effektivsten?", fragt sie und antwortet gleich selbst: "Wenn man rausgeht und selbst ausprobiert. Als Lehrer sind wir immer am Belehren, eine direkte Teilnahme hinterlässt viel nachhaltigere Effekte." Es nützt nach ihren Worten auch nichts, das Thema zu tabuisieren, denn das setzt nur Reizpunkte und weckt erst recht die Neugier. Brand-Erbisdorfs Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) betonte, dass es im Stadtgebiet die Problematik des Komasaufens von Jugendlichen oder ähnliche Entgleisungen weniger gebe. Darauf dürfe man sich aber nicht ausruhen. "Lasst uns darüber nachdenken, wie wir neue Ziele vorgeben können", so Antonow. "Und wie wir auch künftig die jungen Menschen davon abbringen können, den Weg der Sucht zu gehen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...