Wie der Bergbau wieder ins Blickfeld rollt

Eine Lore am Ortseingang von Sachsenburg ist mehr als nur Werbung für einen Verein. Dort wurden einst wirklich Erze abgebaut - und nach dem Krieg noch nach Uran gesucht.

Sachsenburg.

Wer aus Richtung Frankenberg nach Sachsenburg fährt, sieht am Ortseingang seit einigen Tagen eine Lore mit einer Tafel. Ein Stück Gleis liegt auch darunter, seit einigen Tagen Gestein darin. Und es gibt eine Tafel, die zur Geschichte aufklärt.

Der Mann, der dazu alles weiß und der für den Bergbau in Sachsenburg steht, ist Steffen Eichler, auch als "Stubs" bekannt. Er weiß über den frühen Bergbau am Treppenhauer im 13. Jahrhundert Bescheid, und er kennt auch die "Reicher Segen Gottes"-Fundgrube, von der noch etliche Sachzeugen Über- und Untertage sichtbar sind.

"Die letzte Periode nach dem Zweiten Weltkrieg war die geheimnisvollste", sagt Eichler. "Denn es ging um Uran-Förderung." So habe die 1947 in Aue gegründete Sowjetische Aktiengesellschaft (Wismut) viele alte Grubenbaue untersucht, neue Stollen angelegt. "Das passierte in Biensdorf, in Schönborn und in Sachsenburg, aber ohne viel Erfolg. 300 Bergleute waren etwa vor Ort. Hauptstützpunkt war die Konsumgaststätte Sachsenburg, wo auch ab 1977 der Jugendklub bis zur Wende ansässig war." Die Gaststätte hieß später "Zum Treppenhauer".

Jugendliche wie Eichler interessierten sich damals schon für den Bergbau. Ein erster Verein gründete sich über den Kulturbund der DDR. Heute ist Eichler Vorsitzender des Bergbauvereins "Reicher Segen Gottes" Sachsenburg. Sichtbarer Sachzeuge des Wismut-Bergbaus war vor knapp 70 Jahren die "Goldene Sonne" , ein 300 Meter langer Stollen am Ortseingang von Sachsenburg. Hier führte eine Gleisanlage über eine hölzerne Brücke auf den späteren Schuttplatz, den heutigen Wanderer-Parkplatz an der Steigerhauswiese. "Die Bergemassen wurden mit Kipploren, wie sie bei Feld-und Trümmerbahnen üblich waren, ausgefördert", erläutert Eichler.

So eine Lore hatte er vor einiger Zeit aufgetrieben, zumindest Reste davon. "Die Kippmulde war eigentlich Schrott und stand im Küchwald Chemnitz," so der Sachsenburger, der neue Seitenteile einbaute, alles neu verschweißte und die Lore nun öffentlich präsentieren kann. Unterstützung gab es von einigen Firmen, dem Bauhof und dem Ortschaftsrat. Eine Genehmigung zum Aufstellen der Lore durch die Stadt Franken sei kein Problem gewesen.

"Mir geht es darum, die Leute aufzuklären, zu zeigen, was hier mal alles passiert ist." Wer mehr über den Bergbau im Zschopautal erfahren will, kann die Schlossmühle in Sachsenburg (an der geschlossenen "Fischerschänke") besuchen. "Oder unsere Bergwerke oder Stollen in Sachsenburg, Biensdorf und Schönborn", so Eichler.

Letztgenannter Verein macht mit einem Bergbaurelikt schon seit Jahren Werbung. An der Seifersbacher Kirche steht ein Grubenhunt, der von dort den Weg zum Schönborner Bergwerk weist.

Der Sachsenburger Verein hat noch zwei dieser Relikte: Sie stehen an der Schloßmühle und an der Fähre "Anna" in Krumbach. Auf das Bergwerk Biensdorf weist am Vorwerk an der Straße so ein Hunt hin.

Angst vor Schrottdieben hat Eichler übrigens nicht. Immerhin ist seine neu aufgebaute Feldbahnlore gut 300 Kilogramm schwer und mit der Schiene darunter fest verbunden. Zusätzlich hat er sie noch mit Gestein beschwert, natürlich alles original aus einem alten Stollen an der Krumbacher Fähre.

www.bergbau-im-zschopautal.de

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