Wie die Siebenlehner Kita Amalies 200. Geburtstag feiert

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

In der Einrichtung geht es dieses Jahr um Amalie Dietrich. Schließlich trägt sie den Namen der Naturforscherin. Und es gibt viele Ideen - auch ungewöhnliche.

Siebenlehn.

Wer war Amalie Dietrich? Spätestens Ende 2021 soll das jedes Kind, das die Siebenlehner Kita besucht, wissen. Denn die Einrichtung ist nach der Naturforscherin benannt. Deshalb ist das Leben der gebürtigen Siebenlehnerin auch ein Schwerpunkt im diesjährigen Jahresplan, den Kitaleiterin Ulrike Wappler und ihr Team erarbeiteten.

Eigentlich wollten die Erzieher im Januar in der Kita ein Puppenspiel über Amalie Dietrich (1821-1891) aufführen. Doch derzeit sind coronabedingt nicht alle Kinder in der Einrichtung - von 166 Ein- bis Zehnjährigen dürfen 58 die Notbetreuung nutzen. Deshalb wurden die Puppentheater-Pläne verschoben - wie auch das Projekt "Kleine Forscher im Schnee". "Natürlich experimentieren die Kinder aber trotzdem mit Eis und Schnee", so Ulrike Wappler. Die Kita, die sich in Trägerschaft des VdK befindet, will sich in diesem Jahr zum Haus der kleinen Forscher zertifizieren lassen.

Mitte Januar beteiligten sich die Kinder der Notbetreuung an der Aktion des Schulfördervereins zur Eröffnung des Amalie-Dietrich-Festjahres und ließen mintgrüne Luftballons mit dem Porträt der Naturforscherin steigen. Im März ist in der Kita eine Naturbücherwoche geplant. Zudem soll am 20. März die lange Lesenacht in Siebenlehn stattfinden. "Wir hoffen, dass dies möglich ist", so Ulrike Wappler. Sie und ihre Kollegin Monique Tränkner schreiben gerade an einem Kinderbuch über Amalie Dietrich. Erzieherinnen mit einer künstlerischen Ader wollen das Buch illustrieren. "Wir wollen es erst mal selbst binden", sagt Wappler. Wenn das Buch gut ankomme, soll es vielleicht auch in einer kleinen Auflage gedruckt werden. Ein Hintergedanke des Projektes: "Während die Großeltern wissen, wer Amalie Dietrich war, sieht es bei jungen Eltern oft anders aus", so Ulrike Wappler. Mit dem Bilderbuch soll die Naturforscherin Kindern, aber auch Müttern und Vätern nahegebracht werden.

Schon voriges Jahr halfen Eltern, das zugewucherte Amalie-Dietrich-Denkmal vor der Kita freizulegen und das Gelände rund um die Büste neu zu bepflanzen. Jetzt wird noch ein Logo für die Fassade gesucht. Im April soll im Garten ein Hochbeet mit Kräutern angelegt werden.

Zum Geburtstag von Amalie Dietrich am 26. Mai gibt es einen Festakt in Siebenlehn, am 28. Mai ist ein Tag der offenen Tür in der Kita geplant. Dabei können Eltern, Großeltern und andere Interessierte die Einrichtung besichtigen, die 2020 modernisiert und erweitert wurde (siehe Kasten). Ulrike Wappler dazu: "Unsere Kita ist wunderbar geworden. Ob die großen Räume, die neuen sanitären Anlagen oder der Schallschutz - es ist rundum alles gelungen. So, wie man es sich in einer Kita wünscht." Das gelte auch für den Garten. Neue Matschanlage und Klettermöglichkeiten seien "super frequentiert". Die Kitaleiterin hebt hervor, dass das Team auch in die Planung einbezogen wurde und Wünsche, so bei Schallschutz, Möbeln, der Anzahl der Toiletten und bei der Außenanlage berücksichtigt wurden. "Wir sind dankbar, dass dies möglich war", betont Wappler.

Ein großes Kinderfest ist am 5. Juni im Amalie-Dietrich-Park geplant. Dann soll auch das Musical "Das Leben unserer Amalie" aufgeführt werden. Im Juli stehen Outdoorwochen im Wald an. "Und auch den Rest des Jahres werden wir uns mit Amalie Dietrich beschäftigen", so Kitaleiterin Wappler.

Eine Gratwanderung sei derzeit das Thema Notbetreuung. Auch in Siebenlehn dürfen nur jene Eltern ihre Kinder in die Kita bringen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und wegen dienstlicher oder betrieblicher Gründe ihr Kind nicht selbst betreuen können. Eltern brauchen eine Bescheinigung vom Arbeitgeber. Doch auch andere Mütter und Väter würden ihre Sprösslinge gern in die Kita bringen. "Leider müssen wir das ablehnen", so Ulrike Wappler und ergänzt: "Wir sind froh, dass Kinder da sind. Aber wir müssen den Eltern auch sagen, dass die Notbetreuung nur möglich ist, wenn sie auf Arbeit sind - und nicht, wenn sie einen Tag frei haben." Hinweise dazu seien in der Kita eingegangen und mit den betreffenden Eltern ausgewertet worden. Für die Mädchen und Jungen, die zu Hause bleiben müssen, entwickelte das Team das Angebot "Kita to go" mit Bastelbogen, Gedichten und Aufgaben. Zudem bekommen die Geburtstagskinder ein kleines Geschenk. "Das kommt super an", sagt Ulrike Wappler. "Unser Team freut sich darauf, wenn wieder alle Kinder in die Kita kommen dürfen - wenn auch unter strengeren Maßnahmen und einem guten Hygienekonzept."


Kostenexplosion bei Umbau

Über 747.000 Euro höher als geplant sind die Kosten für die Erweiterung und den Umbau der Kita "Amalie Dietrich". Laut der Schlussrechnung, die von den Stadträten mehrheitlich bestätigt wurde, liegen die Ausgaben bei rund 1,857 Millionen Euro. Im Etat 2018 waren 1,11 Millionen Euro veranschlagt. Als Gründe für die Kostensteigerung nannte Bauamtsleiter Frank Jänich, dass die Stadt den Fördermittelantrag auf Grundlage der Planungen stellte, die der VdK als Träger der Kita vorgelegt hatte. Der Gebäudezustand sei schlechter als angenommen gewesen. Ein Beispiel: In der Küche wurde unter dem Trockenbau Schimmel entdeckt, auch die Außenwand wurde daraufhin saniert. Erdgas- und Elek-trohausanschluss wurden komplett erneuert. Kosten verursachte auch der Umzug der Kita in den Sportpark Großschirma während der Bauphase.

Kritik meldete AfD-Fraktionschef Rolf Weigand an. "Bei der Kita liegen wir 67 Prozent über dem Haushaltsansatz von 2018", sagte der Klein- voigtsberger. Er bat darum, dass die Stadträte künftig bei größeren Projekten besser einbezogen werden, wenn es erhebliche Nachträge gibt. Darauf erwiderte Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP), dass die Stadt an Fristen gebunden sei, so bei der Einladung zur Stadtratsitzung. Das könnte sich nachteilig auf die Dauer von Baumaßnahmen auswirken. Die parteilose AfD-Stadträtin Birgit Neuhäußer erinnerte an ihre zweimaligen Nachfragen im Stadtrat, wie es mit den Kosten beim Umbau aussieht.

Gunther Zschommler (CDU/RBV) und Volker Scharf (UBV) sagten, dass die Sanierung alter Gebäude oft teurer als geplant sei. Margot Schleicher (Freie Liste) betonte: "Wir haben etwas für unsere Kinder und für die Zukunft geschaffen." Bürgermeister Schreiter betonte ebenfalls: "Ich bin froh, dass das Projekt beendet ist und alle Kitas im Stadtgebiet saniert sind. Und wir haben stets auf Wünsche der Mitarbeiter reagiert - auch wenn sie im Nachhinein kamen." (hh)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.