Wie Europa kleine Ideen wahr werden lässt

Förderung muss nicht immer bedeuten, dass Millionen Euro fließen. Das zeigt die grenzüberschreitende Euroregion. Die Hilfe mit Summen bis 15.000 Euro für Partner beiderseits der Grenze macht vieles möglich.

Freiberg.

Egal, ob es ein Sportwettbewerb, ein Erfahrungsaustausch im Rettungswesen oder ein Treffen zwischen Imkern ist. Egal auch, ob es museumspädagogische Projekte sind - die Euroregion Erzgebirge macht sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Tschechien stark. Oberstes Anliegen dabei: Die friedliche Nachbarschaft zwischen Mittelsachsen und nordböhmischen Regionen. Das Äquivalent zur Euroregion Erzgebirge auf tschechischer Seite ist die Euroregion Krušnohorí.

Seit 1992 arbeitet die Interessengemeinschaft erfolgreich grenzübergreifend. Mit Geld der Europäischen Union werden Kleinprojekte bis maximal 15.000 Euro unterstützt. Die Bedingung: Die Antragsteller müssen einen tschechischen Partner haben oder umgekehrt. Insgesamt drei Millionen Euro stehen im aktuellen Förderzeitraum - er läuft von 2014 bis 2020 - zur Verfügung. "Bisher konnten wir 176 Projekte unterstützen, 66 sächsische und 110 tschechische", erklärt Beate Ebenhöh. Mitglieder der hiesigen Euroregion sind die Kreise Mittelsachsen und Erzgebirge sowie die Sparkasse Mittelsachsen. Der Euroregion Krušnohorí mit Sitz in Most gehören 82 Städte und Gemeinden der Kreise Most, Chomutov, Louny, Teplice und Litomerice sowie 41tschechische Firmen und Organisationen an.

Beate Ebenhöh spricht davon, dass noch rund 784.000 Euro zur Verfügung stehen. "Gegenwärtig neigen sich viele Projekte dem Ende entgegen, andere stecken noch mitten in der Umsetzung oder beginnen erst", sagt sie. Dazu gehört etwa ein großes sportliches Event am 14. September im tschechischen Lovosice, das wiederum zur Euroregion Elbe-Labe gehört. Dorthin entsenden alle Euroregionen aus Sachsen und Tschechien Kinder und Jugendliche, die in der Leichtathletik und im Ballsport ihre Kräfte messen. "Der Kreissportbund Mittelsachsen gehört hier zu den Mitorganisatoren. Das Projekt wird von uns finanziell mit gefördert", so Beate Ebenhöh.

Auch die Oederaner, speziell das Web-Museum in der Stadt, stecken derzeit mitten in einem Projekt. Sie wollen fast verschwundenes Textilhandwerk im Erzgebirge aus der Vergessenheit holen. Der Partnerschaftsverein in Litvinov steht dabei an der Seite der Stadt des Klein-Erzgebirges. "Kindergruppen aus Oederan haben das Stadtmuseum in Litvinov besucht und dort unter anderem viel über Klöppelkunst gelernt. Im Web-Museum wiederum bekamen sie Einblick in die Weberei", sagt Ebenhöh. Ziel ist weiterhin ein zwei- und teilweise auch dreisprachiges Leitsystem in der Stadt auf Info-Tafeln. Diese informieren Gäste über Sehenswürdigkeiten mit Stadtplan, Bildern und Texten.

In Lunzenau hat es im April ein deutsch-tschechisches Imkertreffen gegeben. Nach der ersten Begegnung 2017 in Libochovice kamen die Tschechen diesmal nach Sachsen. Etwa 70 Imker trafen sich. Workshops, der fachliche Austausch zur Bienenkrankheit amerikanische Faulbrut gehörten zu diesem Projekt, das die Euroregion mit gut 10.000 Euro unterstützte. Auch die klingende Montanregion in der Freiberger Altstadt im Mai erhielt Unterstützung über die Euroregion. Denn bei dem Treffen traten auch tschechische Musiker auf. "Derzeit bereiten wir das 25. Adventssingen der Jugendchöre aus beiden Euroregionen vor. Diesmal treten acht Chöre aus beiden Ländern in der Katharinenkirche des Annaberger Stadtteils Buchholz auf. 2019 kommen sie in den Freiberger Dom", blickt Beate Ebenhöh voraus.

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