Wie früher die Stadt telefonierte

Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September öffnet wieder das kleine Fernmeldemuseum im Freiberger Hauptgebäude der Post. Auch ein Jubiläum wird dabei gefeiert: 130 Jahre Telefon in Freiberg.

Freiberg.

Fernmeldehistoriker Eckhard Keil aus Frauenstein und einige Gleichgesinnte haben in der ehemaligen Paketausgabe der Post eine Sonderausstellung "130 Jahre Telefon" aufgebaut. Der Erzgebirger weiß aus der Geschichte einiges zu berichten. "Wie andere Städte, bekam auch Freiberg eine eigene Stadtfernsprechanlage von der Oberpostdirektion Dresden zugebilligt. Am 1. September 1886 ist sie mit zwei Ortsbatterie-Klappenschränken und 42 Fernsprechteilnehmern in Betrieb genommen worden", erzählt er. "Die Leitungsführung verlief über den Dächern der Stadt." Standort war damals das Postamt am Bahnhof.

Zwei Jahre später entstand das neue Postgebäude und ermöglichte den Umzug der Post, der Telefon-Handvermittlung und der Telegrafie vom bisherigen Standort am Bahnhof in die Stadtmitte. "1925 wurde das Endfernamt Freiberg mit 15Schränken errichtet", weiß Keil. "1961 stellte man das Fernamt auf ein anderes Betriebssystem mit 19Schränken um. 1989 wurde es für immer aufgehoben."

1890 erfand man in den USA den sogenannten Strowger Hebdrehwähler. Ein Selbst-Anschlussamt entstand daraufhin auch in Freiberg. "Für die Unterbringung der Wählvermittlungsstelle musste das neue Postamtsgebäude aber vorher erst durch einen Anbau erweitert werden", erzählt der Senior. "Dafür wurde der Westflügel auf der Hofseite aufgestockt." Kurz vor Weihnachten 1925 konnte die Vermittlungsstelle Freiberg übergeben werden.

Das Ortsamt Freiberg erlebte eine wechselvolle Geschichte. "Nach dem Zweiten Weltkrieg begann langsam der Wiederaufbau der Fernmeldestrukturen auch in Freiberg", berichtet Keil. "Die vorhandenen Anlagen der Deutschen Reichspost wurden durch ein neues Amtssystem der Deutschen Post der DDR erweitert und aufgestockt." Ein weiteres neues System kam 1958 dazu. Nutzbar waren jetzt 2150 Anrufeinheiten. 1963 wurde schrittweise mit der Einführung des Selbstwählfernverkehrs begonnen. Sieben Jahre später erfolgte der Neuaufbau der Ortsvermittlungsstelle Freiberg. Mit dem Wohnungsneubau in Freiberg entstanden laut Keil Teilämter auf dem Wasserberg und in Friedeburg. Weitere waren Halsbrücke und Weißenborn.

Im Januar 1990 gab es, so der Fernmeldehistoriker, im Ortsnetz Freiberg 9957 Telefonanschlüsse. Im Mai 1993 wurde die neue, digitale Station am Häuersteig in Betrieb genommen. "Mit dem Abschluss der Digitalisierung im Fernmeldeamtsbereich Freiberg im Jahr 1996 entstand eine neue Ära in der Kommunikation", fasst Keil zusammen.

Mit der heutigen Ausstellung im historischen Gebäude am Postplatz wollen die Initiatoren, allesamt ehemalige Fernmeldemechaniker, an die Entwicklung des Fernmeldewesens in Freiberg erinnern. Alte Schaltschränke, Telefonapparate und vieles mehr lassen ein Gefühl dafür aufkommen, wie früher in der Stadt telefoniert wurde.

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