Wie immer, nur anders

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: 2020 war ein ganz normales Jahr mit ganz normalen Nachrichten. Manchmal.

Freiberg.

Endlich ist es so weit. Endlich mal ein Berg-Geschrey ohne Corona. Das hat es in Freiberg seit 1168 nicht mehr gegeben. Doch am 4. Adventssonntag ist es Zeit, zurückzublicken auf das, was im Jahr 2020 noch so gewesen ist.

Und das ist gar nicht mal so wenig. Es wäre ja auch noch schöner, wenn man sich von dem Virus so sehr in Beschlag nehmen ließe, dass man über gar nichts anderes mehr berichtet. Tatsächlich war noch viel mehr los. Das zeigt der Rückblick in die "coronafreien Nachrichten" der "Freien Presse".

Da ist zum Beispiel zu lesen, dass die Friseure kurz vor dem Lockdown noch richtig viel zu tun hatten. Dass pünktlich zum Start der "häuslichen Lernzeit" die Plattform LernSax gehackt wurde. Und dass sich vor Apotheken Schlangen bilden. Es gibt dort aber keine Bananen wie früher, sondern kostenlose FFP2-Masken für Risikogruppen. Hat alles überhaupt nichts mit Corona zu tun.

Früher konnte man wenigstens noch neutral darüber berichten, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist. Heute folgt gleich die bange Frage, ob dabei möglicherweise irgendwelche Fledermäuse aufgeschreckt wurden. Ganz sorgenfrei ist er also nicht, der Blick in die große, weite Welt. Wenigstens konnte man dieses Jahr noch von der Präsidentschaftswahl in der "ältesten Demokratie der Welt" berichten. Und von dem Flohzirkus, der danach kam. Das war zwar ähnlich deprimierend wie Corona, hatte aber einen höheren Unterhaltungswert.

Dennoch gilt: Warum in die Ferne blicken? Sieh, das Schlechte liegt so nah. Wenigstens hat Freiberg eine neue Umgehungsstraße. Also, nicht wirklich. Aber Mittelsachsen hat ein Verkehrsaufreger-Thema, das der Umgehungsstraße beinahe den Rang abläuft. Es ist der Blitzer an der B 101 bei Siebenlehn. Unsichtbares oder vielleicht doch geklautes Schild, neues Schild, Debatten, Rhabarberrhabarber. Fest steht, dass an der Messstelle in der ersten Jahreshälfte monatlich bis zu 3090 Raser erwischt werden. Da hat unser Landkreis wohl gute Chancen bei "Deutschland sucht den Superblitzer". Wenn wir schon nicht Super-super-Hotspot, sondern nur Superhotspot sind.

Über Blitzer regt sich der sächsische Provinzbewohner fast so gerne auf wie über den Wolf. Völlig unverständlich eigentlich. Was kann man denn gegen das Maskottchen des Kreissportbundes Mittelsachsen haben? Ein Wolf am Schwebebalken - das ist doch irgendwie niedlich. Und er trägt sogar ein Stirnband, das er bei kontaktintensiver sportlicher Betätigung als Mund-Nasen-Schutz verwenden könnte.

Es zeigt sich also: Um coronafreie Nachrichten zu finden, muss man ziemliche Handstände machen. Aber bitte nicht, während man in einem Boot sitzt, das gerade auf der Weißen Elster kentert. Und auch nicht, während man einen Böller zündet, den man sich vor dem Verkaufsverbot noch erhamstert hat.

Pyrotechnik darf dieses Jahr übrigens nur in geschlossenen Räumen gezündet werden, in denen sich mindestens fünf Personen aus 50Hausständen und ein gut getrockneter Tannenbaum befinden, und in denen sich kein Fenster öffnen lässt. Nur so können wir verhindern, dass Ärzte und Rettungskräfte zum Jahreswechsel an akuter Langeweile erkranken. Zur Brennbarkeit von FFP2-Masken gibt es allerdings noch keine verlässlichen Daten.

Schmerz beiseite - was ist noch passiert im Jahr 2020? Ach ja, Oederan ist zur Kulturhauptstadt Europas ernannt worden. Natürlich hochverdient, wenn man bedenkt, wie viele Kunstmuseen und andere Kulturtempel die Stadt bietet. So, und jetzt das Weihnachtsrätsel: Finden Sie den Fehler im Text! Schon entdeckt? Richtig. An Stelle von "Oederan" sollte eigentlich ein Wort mit C stehen. Aber Wörter mit C sind zurzeit leider verboten. Denn sie sind schlecht für die Stimmung unterm Christ-, äh, Tannenbaum.

Aber Hauptsache, der Stollen ist im Kasten. Oder im Stollen. Oder im Besucherbergwerk. So wie in Ehrenfriedersdorf, wo eine Bäckerei mehr als 3000 Stollen im Besucherbergwerk "Zinngrube" eingelagert hat. Wer einen verspeist, beißt nicht auf Granit, sondern auf Butter und Zucker. Wenigstens das ist so, wie es schon immer war.

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