Wie Kirchen zu Weihnachten mit der aktuellen Coronasituation umgehen

Vielerorts wird die Kirche statt für gemeinsame Gottesdienste für das stille Gebet geöffnet. Wo Veranstaltungen stattfinden, sind die Plätze begrenzt. Lieder und Krippenspiele erfordern Kreativität.

Freiberg.

Die Weihnachtsgottesdienste stellen für viele Menschen eine lieb gewonnene Tradition dar. So, wie man ihn vielleicht schon seit der Kindheit kennt, wird der Kirchenbesuch in diesem Jahr nicht sein. Die Sicherheitsvorkehrungen, die es zu beachten gilt, erfordern Kreativität und ständiges Umdenken von Pfarrern und Gemeinden.

Schweren Herzens, betont Superintendentin Hiltrud Anacker, haben die Freiberger Kirchengemeinde Petri-Johannis und die Gemeinde am Freiberger Dom bekannt gegeben, dass die geplanten Freiluftgottesdienste auf dem Untermarkt Heiligabend nicht stattfinden. Auch auf die beliebte Orgelvesper im Dom zu später Stunde muss die Gemeinde in diesem Jahr verzichten. "Gerade am Heiligen Abend hätten wir in schwierigen Zeiten gern die Menschen durch die Weihnachtsbotschaft ermutigt, aber wir können unsere Verantwortung gegenüber ihnen nicht anders wahrnehmen", erklärt Anacker.

Die Gemeinden stellen nun stattdessen Filmaufnahmen einer Andacht und eines Krippenspiels auf den Youtube-Kanal des Doms. Gemeindemitglieder, die Zugang zum Internet haben, können sich so - vorbildlich kontaktbeschränkt - die Kirche ins Wohnzimmer holen. Der Link dazu werde sich ab Donnerstagvormittag auf den Internetseiten des Doms und der Kirchgemeinde Petri-Johannis finden, so Anacker.

Das Krippenspiel, sonst eine schöne Weihnachtstradition, erscheint in der Pandemie bedrohlich - Kinder aus verschiedenen Familien, die laut sprechen, dicht gedrängt für Proben und Aufführungen? Aktuell haben sogar Schulen und Kindergärten geschlossen, um genau das zu verhindern.

Um an Heiligabend trotzdem ein Krippenspiel sehen zu können, hat die Gemeinde in Brand-Erbisdorf alle Register gezogen. Zum einen habe man die Darstellenden auf die wirklich allernötigsten Rollen reduziert, erklärt Pfarrer Ehrenfried Krüger. Nur drei Kinder werden nun die Weihnachtsgeschichte präsentieren, alle aus demselben Haushalt. Wenn alle Stricke reißen - etwa falls eines der Kinder krank wird - soll die Gemeinde trotzdem in den Genuss eines Krippenspiels 2020 kommen. Denn zur Sicherheit, erzählt Krüger, ist bei einer Probe eine Aufnahme gemacht worden. Die könnte in der Kirche gezeigt werden.

Die größte Herausforderung für die Gemeinden ist aber, dass viel weniger Menschen als sonst in die Kirche dürfen - wo doch gerade an Heiligabend besonders viele an einem Gottesdienst teilnehmen wollen. Viele Kirchen öffnen im Verlaufe des Heiligabends, sodass Gemeindemitglieder beten oder eine Kerze entzünden können. Durch die Kirchen der Domgemeinde wird das Friedenslicht von Bethlehem wandern, kündigt Anacker an. Wer eine Laterne mitbringt, könne sich so das Friedenslicht nach Hause holen.

Wo an Heiligabend Veranstaltungen stattfinden, wird der Besuch in vielen Gemeinden nur mit Voranmeldung möglich sein. So soll verhindert werden, dass Gläubige vor verschlossener Tür stehen. Dies ist aber ein bürokratischer Aufwand, den nicht jede Gemeinde bewältigen kann, erklärt Maria-Theresia Kaiser, Pfarrerin der Gemeinde Oberschöna-Langhennersdorf. Sie könne nur hoffen, dass allen in ihrer Gemeinde klar ist, dass die Anzahl der Plätze begrenzt ist und irgendwann die Türen geschlossen werden müssen. "Es ist mir sehr wichtig, die Kirche für die zu öffnen, für die das Wort der Hoffnung und die Gemeinschaft auf Distanz existenziell sind, um wieder Kraft zu schöpfen", sagt Kaiser. Damit besonders einsame Menschen die Gelegenheit haben, Heiligabend in die Kirche zu gehen, hofft sie, dass andere bereit sind, stattdessen eine Andacht im Internet oder Fernsehen zu verfolgen oder mit der Familie gemeinsam Weihnachtsgeschichten zu lesen. Zuhause könne man auch die Weihnachtslieder zusammen singen.

Denn in den Kirchen wird sie tatsächlich stiller, die Heilige Nacht. Da auf das Singen mit der Gemeinde wegen Corona verzichtet werden muss, wird vielerorts wohl die Orgel allein spielen. Pfarrer Krüger überlegt, ob man Gesang vom Band einspielen könnte. Ansonsten soll möglichst mitgelesen werden. Auf der Webseite des katholischen Bistums Dresden-Meißen rät Pfarrer Dr. Stephan George, Leiter der diözesanen Kommission für Liturgie und Kunst, seinen Kollegen: Die fehlenden Gesänge könnten Gelegenheiten für eine erfüllte Stille zum stillen Gebet werden. Bis zuletzt können sich Pläne noch ändern, warnen die Gemeinden. Deshalb sei es wichtig, die Aushänge und Webseiten der Kirche im Auge zu behalten.


Eine Auswahl offener Kirchenangebote in der Region Freiberg (Angaben unter Vorbehalt)

Ev.-luth. Kirchen

Berthelsdorf:Christvesper Do., 14 und 16 Uhr, mit Voranmeldung im Pfarrhaus am 21. oder 22.12., 15 bis 17 Uhr;

Bieberstein: Adventsgottesdienst So., 10 Uhr, Christvespern Do., 15.45 und 16.30 Uhr mit Voranmeldung;

Brand-Erbisdorf: Adventsgottesdienst So., 9 Uhr, mit Krippenspiel, Christvespern Do., 15 und 17 Uhr mit Krippenspiel mit Voranmeldung im Pfarramt, Feier zur Christnacht Do., 22 Uhr;

Burkersdorf: offene Kirche zur stillen Andacht Do., 15-16 Uhr, Gottesdienst Sa., 10.30 Uhr;

Conradsdorf: Andacht Do., 16.30 mit Voranmeldung (Ansprechpartner s. Halsbrücke)

Dittersbach: offene Kirche zur stillen Andacht Do., 16 Uhr, Gottesdienst Sa., 9 Uhr;

Dorfchemnitz: Adventsgottesdienst So., 10 Uhr, Christvesper Do., 15 und 17 Uhr;

Frauenstein: offene Kirche zur stillen Andacht, Do., 16-17.30, Gottesdienst Fr., 10 Uhr;

Freiberg:

Dom St. Marien: Familiengottesdienst zum 4. Advent So., 10 Uhr, offene Kirche Do., 14-18 und 20-22 Uhr, Kantatengottesdienst zum 1. Christtag mit Kindergottesdienst Fr., 10 Uhr, Predigtgottesdienst zum 2. Christtag mit Kindergottesdienst, 10 Uhr;

St. Johannis: offene Krippenkirche Do., 9-12 und 13-18 Uhr, sowie Fr., 10-12 Uhr, und Sa., 10-12 Uhr;

Jakobikirche:Christvesper Do., 13 Uhr, und Christnacht, 22 Uhr jeweils mit Voranmeldung am 20.12. 11-11.30 Uhr nach dem Adventsgottesdienst, Gottesdienst am Fr., 10 Uhr, und Sa., 10 Uhr;

Petrikirche: Adventsgottesdienst So., 10 Uhr, mit Voranmeldung in der Kircheoder Verwaltungskanzlei, offene Krippenkirche Do., 10-16.30 Uhr

Kapelle Zug: Christvesper Do., 16 Uhr mit Voranmeldung s. Jakobikirche;

Großschirma: Predigtgottesdienst Do., 14 und 15.30 Uhr;

Halsbrücke: Andacht Do., 15 und 17 Uhr mit Voranmeldung (Ansprechpartner der Einlage im Gemeindebrief zu entnehmen oder zu erfragen unter Telefon 017696816257)

Kleinwaltersdorf: Christvesper Do., 15 und 17 Uhr mit Voranmeldung im Pfarrbüro, Predigtgottesdienst Fr., 10 Uhr;

Krummenhennersdorf: Gottesdienst Do., 15 und 17 Uhr mit Voranmeldung (Ansprechpartner s. Halsbrücke)

Langhennersdorf: Krippenandacht (Pfarrwiese), Do., 17 Uhr; stille Andacht (Wendelinkapelle und Friedhof), Do., 21.30 Uhr;

Nassau: Gottesdienst Sa., 10.30 Uhr;

Neukirchen: Christvesper Do., 16 und 17.30 Uhr;

Niederschöna: Gottesdienst Do., 15 und 17 Uhr mit Voranmeldung (Ansprechpartner s. Halsbrücke);

Oberschöna: Krippenandacht, Do., 17 Uhr, stille Andacht, Do., 21.30 Uhr;

Reichenbach: Krippenandacht (Friedhof), Do., 15 Uhr;

Oberschaar: Gottesdienst Do., 15 und17 Uhr mit Voranmeldung (Ansprechpartner s. Halsbrücke)

Reinsberg: Christvesper Do., 16 und 17.30 Uhr, Predigtgottesdienst Fr., 10 Uhr;

Sayda:Abendandacht So., 18 Uhr, Christvesper Do., 15 und 17 Uhr, Weihnachtsgottesdienst Sa., 10 Uhr;

Siebenlehn: Gottesdienst für Familien mit kleinen Kindern, Do., 14 und 16 Uhr mit Voranmeldung, besinnlicher Gottesdienst, Do., 22 Uhr mit Voranmeldung;

Tuttendorf: Gottesdienst Do., 14.30 mit Voranmeldung (Ansprechpartner s. Halsbrücke);

Weißenborn:17.30 musikalische Christvesper Do., 17.30 Uhr, mit Voranmeldung im Pfarrhaus am 21. oder 22.12. 15-17 Uhr;

Zethau: Adventsgottesdienst So., 9.30 Uhr, Gottesdienst Fr., 9.30 Uhr, Gottesdienst Sa., 9.30 Uhr;

Röm.-kath. Kirchen

Brand-Erbisdorf: Messe So., 10.15 Uhr;

Freiberg: Messe Sa., 18 Uhr, Messe So., 8 und 9.30 Uhr, Krippenandacht Do., 15 Uhr mit schriftlicher Voranmeldung im Pfarrbüro, Weihnachtsgottesdienst Do., 17 sowie 20.30 und 22.12 Uhr mit schriftlicher Voranmeldung, Gottesdienst Fr., 9.30 und 10.45 Uhr, Gottesdienst Sa., 8 und 9.30 Uhr

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