Wie man sich bettet, so zahlt man

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Flittern wie Schröder oder hungern wie in der Steinzeit - dank touristischer Angebote.

Wer's noch nicht wusste: Sachsen ist ein Ferienparadies. Die Umsätze im hiesigen Gastgewerbe sind in den Jahren 2013 bis 2017 gestiegen. Natürlich gibt es trotzdem was zu jammern: In dem Zeitraum machten 2,8 Prozent der Gastronomie- und Hotelbetriebe dicht. Zeit also für neue Ideen, wie Touristen bei uns übernachten können.

Da gibt es einen weltweiten Trend, den wir übernehmen sollten: Die Paläo-Übernachtung. Der Gast schläft wie die Steinzeitmenschen in einer Höhle. Der Einfachheit halber nehmen wir eins unserer alten Bergwerke. Zu essen gibt's, genau wie in der Steinzeit, nichts. Auch auf Beleuchtung wird verzichtet, dafür strahlt das Uran. Ein Wismuts-, äh, Wermutstropfen: Die Touristen müssen Kurtaxe zahlen, weil in der feuchten Luft automatisch Atemwegserkrankungen behandelt werden - ob man will, oder nicht.

Bodenständig übernachten kann man auch auf dem Grund des abgelassenen Freiberger Waldbads. Dort entsteht gerade heimlich, still und leise ein Fünfsternehotel. Damit niemand was merkt, wird die Umgebung manchmal abgesperrt, berichtet der Verband mittelsächsischer Verschwörungstheoretiker und Nachplapperer (VmVN). Das Hotelpersonal wird in dem einzigartigen Biotop auch Watt-Wanderungen organisieren. Wer Munition findet, darf sie mit nach Hause nehmen.

Sehr beliebt ist auch das Paket "Wandern ohne Gebäck". Früher hieß das noch anders, da konnte man von einer Unterkunft zur nächsten laufen und ließ das Gepäck vom Hotel transportieren. Doch dann machte die sächsische Sprache aus dem Gepäck das Gebäck. Und das stimmt auch irgendwie, denn bei uns sind nicht nur die harten Konsonanten bedroht, sondern auch die kleinen Bäckereien.

In der kommenden Saison können außerdem keine Übernachtungen im Baumhaus angeboten werden. Denn es wird dann keinen Stadtwald mehr geben. Dafür entstehen viele hübsche Motels entlang der Umgehungsstraße.

Außerdem kann man regionaltypisch im Haus "Topas" übernachten. So heißt ein Wohnblock, den die Städtische Wohnungsgesellschaft Freiberg (SWG) gerade aufpoliert, im Rahmen des Projekts "Mineralienhöfe". Vielleicht eröffnen demnächst auch das Hotel "Zum strahlenden Uranerz" oder die Pension "Billiges Katzengold".

Obwohl Mittelsachsen so viel zu bieten hat, soll es noch Touristen geben, die in Dresden übernachten. Ist ja auch keine schlechte Stadt. Vor allem, weil man von dort aus schnell mal in Freiberg ist. Das Taschenberg-Palais ist ja auch wieder frei, nachdem Altbundeskanzler Gerhard Schröder dort mit Soyeon Schröder-Kim, seiner fünften Ehefrau, zur Hochzeitsreise Station gemacht hatte. Wer ebenfalls dort flittern möchte, sollte sich beeilen: Bis zur nächsten Hochzeitsreise des Herrn Schröder kann's ja nicht mehr lang dauern. Und es ist zu befürchten, dass er wiederkommt.

Da bleibt man vielleicht doch lieber in Freiberg und hat freie Auswahl. Denn in der Adventszeit werden alle Wohnungen am Obermarkt in Ferienwohnungen umgewandelt. Die eigentlichen Bewohner werden flüchten: Vier Wochen Bratwurst- und Glühweinduft halten eben nur Touristen aus.

Mehr Ruhe hat man, wenn man am Bahnhof in einem Zug schläft. Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf stehen die ja meist eh nur rum. Auf Toiletten, Service oder angenehmes Raumklima muss man weitgehend verzichten. Wer öfter mal mit der Bahn fährt, ist das ja schon gewohnt.

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