Wie man Weihnachten ein bisschen rettet

Märkte und das traditionelle Pyramide anschieben finden in diesem Jahr nicht statt. Doch den Advent komplett ausfallen lassen, kommt für viele nicht in Frage.

Niederbobritzsch/Lichtenberg.

Still und dunkel ist es am späten Samstagnachmittag vor der Gaststätte "Goldener Löwe" in Niederbobritzsch. Allein der Kirchturm in der Ferne und ein Weihnachtsbaum auf dem Parkplatz leuchten. Normalerweise wäre an diesem Tag zu jener Stunde eine Menge los, denn traditionell wird die große Pyramide angeschoben, die seit zehn Jahren vor der Gaststätte ihren Platz hat. Trompeter spielen dazu auf, es fließen Glühwein und Kinderpunsch. Nicht so in diesem Jahr.

Frank Wersig ist trotzdem da. Der Vorsitzende des Heimatvereins Niederbobritzsch trifft sich mit Jens Uhlemann, Betreiber des "Goldenen Löwen". Das Ganze hat schon fast etwas Konspiratives. Doch eigentlich geht es nur darum, dass nicht alle Traditionen einfach so weggelassen werden. "Zur Adventszeit gehört doch Licht", sagt Wersig. "Und wir machen Licht."

Ein Knopfdruck genügt und die prächtige Pyramide leuchtet auf, die Figuren auf den verschiedenen Ebenen setzen sich in Bewegung. Einige zufällige Passanten, unter ihnen Kinder, bleiben stehen und freuen sich. Mit Glühwein und Magenbitter stoßen Wersig und Uhlemann auf den Adventsauftakt an.

Wie in Niederbobritzsch, so haben sich vielerorts die Menschen Gedanken darüber gemacht, wie man in derart reduzierten Zeiten den Geist der Weihnacht noch retten kann. Die traditionellen Märkte fallen allesamt weg, kaum ist irgendwo ein Weihnachtslied zu hören, und vom Glühweinduft ist nur selten etwas zu erschnuppern. Was Erwachsene noch halbwegs verschmerzen können, ist den Kleinsten nur schwer zu vermitteln.

Im erzgebirgischen Lichtenberg war deshalb schon mit Absage des Weihnachtsmarktes, der am vergangenen Wochenende stattfinden sollte, klar, dass man irgendetwas für die kleinen Einwohner der Gemeinde machen will. Und so kamen ein paar Leute auf eine Idee. Gleich mehrere Weihnachtsmänner und ein verdächtig fröhlicher Schneemann machten sich am Sonntagnachmittag vom Burgberg aus auf den Weg durch den Ort.

Gezogen von einem kleinen Traktor, den ein Rentier steuerte, kamen sie an den Häusern vorbei, vor denen die Kinder mit ihren Eltern schon sehnsüchtig warteten, denn sie hatten ihre Wunschzettel dabei. Diese warfen sie in eine große Kiste, die die Weihnachtsmänner mitbrachten. "Das ist eine rein private Aktion", betonte der Schneemann, der auf der Ladefläche eines Trucks durch den Ort kutschiert. "Das läuft alles nach dem Motto aller Weihnachtsmänner, nämlich 'Never give up!'" Und die Kinderaugen konnten strahlen.

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